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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Gegen Rechtsextremismus: Physikerin Daniela Kolbe

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© SPD-Parteivorstand/D. Butzmann/F. Jaenicke/S. Knoll/B. Kraehahn

Daniela Kolbe ist Physikerin und die jüngste Abgeordnete der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Sie, gebürtige Thüringerin, fühlt sich inzwischen allerdings mehr als Sächsin - genauer gesagt als Leipzigerin. Denn in Leipzig, der Stadt der friedlichen Revolution, hat sie 2009 zum ersten Mal für den Bundestag kandidiert. Im Leipziger Norden (Wahlkreis 153) trat sie als Direktkandidatin für die SPD an, konnte das Direktmandat aber nicht holen, sondern zog über die Landesliste in den Bundestag ein. Weil ihr erster Bundestagwahlkampf alles andere als ein Spaziergang war - die SPD war auch in Leipzig in einem Umfragetief - ist sie besonders stolz darauf nun zeigen zu können, dass ihre Generation politisch etwas bewegen kann. Sie sagt: „Ich bin mir sicher: Die Welt ist veränderungsbedürftig, und sie ist veränderbar.“

Demokratieerfahrungen bei den „Falken“

Ihre ersten „politischen Flugversuche“ machte Daniela Kolbe als Falkin, im unabhängigen Kinder- und Jugendverband „Falken“. Dort sammelte sie ihre ersten Demokratieerfahrungen, denn in den Ferienlagern der „Falken“ konnten die Schüler bestimmen, was sie unternehmen. Damals (1996) war sie noch Gymnasiastin am Carl-Zeiss-Gymnasium in Jena, wo sie das Abitur machte.

Politik faszinierte sie schon als Jugendliche. Seit ihrem 16. Lebensjahr engagiert sie sich für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Fremdenfeindliche Gesinnungen können sie in Rage bringen, deshalb ist Daniela Kolbe ihr Engagement gegen Rechts eine besondere Herzensangelegenheit.

Bis 2009 Vorsitzende der Jusos in Leipzig

Als sie im Jahr 1998 zum Studium nach Leipzig kam, hatte sie keinesfalls vor, Politikerin zu werden. „Ich wollte einfach etwas Vernünftiges studieren und begann zunächst ein Studium der Meteorologie. Nach dem Vordiplom wechselte ich dann zur Physik“, erzählt die Abgeordnete. Während des Studiums trat Daniela Kolbe im Jahr 2002 in die SPD ein und musste schon bald eine herbe Enttäuschung verkraften. Denn unter Gerhard Schröder und der rot-grünen Bundesregierung wurde die Agenda 2010 umgesetzt. „Das war für mich ein wirklicher Tiefschlag und eine harte Probe, deshalb nahm ich mit den Jusos an den Demos gegen diese Arbeitsmarksreformen teil“, resümiert sie.

Im Jahr 2004 wurde die engagierte Politikerin mit ostdeutschen Wurzeln dann Juso-Vorsitzende in Leipzig - und sie blieb es bis 2009. Als Daniela Kolbe ihr Physik-Studium beendet hatte - 2008 erhielt sie ihr Diplom - wurde sie von Leipziger Genossen angesprochen, ob sie für den Bundestag kandidieren würde. Sie erzählt: „Ich war echt überrascht, weil ich mir bis dahin keine Gedanken darüber gemacht hatte, einmal Berufspolitikerin zu werden.“

Für Daniela Kolbe war die Abwägung, vier Jahre in die Politik zu gehen, keine leichte Entscheidung. „Wenn man sich als Wissenschaftlerin dafür entscheidet, vier Jahre nicht im Beruf zu arbeiten, ist das sehr schwerwiegend. Denn anders als zum Beispiel ein Beamter kann ein Wissenschaftler nicht einfach dort weitermachen, wo er vier Jahre zuvor aufgehört hat. Die Wissenschaft entwickelt sich so rasant, da ist der Zug schon nach einem Jahr abgefahren und man hat den Anschluss verpasst“, sagt Daniela Kolbe.

„Mehr soziale Gerechtigkeit und Bildungschancen für alle“

Trotzdem entschied sie sich für eine Kandidatur als Bundestagsabgeordnete, weil sie darin die Chance sieht, wirklich etwas verändern zu können. Die Oppositionsbank, findet Daniele Kolbe, ist für neue und junge Bundestagsabgeordnete eine prima Ausgangsposition, weil man sich erst einmal warmlaufen kann. „Wäre ich in einer Großen Koalition gleich in Regierungsverantwortung gekommen, hätte ich sicher mit mehr Kompromissen klarkommen müssen“, nimmt die SPD-Politikerin an.

Ihre politischen Ziele in dieser Legislaturperiode sind: Mehr soziale Gerechtigkeit und Änderungen bei Hartz IV sowie Bildungschancen für alle Kinder. Außerdem engagiert sie sich weiterhin aktiv gegen Rechtsextremismus. Sie erzählt, wie entsetzt sie war, als die NPD 2009 zum zweiten Mail in den Dresdner Landtag eingezogen ist. Für Daniela Kolbe ein einmaliger und beschämender Vorgang in der deutschen Parlamentsgeschichte.

Persönliche Wählerkontakte und Online-Austausch

Im Wahlkampf nutzte sie für Wählerkontakte neben Twitter, meinVZ oder Facebook auch den traditionellen Straßenwahlkampf. Sie sagt: „Mit den Menschen persönlich in Kontakt zu kommen, sich mit ihnen auszutauschen und zu diskutieren - auch wenn man nicht immer einer Meinung ist - hat mir besonders viel Spaß gemacht.“ Entsprechend ihrer naturwissenschaftlichen Ausbildung wurde die junge Abgeordnete in den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung berufen. Daneben ist sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Innenausschuss.

Daniela Kolbe engagiert sich außerdem im „Netzwerk für Demokratie und Courage gegen Rechtsextremismus“, in der Bürgerinitiative „Leipzig braucht ein Sozialticket“ und bei den Projekttagen für Demokratie und Mitbestimmung für eine bessere Ausbildung in Sachsen. Als Physikerin hat Daniela Kolbe die Gabe, analytisch zu denken - und als Politikerin muss sie Schwachstellen beseitigen, die bei der Analyse zutage treten. (bsl)

(Stand: Dezember 2010)

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