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Presse

Ursachen für Frequenzschwankungen im Stromnetz

Wirtschaft und Energie/Antwort - 31.07.2020 (hib 806/2020)

Berlin: (hib/FNO) Zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 30. April 2020 hat es nach Angaben der Bundesregierung 4.197.099 Frequenzabweichungen im deutschen Stromnetz gegeben. Allerdings hätten nur rund 0,03 Prozent der Zehn-Sekunden-Intervalle eine Abweichung von mehr als 0,10 Hertz gehabt, schreibt die Bundesregierung in einer Antwort (19/21091) auf eine Kleine Anfrage (19/20190) der Fraktion Die Linke. Eine Differenz von mehr als 0,20 Hertz von der Standartnetzfrequenz (50 Herzt) sei in diesem Zeitraum nicht gemessen worden.

Nach Angaben der Bundesregierung führen technisch unausgeglichene Bilanzkreise, also Unterschiede in Erzeugung und Verbrauch, zu den Schwankungen. Der börsliche Stromhandel führe typischerweise nicht zu solchen unausgeglichenen Bilanzkreisen. Generell seien Verletzungen der Bilanzkreistreue schwer nachzuweisen, Ermittlungen gebe es daher nur bei extremen Abweichungen. Die letzten großen Systembilanzungleichgewichte mit Auswirkungen auf die Netzfrequenz habe es im Juni 2019 gegeben. Insgesamt hätten im erfragten Zeitraum an 21 Tagen 150 Lastenmanagementmaßnahmen durchgeführt werden müssen, um Differenzen in der Handelsbilanz auszugleichen. Dabei habe es zu keinem Zeitpunkt eine Vollauslastung der Minutenreserve (MRL), Primär- oder Sekundärregelleistung gegeben.

Um die Bilanztreue der Stromhändler zu verbessern, habe die Bundesnetzagentur im Dezember 2019 neue strukturelle Vorgaben verabschiedet, heißt es in der Antwort weiter. Eine Maßnahme sei die Anpassung des Ausgleichsenergiepreises gewesen, dessen Berechnungsmethode im Mai 2020 erneut verändert worden sei. Aufsichtsverfahren wegen Bilanzkreisuntreue von Marktakteuren liefen derzeit nicht. Wegen den Juni-Systemungleichgewichten habe es sechs Verfahren gegen Bilanzkreisverantwortliche gegeben. Eines sei eingestellt und alle anderen im April 2020 abgeschlossen worden.