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Deutscher Bundestag - Archiv

Risiken im Finanzsystem steigen

Finanzen/Unterrichtung - 13.06.2019 (hib 675/2019)

Berlin: (hib/HLE) Im deutschen Finanzsystem haben sich langsam, aber stetig Verwundbarkeiten aufgebaut, und in der Gesamtschau zeigen sich im deutschen Bankensektor zyklische systemische Risiken. Dabei handele sich um die Unterschätzung von Kreditrisiken, Risiken aus der Immobilienfinanzierung und Zinsrisiken, wenn die Zinsen noch über längere Zeit sehr niedrig bleiben oder abrupt steigen würden, heißt es in dem von der Bundesregierung als Unterrichtung vorgelegten 6. Bericht des Ausschusses für Finanzstabilität zur Finanzstabilität in Deutschland (19/10688). Außerdem würden Cyberrisiken eine Gefahr für die Finanzstabilität darstellen. Ein ungeordneter Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU könnte erhebliche real- und finanzwirtschaftliche Verwerfungen zur Folge haben. Es könnten sich indirekte Ansteckungseffekte über Drittländer ergeben.

Wie es in dem Bericht heißt, könnte ein unerwarteter starker konjunktureller Abschwung den gesamten Bankensektor treffen und durch diesen verstärkt werden. „Kommt es zu einem unerwarteten, starken Abschwung, könnte die Eigenkapitalausstattung insbesondere der größeren Banken unter Druck geraten. Hierzu würden vor allem Kreditausfälle und regulatorisch steigende Risikogewichte beitragen. Bei kleineren und mittelgroßen Banken könnte es insbesondere zu Verlusten aus dem Wohnimmobilien-Kreditgeschäft kommen. Dieses macht einen Großteil ihrer Kreditvergabe aus“, heißt es in der Unterrichtung.

Der Ausschuss weist darauf hin, dass sich die Eigenkapitalausstattung großer deutscher Banken verschlechtert habe. Sollte ein Konjunktureinbruch mit sinkenden Immobilienpreisen einhergehen, würden wahrscheinlich zusätzliche Risiken eintreten. Angesichts der stark gestiegenen Preise und regionaler Überbewertungen bestehe die Gefahr, dass Banken die Werthaltigkeit der als Sicherheit hinterlegten Wohnimmobilien überschätzen würden. „Bricht die Konjunktur ein, dürften die Haushaltseinkommen sinken und die Arbeitslosigkeit steigen. Damit dürfte sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Wohnimmobilien-Kredite nicht mehr bedient werden.“ Bei deutlichen Preiskorrekturen könnte der Erlös aus einem Verkauf von Wohnimmobilien nicht ausreichen, um Kreditausfälle und Verluste auf Seiten der Kreditgeber zu vermeiden. Davon wären vor allem kleinere und mittelgroße Banken betroffen. Substanziell erhöhte Risiken für die Finanzstabilität sieht der Ausschuss weniger im Neugeschäft mit Wohnimmobilien-Krediten, sondern die Risiken könnten sich aus dem Bestand der Wohnimmobilien-Kredite ergeben.

Kleinere und mittelgroße Banken sähen sich auch hohen Zinsrisiken gegenüber, heißt es in dem Bericht. Mit niedrigen Zinsen hätten viele Banken mehr Kredite mit längerer Laufzeit und Zinsbindungsdauer vergeben. Vor allem bei kleinen und mittelgroßen Banken hätten sich dadurch Zinsänderungsrisiken aufgebaut. Risiken würden bei einem abrupten Anstieg der Zinsen ebenso bestehen wie auch bei einem Verbleib der Zinsen noch längere Zeit nahe null.

Der Ausschuss sieht außerdem die deutschen Lebensversicherer durch niedrige Zinsen belastet. Lebensversicherer hätten in der Vergangenheit häufig Verträge angeboten, die die Zinsen für eine sehr lange Laufzeit garantiert hätten. Diese garantierten Renditen seien hoch im Vergleich zu den Renditen, die die Unternehmen in derzeitigen Zinsumfeld erwirtschaften könnten. Die Unternehmen müssten daher weiterhin Risikopuffer aufbauen.

Beobachten will der Ausschuss sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), die in der Regel breite Marktindizes nachbilden und deren Anteile am Markt gehandelt werden. Systemische Risiken werden derzeit jedoch noch nicht gesehen, zumal der Anteil der ETFs am verwalteten Vermögen des Investmentfondssektors mit 2,4 Prozent in Deutschland weiterhin gering sei. Dafür werden Cyberrisiken als Gefahr für die Finanzstabilität gesehen. Cybervorfälle könnten die Vertraulichkeit, Integrität, Authentizität und Verfügbarkeit von Daten und IT-Systemen und damit die Funktionsfähigkeit des gesamten Finanzsystems beeinträchtigen, heißt es in dem Bericht. Ein weiteres Risiko für systemrelevante Banken wird in der US-Dollar-Finanzierung gesehen. Finanzierungen in US-Dollar würden überwiegend über den Großkreditmarkt erfolgen, da die systemrelevanten Institute in den USA kein Privatkundengeschäft in nennenswertem Umfang betreiben würden. Diese Art Finanzierung gelte in Krisen als instabil, sodass im Stressfall von hohen Zahlungsabflüssen auszugehen sei.