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Presse

Kaderathleten verlieren Sponsorenverträge

Sport/Ausschuss - 09.09.2020 (hib 929/2020)

Berlin: (hib/HAU) Die Absage der Olympischen Sommerspiele in Tokio in diesem Jahr hat vielen deutschen Spitzensportlern „den Boden unter den Füßen weggerissen“. Das machten Nadine Hildebrand, Athletensprecherin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und Max Hoff, Athletensprecher im Deutschen Kanu-Verband, am Mittwoch vor dem Sportausschuss deutlich. Die Auswirkungen der Olympia-Verschiebung auf das Jahr 2021 seien von Athlet zu Athlet andere, sagte Hoff. Ältere Sportler, für die die Spiele den Abschluss der Karriere darstellen, müssten nun ihre anschließenden Planungen für die Zeit nach der Karriere aufschieben. Studierende Aktive verlören ein weiteres Jahr im Studium. Vor allem viele junge Athleten hätten Motivationsprobleme in einer Saison ohne Wettkämpfe, sagte der mehrfache Olympiasieger und Weltmeister. Ein gravierendes Problem, so Hoff, sei auch das Wegbrechen von Sponsorenverträgen.

Die Hürdensprinterin Nadine Hildebrand bestätigte den Befund. Ergebnis einer von ihr durchgeführten Befragung der Athleten des Olympia-, Perspektiv- und Nachwuchskaders (Beteiligung: 62 Prozent) sei, dass bei 23 Prozent der Sportler die bestehenden Sponsorenverträge gekündigt und bei 40 Prozent die Umfänge der Verträge gekürzt worden seien. Angesichts fehlender Wettkämpfe sei es schwierig, neue Sponsoren zu finden. 14 Prozent der Kaderathleten würden ihrer Umfrage nach hierin existenzbedrohende Schwierigkeiten sehen, machte Hildebrand deutlich.

Johannes Herber, Geschäftsführer von „Athleten Deutschland“, sagte, viele Sponsoren hätten angekündigt, sich wieder zu engagieren, wenn sich die eigene finanzielle Situation verbessert habe. Aktuell, so seine Kenntnis, sei es aus Sicht vieler Sponsoren der eigenen Belegschaft im Unternehmen gegenüber nicht vermittelbar, wenn es dort zu Kürzungen komme, gleichzeitig aber Spitzensportler weiterhin finanziell unterstützt würden.

Einig waren sich die Athletenvertreter in der Einschätzung, dass die Kommunikation zwischen dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), den Verbänden und den Athleten besser werden müsse. Der für Sport zuständige Parlamentarische Staatssekretär im BMI, Stephan Mayer (CSU), hatte auf verschiedene Hilfsangebote verwiesen - hinsichtlich der Übernahme von Kosten für Trainingslager oder zusätzliche Corona-Tests - die in nur geringer Zahl wahrgenommen worden seien.

Über derartige Hilfeangebote seien die Sportler nicht gut informiert, befand Herber. Ihm gegenüber sei mehrfach Kritik darüber geäußert worden, dass die Sportler ihre Corona-Tests selber zahlen müssten. Auch der Kanute Hoff hält die Kommunikation für ein Problem. Die Informationen über Hilfsangebote müssten direkt an die Athleten oder ihre Vertreter gelangen. Dann könnten diese „Druck machen“, sagte er. Nach Aussage der Leichtathletik-Athletenvertreterin Hildebrand rechneten viele Sportler gar nicht mit der Möglichkeit, finanzielle Hilfen zu bekommen

Die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Uschi Schmitz, sagte, speziell in Sachen Corona-Test sei der DOSB „in Kontakt mit dem BMI“. Derzeit laufe eine Abfrage bei den Verbänden, um sich nach den Bedarfen zu erkundigen. Eine Abfrage unter den Sportlern, nach deren wirtschaftlicher Situation, habe es nicht gegeben, sagte Schmitz. Die Athleten hätten jedoch immer die Möglichkeit, über ihre Athletenvertretung Fragen zu stellen und seien „in regem Austausch mit der Deutschen Sporthilfe“.

Gesichert seien die Qualifikationsplätze für die ins kommende Jahr verschobenen Olympischen Spiele, machte DOSB-Vizepräsidentin Schmitz deutlich. „Die 223 vor der Pandemie erzielte Quotenplätze haben nach wie vor Bestand“, sagte sie. Zielwert für das deutsche Olympiateam in Tokio seien 400 Plätze.