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11.11.2015 Tourismus — Ausschuss — hib 596/2015

Gästeführer beklagen Arbeitsbedingungen

Berlin: (hib/wid) Als „Botschafter“ ihrer Regionen sehen sie sich, Mittler zwischen „dem Lokalen und dem Globalen“. Doch Gästeführer und Reiseleiter in Deutschland finden ihre anspruchsvolle Tätigkeit weder in der Öffentlichkeit angemessen gewürdigt noch hinreichend honoriert. „Mein Wunsch ist fast schon missionarisch, diese Tätigkeit, die wir hier ausüben, aus der Nische herauszuholen. Was wir machen, hat eine hohe Wertigkeit“, sagte Ute Jäger, Vorsitzende des Bundesverbandes der Gästeführer in Deutschland, am Mittwoch in einer gemeinsamen Anhörung mit dem Verband der Studienreiseleiter vor dem Ausschuss für Tourismus.

Der Bundesverband der Gästeführer ist die Dachorganisation von 220 Vereinen und Verbänden, in denen sich über 6500 der schätzungsweise rund 10.000 Gästeführer bundesweit zusammengeschlossen haben. Im Verband der Studienreiseleiter, gegründet 1988, sind etwa 100 Mitglieder organisiert aus einer Berufsgruppe, der in Deutschland etwa 17.000 Menschen angehören.

Dass sie in zwei getrennten Verbänden organisiert sind und so auch vor den Ausschuss auftraten, hat mit unterschiedlichen Berufsbildern zu tun. Gästeführer verstehen sich nach den Worten ihrer Verbandschefin als „Spezialisten vor Ort“. Sie zeigen Besuchern die Sehenswürdigkeiten einer bestimmten Stadt oder Region. Reiseleiter begleiten Gruppen auf längeren Fahrten im In- und Ausland und haben dabei nicht nur Kultur- und Naturschätze zu erklären. Vielmehr obliegt ihnen die gesamte Organisation.

Gemeinsam sind beiden Berufsgruppen die Unsicherheit und oftmals prekären Umstände einer gering bezahlten selbständigen Existenz. „Wir haben eine enorme Verantwortung“, sagte Isabelle Riter vom Vorstand des Verbandes der Studienreiseleiter. „Arbeitsbedingungen und Entlohnung stehen leider dazu im Widerspruch.“ Es gebe keine geregelten Arbeitszeiten, keinen Sozialversicherungsschutz, keinen Ausgleich für Überstunden, keine Zuschläge für die zahlreichen Einsätze an Sonn- und Feiertagen. Auch der Zeitaufwand für die Vor- und Nachbereitung der Reisen bleibe unbezahlt.

Der Verband veranschlagt Tagessätze von 150 bis 180 Euro als einigermaßen angemessen. Es komme aber häufig vor, dass Reiseveranstalter nur deutlich weniger als 100 Euro zu zahlen bereits seien, sagte Vorstandsmitglied Peter Weinert. Vom Bundesverband der Gästeführer liegen über Einkünfte der Mitglieder keine Angaben vor. Vizechef Wolther von Kieseritzky nannte eine fünf Jahre alte Studie, der zufolge damals 60 Prozent der Mitglieder die Tätigkeit im Nebenberuf oder als Zuverdienst ausübten. Seither sei allerdings eine zunehmende Professionalisierung zu beobachten. Ein Problem der Branche sei, dass der Beruf in Deutschland nicht staatlich anerkannt sei. Seit 2008 gebe es immerhin Qualitätsstandards der Europäischen Union.

Als Experten, die in 25 verschieden Sprachen Besuchern aus fremden Ländern ihre jeweilige Region erklären könnten, leisteten die Mitglieder seines Verbandes eines wesentlichen Beitrag zu einem weltoffenen Deutschland, betonte von Kieseritzky. „Es sind Gästeführer, die, was die Heimat an Kultur, Sehenswürdigkeiten, Brauchtum, Identität besitzt, vermitteln.“ So habe in Nürnberg am vergangenen Wochenende erstmals eine kostenlose „Willkommensführung“ für Flüchtlinge stattgefunden. Daran habe ein Syrer teilgenommen, der selber in seiner Heimat als Gästeführer gearbeitet habe und so beeindruckt gewesen sei, dass er sich jetzt auch in Nürnberg für diese Tätigkeit ausbilden lassen wolle.

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