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Deutscher Bundestag - Archiv

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Mit Preiserhöhungen Ressourcenproduktivität steigern

Die Preise für den Energie- und Rohstoffverbrauch parallel zur Steigerung der Ressourceneffizienz kontinuierlich erhöhen und über diese Verteuerung die Ressourcenproduktivität weiter verbessern: In dieser Strategie sieht Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker den besten Weg hin zu einer drastischen Verringerung des umweltschädlichen Rohstoffkonsums, ohne dass den Verbrauchern zusätzliche Kosten entstünden. Vor der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ betonte der ehemalige Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie am Montag, 6. Februar 2012, ohne langfristig angelegte Preisanhebungen trete der „Rebound-Effekt“ ein, wonach die über mehr Effizienz erzielte Ersparnis durch einen Mehrverbrauch von Energie und Ressourcen neutralisiert werde.

Die Referenten Prof. Dr. Reinhard F. Hüttl und Friedel Hütz-Adams wiesen auf die Gefahr hin, dass die Rohstoffproduktivität hierzulande zwar wachse, aber gleichzeitig der hiesige Ressourcenverbrauch in andere Länder verlagert werde, indem von dort verstärkt Rohstoffe sowie Halb- und Fertigprodukte importiert würden. Unter dem Vorsitz von Daniela Kolbe (SPD) debattierte die Kommission über Möglichkeiten und Grenzen zur Erhöhung der Ressourceneffizienz.

„Verfünffachung der Rohstoffproduktivität möglich“

Weizsäcker kritisierte, dass eine Verfünffachung der Rohstoffproduktivität und eine Abkoppelung des Ressourcenkonsums von der Steigerung der Wirtschaftsleistung technisch prinzipiell möglich seien, dies bislang aber kaum stattfinde. Zwar wachse der Rohstoffverbrauch inzwischen weniger schnell als das Bruttoinlandsprodukt, erforderlich sei aber eine Reduzierung des Ressourceneinsatzes.

Aus Sicht des früheren SPD-Abgeordneten, der von 2002 bis 2005 Vorsitzender des Umweltausschusses im Bundestag war, lässt sich in den reichen Ländern  des Nordens der Rohstoffverbrauch ohne Wohlstandseinbußen um 80 Prozent vermindern. „Bisher vergeuden wir jedoch Energie ohne Ende“, so Weizsäcker unter Verweis etwa auf die unzulängliche Gebäudesanierung oder den zu hohen Benzinbedarf von Autos.

Recyclingquote bei Metallen und Seltenen Erden steigern“

Weizsäcker zog eine Parallele zwischen der durch Lohnerhöhungen erzwungenen Arbeitsproduktivität in der Wirtschaft und der Steigerung der Ressourceneffizienz durch eine politisch verordnete Verteuerung von Rohstoffen und Energie. Verzichte man auf Letzteres, so führe etwa eine Senkung des Benzinverbrauchs durch bessere Motortechniken nur zu mehr Fahrkilometern, wie sich in den USA gezeigt habe. Bislang seien etwa der Lkw-Verkehr und der individuelle Autoverkehr zu billig.

Massiv erhöht werden müsse auch die Recyclingquote bei Metallen und besonders bei Seltenen Erden. Der Markt allein sei nicht in der Lage, die nötige Trendwende zu schaffen, so Weizsäcker, vielmehr müsse der Staat stärker eingreifen. Um die Umsteuerung der Rohstoffpolitik über höhere Preise „wirtschafts- und sozialverträglich“ zu gestalten, solle es soziale Niedrigtarife für den Grundbedarf geben.

„Zertifizierungssysteme weiterentwickeln“

Hüttl erläuterte, dass der weltweite Energieverbrauch in den nächsten Jahrzehnten um rund 40 Prozent zunehmen werde, wobei fossile Energieträger wie Kohle und Öl weiterhin eine wichtige Rolle spielen würden. „Kohle haben wir im Prinzip jede Menge“, so der Leiter des Deutschen Geoforschungszentrums, aber das Ausmaß der Nutzung hänge von den „wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen“ ab.

Hüttl, auch Präsident der Akademie für Technikwissenschaften, plädierte für die Weiterentwicklung von Zertifizierungssystemen, um der Verlagerung ökologischer Belastungen in andere Länder entgegenzutreten: Auf diese Weise könne man erreichen, dass in jenen Staaten, die etwa Biomasse wie Holz exportieren, bestimmte Umweltstandards beachtet werden.

Ressourcenverbrauch nicht ins Ausland verlagern“

Auch Hütz-Adams warnte davor, den Ressourcenverbrauch in Deutschland zwar zu reduzieren, dies aber durch eine Verlagerung ins Ausland zu konterkarieren. Für importierte Halb- oder Fertigwaren würden am Herstellungsort oft mehr Rohstoffe benötigt als hierzulande, so der beim „Südwind“-Institut tätige Wissenschaftler in einem schriftlich vorgelegten Thesenpapier.

Beispielsweise verwende die Autoindustrie immer mehr Aluminium, um das Gewicht und damit den Energiebedarf von Fahrzeugen zu senken. Gleichzeitig steige der globale Absatz von Aluminium, wobei für dessen Gewinnung viel Strom gebraucht werde. Hütz-Adams nennt als weitere Beispiele Gold und Seltene Erden, die in wachsendem Maße für Hightechprodukte benötigt würden, bei deren Abbau indes viele Schadstoffe anfielen. (kos)

 

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