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Deutscher Bundestag - Archiv

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Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Ausstellung „In meinem eigenen Lande - Die Malerin und Dissidentin Annemirl Bauer“ im Mauer-Mahnmal des Bundestages eröffnet werden konnte. Zwei Jahre, in denen die stellvertretende Kuratorin der Kunstsammlung des Bundestages, Kristina Volke, auch einen großen Stapel Stasi-Akten durcharbeitete. Denn Annemirl Bauer wurde in ihrer Heimat DDR systematisch bespitzelt, unterdrückt und als Künstlerin marginalisiert. Am Mittwoch, 28. März 2012, eröffneten Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse (SPD) und Kristina Volke die Ausstellung, mit der die Künstlerin posthum gewürdigt werden soll.

Dem DDR-System jede Legitimation abgesprochen

„Die Ausstellung passt ins Zentrum des vereinten Berlins“, sagte Thierse. Nach ihrem Diplom an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin habe Bauer (1939-1989) zunächst mehrere Jahre Auftragsarbeiten für öffentliche Gebäude erhalten. „Anfang der achtziger Jahre versuchten Mitarbeiter des MfS, ausgerechnet sie als IM anzuwerben.“

Bauer habe rebelliert. Innerhalb des Künstlerverbandes habe sie die Art der Auftragsvergabe, die willkürliche Vergabe von Westreisen an Künstler, die politisch angepassten Entscheidungen von Jurys kritisiert. In einer fünfseitigen Eingabe habe sie dem herrschenden System „jede Legitimation“ abgesprochen.

Von der Staatssicherheit terrorisiert

Die Schrift sei heute im Archiv des Beauftragten für die Stasi-Unterlagen einzusehen. „Warum wird das Dokument nicht in unseren Schulbüchern abgedruckt?“ Als Reaktion auf die Eingabe sei sie aus dem Künstlerverband ausgeschlossen worden, „was durchaus einem Berufsverbot nahekam“.

Anschließend sei sie von der Staatssicherheit terrorisiert worden: Verhöre, Einbrüche in ihr Atelier, Steuernachforderungen. Unmittelbar vor der innerdeutschen Revolution sei sie im August 1989 einem Krebsleiden erlegen. „In den zahlreichen Werken zur DDR-Kunstgeschichte finden sich kaum Hinweise auf Annemirl Bauer. Das ist traurig und wird ihr nicht gerecht“, sagte Thierse.

Existenzbedrohendes Berufsverbot

Es handele sich um „eine Künstlerin, die nie wirklich zum Zuge gekommen ist, die immer vergessen gemacht wurde“, stimmte Volke zu. Die Mitarbeit als Informantin der Stasi habe Bauer „rundheraus abgelehnt“. Mit der Folge, dass sie „im Laufe der Zeit selber zur Beobachteten“ geworden sei. Das Berufsverbot sei für Bauer existenzbedrohend gewesen.

„Wir haben es mit einer Künstlerin zu tun, die von Armut betroffen war.“ Das merke man an ihren Bildern: Sie habe auf allem gemalt, was sich ihr bot, sogar auf den Rückwänden von Spiegeln. Für Volke war die Recherche in den Stasi-Akten von Annemirl Bauer bedrückend: „Der Ton in den Akten war geprägt von einer Kälte“, die unglaublich gewesen sei.

Ausstellung bis 30. Juni geöffnet

Die Tochter der Künstlerin, Amrei Bauer, eröffnete die Ausstellung mit einer Erklärung des „Berliner Triptychons“, einem dreiteiligen Gemälde, dass ihre Mutter für den Magistrat zu Berlin gefertigt hatte. Anschließend spielte Tobias Morgenstern Improvisationen auf dem Akkordeon zu den Werken der Künstlerin.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Juni 2012 im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages zu sehen. Der Zugang liegt an der Spree-Uferpromenade am Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für Schulklassen des siebten bis zehnten Jahrgangs wird im Mauer-Mahnmal ein etwa zweieinhalbstündiger Workshop zur Ausstellung angeboten. Titel „Grenzgänger. Eine künstlerische Expedition ins Niemandsland.“ Weitere Informationen und Terminabsprachen: kunst-raum@bundestag.de. (ske)

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