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Plädoyer für Flüchtlings-Forschung

Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Ausschuss - 18.01.2017 (hib 21/2017)

Berlin: (hib/ROL) Das Thema Flucht löst in einer globalisierten Welt Ängste aus." Das sagte Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor des Internationalen Konversionszentrum Bonn, vor dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung in Berlin. Das Dilemma sei, dass es zu dem Thema bisher kaum wissenschaftliche Erkenntnis gebe, obwohl sich die weltweite Tendenz zu Flucht und Vertreibung weiter fortsetzen und sogar verstärken werde. Es sei wahrscheinlich, dass neben politischen allein die ökologischen Katastrophen zunehmen werden, was zu noch mehr Flucht und Vertreibung führen werde.

Flucht- und Flüchtlingsforschung sei multidisziplinär, aber die Forschungslandschaft sei zersplittert. Forschung werde vor allem von Einzelpersonen im Rahmen von Promotionen betrieben. Zudem sei die Fluchtforschung zu sehr auf Deutschland fokussiert, obwohl das Thema Flucht ein globales Thema sei. Es werde zudem ein zu starker Schwerpunkt auf die Integrationsforschung gelegt. Das Forschungsthema Flucht müsste zukünftig stärker institutionalisiert werden und die Forschungsprojekte müssten eine längere Laufzeit haben, nämlich möglichst über ein Jahr hinaus.

Schetter sprach sich unter anderem für die Etablierung einer Stiftung aus. Es solle ferner eine Machbarkeitsstudie des Wissenschaftsrates zur "Etablierung einer Flucht- und Flüchtlingsforschung" in Deutschland ausgearbeitet werden. Auch empfahl er die dauerhafte Etablierung von Mitteln aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung für interdisziplinäre Forschungseinrichtungen und Studiengänge an Universitäten.

Dabei lobte er das Kooperationsprogramm des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück und dem Internationalen Konversionszentrum Bonn in Kooperation mit der Deutschen Stiftung Friedensforschung, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zwei Jahre lang gefördert wird. Dabei sollen Erkenntnisse der Flüchtlingsforschung in Deutschland zusammengetragen und in einer Forschungslandkarte sichtbar gemacht. Die Ergebnisse könnten der Politik, der Administration und Zivilgesellschaft als Grundlage dienen und die Politik soll mit Hilfe der Grundlagenforschung besser beraten werden können.

Zudem betonte Schetter, dass man Flucht nicht linear denken dürfe, sondern dass es sich dabei eher um eine zirkuläre Wanderung handele, die bisweilen auch mit der Rückkehr in die Heimat ende. Auch müsse das Thema Radikalisierung von Flüchtlingen besser erforscht werden, denn nur so könne man auch der politischen Radikalisierung der Bevölkerung in den Zielländern besser entgegen treten.