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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Der Opfer von Krieg und Gewalherrschaft hat die Bundesrepublik am Volkstrauertag gedacht. In der zentralen Gedenkstunde des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Sonntag, 13. November 2011, hielt der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Frank-Walter Steinmeier, die Gedenkrede im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes in Berlin. Steinmeier betonte, dass ein freies und demokratisches Europa das Fundament des Friedens, Freiheit und Demokratie der wichtigste Schutz gegen die Rückkehr von Gewalt seien. Das große europäische Versöhnungswerk sei zu einem „Anker der Hoffnung“ für viele geworden, selbst auf dem Balkan. Allein die Aussicht, Mitglied einer europäischen Völkerfamilie zu werden, trage zu einem Frieden bei, der die Rückkehr von Gewalt undenkbar mache.

Steinmeier betonte, es sei wichtig, das Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mit einer Verantwortung zum Handeln zu verknüpfen. Das geeinte Europa sei ein Kontinent des Friedens geworden, sagte der SPD-Politiker und fragte: „Tun wir genug und tun wir das Richtige, um Krieg und Terror in Zukunft zu vermeiden?“ Er verneige sich in Trauer vor allen Opfern von Krieg und Gewalt. Es sei eine Verpflichtung, „uns für eine bessere Welt zu engagieren“.

„Orte, an denen man Frieden macht“

Steinmeier würdigte die Arbeit des Volksbundes, der großen Anteil daran habe, dass Soldatengräber Orte seien, „an denen man Frieden macht“, Orte der Versöhnung, Mahnung, Verpflichtung. Besonders schätze er die Jugendarbeit des Volksbundes. Bei den Jugendbegegnungen auf Soldatenfriedhöfen verinnerlichten ich die Jugendlichen den Wert des Friedens.

Steinmeier erinnerte auch an den 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion. Damit Versöhnung und gute Nachbarschaft auch mit Russland, ähnlich wie mit Tschechien und Polen, wachsen, brauche man nicht nur politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern auch persönliche Beziehungen wie Schüler- und Studentaustausch oder Städtepartnerschaften. „Arbeiten wir gemeinsam dafür, dass dieses Jahrhundert ein friedliches Jahrhundert wird“, sagte der frühere Außenminister.

Totengedenken

Zur Gedenkstunde hatte der Präsident des Volksbundes, Reinhard Führer, neben Steinmeier unter anderen Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse, Bundesratspräsident Horst Seehofer, Bundesverfassungsgerichtspräsident Prof. Dr. Andreas Voßkuhle begrüßt.

Bundespräsident Christian Wulff sprach das Totengedenken. Zu Beginn hatte der Opernsänger und Moderator Gunther Emmerlich mit Passagen Kindheitserinnerungen an das Jahr 1945 aus seinem Buch „Zugabe“ vorgelesen. Die musikalische Gestaltung der Gedenkstunde hatten die Regensburger Domspatzen und das Kammermusikensemble des Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg übernommen.

Solidarität mit den Hinterbliebenen der Gefallenen

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Vorschlag seines bayerischen Landesverbandes zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt.

Nicht „befohlene“ Trauer war das Motiv, sondern das Setzen eines nicht übersehbaren Zeichens der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen. 

Erste offizielle Feierstunde 1922

Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe hielt eine im In- und Ausland vielbeachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte.

Ein Komitee, dem von den großen Glaubensgemeinschaften bis zum jüdischen Frauenbund vielerlei Verbände angehörten, erreichte unter Federführung des Volksbundes, dass der Volkstrauertag in den meisten Ländern des Reiches gemeinsam, nämlich am Sonntag Reminiscere, dem fünften Sonntag vor Ostern, begangen wurde. 

Heldengedenktag in der NS-Zeit

1934 bestimmten die nationalsozialistischen Machthaber durch ein Gesetz den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und nannten ihn „Heldengedenktag“. Die Träger waren bis 1945 die Wehrmacht und die NSDAP. Die Richtlinien über Inhalt und Ausführung erließ der Reichspropagandaminister. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen. 

Nach einer Übereinkunft zwischen der Bundesregierung, den Ländern und den großen Glaubensgemeinschaften wurde der Termin auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr (evangelisch) beziehungsweise den 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch) verlegt. Durch Landesgesetze ist der Tag geschützt. Der Volksbund versteht diesen Gedenktag auch mit zunehmendem Abstand vom Krieg als einen Tag der Trauer. Der Volkstrauertag ist aber auch zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden. 

824 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten

Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa zwei Millionen Kriegstoten auf über 824 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung.

Das Leitwort ist: Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden. (vom)

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