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Deutscher Bundestag - Archiv

Bioökonomie in Deutschland

Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Antwort - 13.02.2019 (hib 159/2019)

Berlin: (hib/ROL) Die Zahl der Biotechnologie-Unternehmen stieg laut des jährlichen Biotechnologie-Branchenreports der BIOCOM AG von 663 im Jahr 2010 auf knapp 752 im Jahr 2016. Der Gesamtumsatz aller Biotechnologie-Unternehmen lag 2016 bei 3,55 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 0,12 Prozent an der Bruttowertschöpfung Deutschlands. Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/7547) auf die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/7102). Zudem sei die Zahl der Biotechnologie-Start-Ups von zehn im Jahr 2015 auf 20 im Jahr 2016 gestiegen.

Die Bundesregierung definiert die Bioökonomie als ein Konzept, das an natürlichen Stoffkreisläufen orientiert ist und alle Wirtschaftsbereiche umfasst, die nachwachsende Ressourcen wie Pflanzen, Tiere sowie Mikroorganismen und deren Produkte erzeugen, be- und verarbeiten und damit handeln. Zum Einsatz kommen nach der Definition nicht nur Rohstoffe, die in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie in der Aquakultur oder der mikrobiellen Produktion erzeugt werden, sondern zunehmend auch biogene Rest- und Abfallstoffe. Strom, der in Deutschland aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft erzeugt wird, trage zum nachhaltigen Wirtschaften bei. Gleiches gelte für nachhaltig erzeugte Energie aus Biomasse, Rest- und Abfallstoffen. Grundsätzlich schätzt die Bundesregierung das Wertschöpfungspotenzial der Bioökonomie insbesondere in Wirtschaftsbereichen, die allgemein Biomasse (Rest- wie Rohstoffe) verarbeiten oder biotechnologische Verfahren nutzen, hoch ein. Dies gelt vor allem für die auf Enzymen basierende Herstellung neuer Wirkstoffe, von Fein- und Spezialchemikalien oder von Konsumgütern, wie zum Beispiel Reinigungsmitteln und Kosmetika.

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass belastbare amtliche statistische Daten zur Bioökonomie der Bundesregierung nur eingeschränkt vorliegen. Dies liege auch daran, dass in den gängigen Statistiken keine präzise Aufschlüsselung zwischen biobasierten und fossilen Sektoren erfolge. Die Bioökonomie sei branchenübergreifend, weswegen routinemäßig erhobene statistische Daten derzeit nur schwer der Bioökonomie zuzuordnen seien. Um eine systemische Betrachtung und Modellierung aller relevanten Faktoren und Wirkungen einer Bioökonomie - inklusive wirtschaftlicher Kennzahlen - vornehmen zu können, habe die Bundesregierung im Jahre 2016 den Aufbau eines umfassenden Monitorings der Bioökonomie gestartet.

In Zuständigkeit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) würden im Rahmen der Pilotphase drei Forschungsaufträge/ Studien mit dem Ziel durchgeführt, ein Monitoring zum Voranschreiten der Bioökonomie zu etablieren. Ergebnisse werden für das Jahr 2020 erwartet.

Für das Jahr 2020 plane das BMBF, sein Wissenschaftsjahr dem Thema Bioökonomie zu widmen. Übergeordnetes Ziel der Wissenschaftsjahre des BMBF sei es, die Öffentlichkeit stärker für Wissenschaft zu interessieren. Entwicklungen in der Forschung sollen für die Bürger transparenter und zugänglicher werden. Kontroverse Debatten sollen angeregt und vorangetrieben werden.

Ferner sei im Ressortforschungsplan 2019 des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Bürgerbeteiligung für das Thema Bioökonomie eingestellt worden. (vgl.www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Forschung/ressortforschungsplan_gesamt_2019_bf.pdf).