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Digitale Agenda

Gespräch mit trans­at­lan­tischem Digitali­sie­rungspartner für Europa

(© DBT Bontjes/Wendlandt)

Cisco Systems, Inc., stellt neue digitale Entwicklungen vor.

In einer der letzten Wochen vor der parlamentarischen Sommerpause 2016 trafen sich der Vorsitzende des Ausschusses Digitale Agenda, Jens Koeppen, MdB, und Tabae Rößner, MdB, stellvertretendes Mitglied des Ausschusses, mit Pastora Valero, Vizepräsidentin von Cisco Systems, Inc. und zuständig für den Bereich Government Affairs für Europa, den Mittleren Osten, Afrika und Russland. Das Treffen knüpfte an ein Gespräch an, welches der Ausschussvorsitzende 2014 mit Robert M. Pepper, dem damaligen Vizepräsidenten von Cisco Systems, Inc., führte.

Zu den Gesprächsthemen gehörten diesmal die Entwicklungen des Internet-Datenverkehrs sowie die Digitalisierung in Europa. Selbstverständlich wurden transatlantische Themen nicht ausgespart, zudem stellte Pastora Valero die aktuellen Zahlen des Cisco Visual Networking Index vom Juni 2016 vor. In den Daten spiegelt sich nicht nur die generelle Bandbreitenentwicklung wider, sondern es sind auch die Erwartungen über die M2M-Kommunikation und damit hinsichtlich der Digitalisierung von Wirtschaft und Industrie erkennbar.

Im Verlauf des Gesprächs stellten alle Anwesenden fest, dass sich die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks dieselben Fragen stellen: Wem gehören die Daten? Brauchen wir eine stärkere Regulierung im Internet? Kann der Umgang mit Daten den Nutzern selbst überlassen werden?

Der richtige Umgang mit Daten

Jens Koeppen, MdB, beschrieb die Besorgnis, die viele Menschen bei der Digitalisierung ihres Alltags hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz verspüren. Auch die EU-Kommission befasse sich derzeit mit der Frage, ob es Regeln für „Dateneigentum“ geben solle. Die Sorge sei, dass mit der Digitalisierung auch europäische Kernindustrien über kurz oder lang von anderen dominiert würden.

Pastora Valero bestätigte, dass es zu diesen Themen noch keine befriedigenden Regelungen gebe. Deutschland werde, was Regulierungen angehe, von zahlreichen anderen Staaten als Vorbild angesehen. Wichtig ist, darin waren sich beide Gesprächspartner einig, dass bei aller Regulierung ausreichend Flexibilität bewahrt wird, um den vielfältigen guten Geschäftsmodellen eine Chance zu geben. Auffällig sei jedoch, so Pastora Valero, dass viele Kleinstunternehmen nicht um den Wert der von ihnen gesammelten Daten wüssten. So hätten Studien ergeben, dass im Einzelhandel generierte Daten teilweise nur zu sieben Prozent ausgewertet würden. Eine Änderung könne jedoch der Übergang zu einer Open Data-Gesellschaft bewirken.

Jens Koeppen, MdB, machte deutlich, dass nach seiner Auffassung mehr Mut im Umgang mit Daten erforderlich sei. Er setze auch auf die Stärkung der Souveränität der Nutzer. Wie Pastora Valero betont er, dass der Gesetzgeber einen Rahmen für den Datenschutz schaffen und den Nutzer entsprechend aufklären müsse. Entscheidend sei aber nicht so sehr, wem die Daten im Einzelnen gehörten, sondern, wie diese zweckmäßig, sicher und innovativ verarbeitet und übermittelt werden können.

Cisco Visual Networking Index

Besonderes Interesse erweckte der von Pastora Valero gewährte Einblick in die von Cisco Systems, Inc., gesammelten Zahlen anhand des Cisco Visual Networking Index. Cisco hat in seiner Visual Networking Index (VNI)-Studie die Prognose für den globalen Datenverkehr bis zum Jahr 2020 veröffentlicht.

Demzufolge wird sich der weltweite IP-Verkehr in den nächsten fünf Jahren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 22 Prozent beinahe verdreifachen. Für das damit verbundene explosive Datenwachstum seien verschiedene Entwicklungen verantwortlich. Dazu gehörten etwa Innovationen im Bereich Internet der Dinge (IoT), Videos, intelligente Stromzähler, digitale Gesundheitssensoren sowie M2M-Services der nächsten Generation.

Als allgemeiner Trend ist ein Wachstum vor allem durch Videodaten zu verzeichnen, die Datenströme stiegen in Spitzenzeiten um das 15-fache. Im Vergleich zu anderen Anwendungen haben Videos den größten Anteil am gesamten Internetverkehr. Etwa drei Billionen Video-Minuten werde pro Monat weltweit über das IP-Netz übertragen.

Der Sorge vieler Menschen, sie könnten – nicht nur im Bereich der sog. kritischen Infrastrukturen - mittels Daten sammelnden „intelligenten“ Geräten ausspioniert werden, werde sehr ernst genommen. Dem könne jedoch begegnet werden, indem bestimmte Verbindungen über parallele Netzwerke liefen und damit für Nichtöffentlichkeit gesorgt werde.

Europa als aufregender Investitionsstandort

Über die Netzpolitik Europas äußerte sich Pastora Valero freundlich. Europa biete eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit der Netze, die eine gute Grundlage für viele Geschäftsmodelle seien. Pastora Valero wies auf die engen Geschäftsbeziehungen zwischen CISCO Systems, Inc. und Europa hin. Deutschland wird als eines der „key countries“ für den Konzern gesehen. Deshalb wird Cisco in den nächsten drei Jahren im Rahmen der Agenda „Deutschland Digital“ 500 Millionen Dollar in die Digitalisierung Deutschlands investieren. Als Schwerpunkte beziehungsweise als Säule wurden die Bereiche Innovation, Sicherheit und Bildung genannt.

Pastero Valero erläuterte, zur ersten Säule gehöre die Stabilisierung und Verankerung von Innovationen, die durch sogenannte Innovation Labs erreicht würden. Es gebe gute Beispiele in Deutschland, wo Modelle aus diesen Labs bereits praktiziert würden, z.B. in Berlin mit dem „Open-Berlin“-Projekt und den Projekten Smart City und Smart Port/HafenCity in Hamburg.

Die zweite Säule beruhe vor allem auf Forschungsergebnissen durch das Exzellenzzentrum für Sicherheit in Deutschland und Forschung zur Sicherheit in der Cloud an der Humboldt-Universität Berlin.

Bei der dritten Säule im Bereich Bildung fördere Cisco an der Networking Academy 35.000 Schüler, Studenten und Weiterzubildende im Jahr. Diese Absolventenzahlen sollten auf 85.000 steigen und neue digitale Lehrpläne erarbeitet werden. Dabei gehe es hauptsächlich um neue Arbeitsplätze im Pflegebereich und in der Automobilbranche.

Internet of Things und Smart Cities

Tabea Rößner, MdB, sprach unter anderem die Infrastrukturen für Smart Cities und Smarte Dörfer an. Es gehe um die Zukunft des menschlichen Lebensraums und die Entscheidung darüber, welche Technologien dort nötig seien. Langfristig sei die Kupferkabeltechnologie nicht mehr zielführend. Man müsse auf neue Technologien wie „5G“ setzen. Die Umsetzung von Smart City bedürfe eine hohe Interoperabilität, um eine verlässliche und sichere Kommunikation des Internets der Dinge zu garantieren. Pastora Valero stimmte dem zu und verwies wiederum als positives Beispiel für die neueren Entwicklungen im Bereich Smart Cities auf die Digitalisierung des Hamburger Hafens.

Wegen dringender Anschlusstermine mussten sich die Gesprächspartner nach eineinhalbstündiger Gesprächsdauer mit der Vereinbarung, den anregenden und informativen Gedankenaustausch bei nächster Gelegenheit fortzusetzen, voneinander verabschieden. 

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