+++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++

+++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++

Forschung

Warum der Mond wichtiger ist als der Mars

Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU)

Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU) (DBT/Unger)

Der hessische CDU-Bundestags- abgeordnete Klaus-Peter Willschist Präsident derEuropäischen Interparlamentarischen Weltraum- konferenz,die am Montag, 17. Oktober, und Dienstag, 18.Oktober 2011im Deutschen Bundestag tagt. Auf dem Weltraumtreffen wird vertreten sein, was Rang und Namen in der europäischen Luft- und Raumfahrtpolitik hat. Klaus-Peter Willsch ist ebenfalls Vorsitzender der mit mehr als 100 Mitgliedern größten Parlamentsgruppe im Deutschen Bundestag, derParlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt (PGLR).Im Interview nimmt Willsch zu dem zweitägigen internationalen Treffen Stellung:


Herr Willsch, was ist der Zweck der Europäischen Interparlamentarischen Weltraumkonferenz?

Die Europäische Interparlamentarische Weltraumkonferenz, die EIWK, wurde 1999 von mit Raumfahrt befassten Parlamentsgruppen aus Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland gegründet. Seither wuchs die EIWK beständig; mittlerweile sind insgesamt zehn Parlamente vertreten. Die EIWK versteht sich als Forum für den Informations- und Meinungsaustausch über die Raumfahrtaktivitäten der Mitglieder zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses in Bezug auf die nationalen Raumfahrtpolitiken.

Wer nimmt daran teil?

Natürlich werden die Parlamentarier aus den EIWK-Mitgliedstaaten Frankreich, Großbritannien, Belgien, Luxemburg, Spanien, Italien, Polen, Tschechien und Rumänien teilnehmen. Außerdem haben wir Beobachter aus EU- und Nato-Parlamenten eingeladen. Dass die Mitglieder unserer Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt sich beteiligen werden, ist selbstverständlich. Neben den Vertretern der nationalen Parlamente erwarten wir Gäste aus der Europäischen Weltraumagentur (ESA) und der europäischen Ebene sowie Repräsentanten der nationalen und internationalen Agenturen, der Wissenschaft, aus den Ministerien und der Industrie.

Mit welchen Themen wird sich die Konferenz befassen?

Das Thema, unter dem die Konferenz in Berlin stattfinden wird, lautet „Parlamentarier für Raumfahrt“ - „Parliamentarians for Space“. Wir wollen mit diesem Titel unterstreichen, dass Raumfahrtpolitik keine reine Regierungsangelegenheit ist, sondern auch die Abgeordneten beschäftigt. Inhaltlich wird sich die Konferenz vor allem mit den europäischen Raumfahrt-Flaggschiffen, dem Satellitennavigationssystem Galileo und mit der Globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachung GMES beschäftigen. Vor allem die Frage der zukünftigen Finanzierung beider Projekte müssen wir diskutieren.

Die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung setzt auf die europäische Zusammenarbeit sowie die Sicherung der technologischen Unabhängigkeit und des Zugangs zum All. Wie bewerten Sie die Strategie aus Sicht des Parlaments?

In der Strategie ist grundlegend festgelegt, wie sich der Hochtechnologiebereich Raumfahrt in den nächsten Jahren auf nationaler Ebene entwickeln soll, als Reaktion auf die sich verändernden politischen und gesellschaftlichen Bedingungen im internationalen Rahmen. Auf Grundlage der Strategie muss nun ein nationales Raumfahrtprogramm erarbeitet werden, das zentrale Elemente wie die Stärkung der Systemkompetenz in Deutschland, die Förderung der Raumfahrtanwendungen, des Innovationstransfers und der Wertschöpfung in nachgelagerten Märkten beinhalten muss. Die Parlamentsgruppe beobachtet mit Interesse die Entwicklung des Programms und wird sich aktiv in die Ausgestaltung einbringen.

Europa kämpft mit der Schuldenkrise. Welche Auswirkungen hat das auf die Raumfahrtpolitik, die vornehmlich ein europäisches Projekt ist?

Die Schuldenkrise wird auch vor der Raumfahrt nicht halt machen. Alle europäischen Parlamente müssen ihre Haushalte konsolidieren, es gibt nur einige, die sich disziplinierter daran halten als andere. Daher werden wir auch im Raumfahrtbereich in den nächsten Jahren keine großen Aufstockungen vornehmen können. Man darf allerdings nicht vergessen, dass wir im Hochtechnologiebereich Raumfahrt in unsere Zukunft investieren. Wir haben in Deutschland mit dem Zwölf-Milliarden-Programm für Bildung und Forschung bereits deutlich gemacht, dass wir nicht am falschen Ende sparen wollen. Deshalb wollen wir dafür sorgen, dass die Raumfahrt in der europäischen Schuldenkrise mit einem blauen Auge davonkommt.

Zuletzt hatten die führenden Raumfahrtnationen USA und Russland erhebliche Probleme mit ihren Raumfahrtprogrammen. Inwiefern wird die europäische Raumfahrt davon beeinflusst?

Ohne internationale Zusammenarbeit wäre die Raumfahrt, wie wir sie heute kennen, nicht möglich. Daher beeinflussen sich die Programme und Aktivitäten der Hauptakteure natürlich auch gegenseitig. Europa hat mit der Ariane ein eigenes Trägersystem, das zuverlässig von Kourou in Französisch-Guyana sowohl Satelliten in den Orbit schießt als auch Lasten zur Internationalen Raumstation ISS transportieren kann. Bei der bemannten Raumfahrt sind wir nach dem Ende der US-amerikanischen Shuttle-Ära auf die russische Soyuz angewiesen, die derzeit die einzige Möglichkeit bietet, bemannt zur ISS zu fliegen. Die Zusammenarbeit mit Russland ist hier vertrauensvoll und erfolgreich, dennoch müssen wir auf lange Sicht überlegen, ob und wie wir den bemannten Zugang zum All durch weitere Systeme sichern, um nicht auf die Zuverlässigkeit eines Systems angewiesen zu sein. Hier müssen wir gemeinsam mit den europäischen und internationalen Partnern weiter an Lösungen arbeiten.

Welches Ziel verfolgt die Parlamentsgruppe des Bundestages und sind sich darüber alle Fraktionen einig?

Die Aufgabe und das Bestreben der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt liegt in der Einbindung des Parlaments in den Zukunfts- und Hochtechnologiebereich Luft- und Raumfahrt. Die PGLR möchte interessierten Abgeordneten die Möglichkeit geben, sich mit der Luft- und Raumfahrt auseinanderzusetzen und den Kontakt mit den Akteuren aufzunehmen. Wie in den anderen Parlamentarier- und Parlamentsgruppen des Deutschen Bundestages ist es uns Abgeordneten dabei besonders wichtig, dass es sich um ein freiwilliges gemeinsames Engagement von Parlamentariern aller Fraktionen handelt. Die Attraktivität der Gruppe erklärt sich auch aus der Faszination, die Luft- und Raumfahrt eigen ist. Viele Abgeordnete haben aus unterschiedlichen Gründen eine Beziehung oder ein Interesse an der Luft- und Raumfahrt - sei es, weil sich ein Industrie- oder Forschungsstandort in ihrem Wahlkreis befindet, sei es weil sie selbst beruflich mit der Thematik befasst waren oder weil ihre Aufgaben in den Ausschüssen den Bereich berühren. Das ist ein überfraktionelles Anliegen, was sich auch in der Zusammensetzung der PGLR-Mitglieder widerspiegelt.

Auf ein Wort: Wann fliegen die Menschen zum Mars, und werden die Europäer dabei sein?

Um es mit den Worten eines deutschen Visionärs zu sagen: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“. Mit anderen Worten: Warum sollten wir uns jetzt schon Gedanken um eine Expedition zum Mars machen, wenn unser Erdtrabant, der Mond, noch kaum erforscht ist? Deutschland und Europa sollten sich darauf verständigen, durch eine gemeinsame Mission zum Mond unsere Kenntnis der Entstehungsgeschichte unserer Erde auf die Spur zu kommen und sich dadurch einen Vorsprung in der Exploration sichern. (eis)

Marginalspalte