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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

„Gerechtigkeit ist meine Lebensmaxime“

Jutta Krellmann, DIE LINKE.

Jutta Krellmann, DIE LINKE.

© DBT/Neumann

Einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hatte Jutta Krellmann schon immer. Bevor sie 2009 als Abgeordnete der Fraktion Die Linke in den Bundestag gewählt wurde, war die gelernte Chemielaborantin 25 Jahre lang Gewerkschaftssekretärin in Niedersachsen. Nach der Ausbildung studierte sie Volkswirtschaft und war schon als junge Frau parteipolitisch aktiv – damals noch bei den Sozialdemokraten. Im Jahr 2004 trat sie in die WASG, die „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ ein, die 2007 mit der PDS zur Partei Die Linke fusionierte.

Gelernte Chemielaborantin

Der Landesverband Niedersachsen nominierte Jutta Krellmann im Jahr 2009 zur Kandidatin für die Bundestagswahl. Die Gewerkschaftsfrau kämpfte im Wahlkreis 47 Hameln-Pyrmont-Holzminden um jede Stimme. Sie schaffte den Einzug in den Bundestag über die Landesliste und sagt: „Meine wichtigsten Ziele als Parlamentarierin waren und sind: gesetzliche Lohnuntergrenzen auf den Weg bringen und das Prinzip 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' durchsetzen.“

Jutta Krellmann wuchs in einem eher unpolitischen Haushalt auf. „Mein Vater war Handwerker und meine Mutter Hausfrau. Beiden war Politik eher fremd, und sie warnten mich schon früh, ich solle mich lieber raushalten“, erzählt die Politikerin. Nach der Schule absolvierte Jutta Krellmann ab 1972 in Wiesbaden eine Berufsausbildung zur Chemielaborantin und arbeitete danach inder pharmazeutisch-chemischen Forschung.

„Fasziniert von der Studentenbewegung“

Schon damals engagierte sie sich in der Gewerkschaft und wurde als Auszubildende zur Jugendvertreterin im Ausbildungsbetrieb gewählt. Sie sagt rückblickend: „Damals war ich fasziniert von der Studentenbewegung, die gegen den Vietnamkrieg auf die Straße ging und gegen Nazis demonstrierte. Es war eine hochpolitische Zeit, und ich wollte mit den Azubis in meinem Ausbildungsbetrieb auch dazu beitragen, dass sich etwas verändert in diesem Land.“

Mitte der siebziger Jahre begann die erste Ölkrise, die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen stieg. Jutta Krellmann beteiligte sich als junge Gewerkschafterin an der Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes „Stopp Jugendarbeitslosigkeit“. „Wir diskutierten damals mit den Arbeitgebern über bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Entlohnung – auch für Auszubildende. Dabei merkte ich schnell, dass ich als Jugendvertreterin der Gewerkschaft an politische Grenzen stoße und dass sich die Situation nur verändern kann, wenn sich die politischen Verhältnisse ändern“, sagt die Abgeordnete.

Studium der Volkswirtschaftslehre

Zur Landtagswahl 1978 in Hessen unterstützte sie als Gewerkschafterin die SPD im Wahlkampf gegen den CDU-Spitzenkandidaten Alfred Dregger. Die politische Auseinandersetzung fand sie von Anfang an spannend. „Die SPD hatte damals viele gute Ideen, besonders in Bildungsfragen, und sie hatte den Kanzlerkandidaten Willy Brandt, der ein absolut glaubwürdiger Politiker war. In dieser Aufbruchzeit, in der die SPD vielen Menschen mit der Losung 'Mehr Demokratie wagen' aus dem Herzen sprach, trat ich in die SPD ein“,  resümiert Jutta Krellmann.

Im Jahr 1979 begann sie ein Volkswirtschaftsstudium an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg, das sie 1982 erfolgreich abschloss. „Damals konnte man an der Hamburger Hochschule ohne Abitur studieren“, erzählt die Politikerin und fügt an: „Das Studium war für meine politische Arbeit enorm wichtig, denn nur mit Fachwissen kann man fundiert argumentieren und überzeugen.“  

Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall

Nach dem Studium fand Jutta Krellmann als Absolventin zunächst keine Arbeit, die ihrer Qualifikation entsprach. Deshalb nahm sie 1984 eine als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) angebotene Stelle bei der IG Metall zur Betreuung der gewerkschaftlichen Arbeitsloseninitiative in Hameln an. Sie sagt über diese Zeit: „Ich kümmerte mich um Menschen, die keine Arbeit hatten und die schon resigniert  hatten. Ich hatte damals bereits viele Erfahrungen in meiner Gewerkschaftsarbeit gesammelt und konnte vielen Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Im Jahr 1985 übernahm Jutta Krellmann die Stelle einer Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall in Hameln. Es war eine Tätigkeit, die dem Gerechtigkeitssinn und  der Lebensmaxime der inzwischen knapp 30-Jährigen sehr entsprach. Es ging um die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen. Dafür hatte sich Jutta Krellmann ja bereits als Azubi stark gemacht.

SPD-Mitglied und aktive Gewerkschafterin

Als Gewerkschafterin engagierte sich Jutta Krellmann in den folgenden Jahren für Arbeitszeitverkürzungen und war aktiv an der Durchsetzung der 35-Stunden-Woche beteiligt: „Damals hatten wir die Hoffnung, dass sich diese für alle Arbeitnehmer durchsetzen würde und dass damit die Arbeitslosigkeit abgebaut werden könnte.“  Schließlich hatten die Gewerkschaften auch den Angriff der Arbeitgeber auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mit abgewehrt.

Viele Jahre hatte sich Jutta Krellmann als Mitglied der SPD und als aktive Gewerkschafterin leidenschaftlich für bessere Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer und für mehr Mitbestimmung engagiert. Sie sagt: „Der Schock kam für mich, als unter einem SPD-Bundeskanzler im Jahr 2003 die Agenda 2010 eingeführt wurde. Ich konnte nicht glauben, dass ein Sozialdemokrat derart unsoziale Maßnahmen auf den Weg bringen würde. Da stand mein Entschluss fest. Ich trat aus der SPD aus. Hätte ich diesen Schritt nicht schon mit der Agenda 2010 vollzogen, wäre ich ausgetreten, als die rot-grüne Bundesregierung die Rente mit 67 beschloss.“

Mitgründerin der WASG in Hameln-Pyrmont

Aus dieser Enttäuschung heraus gründete Jutta Krellmann im Jahr 2004 mit einigen ehemaligen SPD Mitgliedern und Gewerkschaftern in Hameln-Pyrmont die WASG. „So, wie sich die Bedingungen für Arbeitnehmer verschlechtert hatten, verschlechterten sich die Bedingungen für die Gewerkschaftsarbeit. Wenn man Beschäftigte zum Warnstreik aufruft und ein Drittel der Belegschaft sind Leiharbeiter beziehungsweise befristet eingestellte Kollegen, kann man Gewerkschaftsarbeit quasi nicht mehr durchführen. Mit der WASG wollten wir ein Gegengewicht, weil das mit der SPD nicht mehr möglich war, “ erklärt Jutta Krellmann ihren Schritt.

Als die westdeutsche WASG am 16. Juni 2007 mit der ostdeutschen PDS zur Partei Die Linke fusionierte, wurde auch Jutta Krellmann Mitglied der neuen Linkspartei. „Ich hatte für die Fusion gestimmt, weil ich nach wie vor gegen die Agenda 2010 war. Ich bin Gewerkschafterin und will eine starke vereinte Linke unterstützen, die etwas gegen Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Lohndumping tut, denn die SPD hatte sich offenbar von ihrem sozialen Gewissen verabschiedet,“ sagt die Abgeordnete.

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren“

In der Parteiarbeit ging Jutta Krellmann auf, denn als Gewerkschafterin vertrat sie ohnehin die Positionen, die  Die Linke vertrat: Umverteilung der Einkommen von oben nach unten,  Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, Arbeitszeitverkürzung.

Für Jutta Krellmann galt schon immer ein Leitspruch: Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren. Dieser Leitspruch galt für die Politikerin besonders im Bundestagswahlkampf 2009. Da hatten sie die Genossen zur Spitzenkandidatin gewählt.

Kandidatur auf Listenplatz fünf

„Ich hatte nie auch nur ein einziges Mal die Idee,  dass ich einmal Bundestagskandidatin werden könnte. Ich setzte mich für Gerechtigkeit ein, weil ich gar nicht anders kann und weil es meine Lebensmaxime ist. Dass die Genossen mir das Vertrauen gaben und mich zur Kandidatin wählten, hat mich sehr gefreut. Ich konnte Teil dieser neuen Bewegung sein, die in der Gründung der Partei Die Linke mündete. Ich nahm diese Herausforderung gern an, weil ich die Möglichkeit sah, etwas zu bewegen. Ich kandidierte auf Listenplatz fünf der Landesliste Niedersachsen und zog im Frühjahr 2009 in den Wahlkampf“, sagt Jutta Krellmann rückblickend.

Von Anfang an war klar, dass die Kandidatin Jutta Krellmann den Wählern zeigen wollte, dass sie hinter den Zielen des Wahlprogramms der Partei Die Linke steht und dass sie das Vertrauen der Wähler nicht enttäuschen würde. Im Wahlkampf auf Straßen und Plätzen, im direkten Kontakt mit dem Menschen, wollte sie als Bundestagskandidatin den Menschen zuhören.

„Zukunftsprogramme auf den Weg bringen“

„Wenn ein Politiker nicht glaubwürdig ist und keine Zukunftsvisionen entwickelt, werden ihn die Menschen nicht wählen. Denn sie spüren genau, wer ihnen Antworten auf ihre Fragen und Lösungsangebote für ihre Probleme geben möchte und wer nur Phrasen bringt“, sagt die Politikerin und fügt an: „Zukunftsprogramme für Arbeits- und Ausbildungsplätze, Bildung und soziale Gerechtigkeit, will ich auf den Weg bringen.“  

Dass die Menschen ihr vertrauen, zeigt das Wahlergebnis. Die Linke holte in Niedersachsen 8,6 Prozent der Zweitstimmen, zur Bundestagswahl 2005 waren es noch 4,3 Prozent gewesen.

Sprecherin für Arbeits- und Mitbestimmungspolitik

Im Bundestag möchte Jutta Krellmann die Interessen der Menschen nach sozialer Gerechtigkeit, Arbeit und  Bildung unterstützen. „Ich glaube, dass meine Partei die Gewerkschaften als größte außerparlamentarische Opposition und als Bündnispartner braucht, um etwas zu bewegen und umgekehrt. Dafür bin ich genau die Richtige“.

Jutta Krellmann ist Sprecherin für Arbeits- und Mitbestimmungspolitik ihrer Fraktion im Bundestag, ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie. (bsl)

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