+++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++

+++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++

Direkt zum Hauptinhalt springen Direkt zum Hauptmenü springen

Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

„Neue Förderinstrumente für ländliche Regionen“

Frau hilft Frau beim Srachelernen

© pa/Godong

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels spricht sich das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung für neue Förderinstrumente für ländliche Regionen aus. Während der Sitzung des Unterausschusses „Bürgerschaftliches Engagement unter Leitung der stellvertretenden Ausschussvorsitzenden Ute Kumpf (SPD) am Mittwoch, 28. März 2012, regte Institutsvertreter Dr. Steffen Kröhnert die Errichtung einer Stiftung „Ländlicher Raum“ an. Dies könne den Engagierten helfen, für ihre Ideen Fördermittel zu akquirieren, sagte er. „Wir brauchen niedrige Schwellen für nützliche Ideen von unten, statt einem Förderwirrwarr von oben.“

Kröhnert, der vor dem Unterausschuss des Familienausschusses die Studie „Die demografische Lage der Nation – Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet“ vorstellte, warb auch für ein verstärktes Engagement der Generation 60plus. Ältere, so der Sozialwissenschaftler, müssten bereits vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben als Engagierte umworben werden. Zudem müsse die Aktivität für das Gemeinwesen als attraktive Bürgeraufgabe thematisiert werden.

„Ländliche Regionen trocknen aus“

Anlass der Studie, so Kröhnert, sei die demografische Entwicklung gewesen, die dazu führe, dass insbesondere ländliche Regionen im Osten der Republik „austrocknen“. Kröhnert ging auf verschiedene Regionen ein, die man untersucht habe. Dazu gehöre der Kyffhäuserkreis in Thüringen, der unter großen Bevölkerungsverlusten leide. Das sehe man den Städten und der gesamten Region jedoch nicht an. Dies zeige: „Strukturschwäche muss nicht immer ein Nachteil sein.“

Vielmehr habe man dort den „Anspruch auf jede Art von Fördermitteln“ genutzt. Allerdings seien das vielfach Programme gewesen, die nach Auslauf der Förderdauer beendet werden, weil die Kommune sich die Fortführung finanziell nicht leisten könne. Freiwillig Engagierte, die nicht den Zugang zu den Fördertöpfen kennen, hätten hingegen große Probleme, auch relativ kleine Beträge zu finanzieren. Die Studie kommt daher zu dem Schluss: „Im Paradies der Fördermittel hat es echtes freiwilliges Engagement nicht immer leicht.“

„Mehr Einmischung und Mitsprache zulassen“

In der niedersächsischen Stadt Holzminden habe man eine aktive Bürgerschaft vorgefunden, die eine Reihe von Projekten auf die Beine gestellt habe, sagte Kröhnert. Es habe jedoch Konkurrenzdenken gegeben, das „wie Sand im Getriebe“ gewirkt habe. Zudem sei ein Freiwilligenzentrum von einer privaten Stiftung finanziert worden. Das Zentrum sei jedoch sehr kurzfristig wieder geschlossen worden, „weil private Stiftungen eher an spektakulären Geschichten interessiert sind“, wie Kröhnert sagte.

Was die Engagementförderung der Zukunft angeht, so plädierte Kröhnert für ein „neues Miteinander von Bürgern, Kommunen und Wohlfahrtsverbänden“. Wer eine aktive Bürgerschaft will, müsse auch mehr Einmischung und Mitsprache zulassen. Im Falle der Stadt Bremerhaven habe das nicht funktioniert, sagte er. Dort hätten sich Engagierte und Kommune gegenseitig blockiert.

„Ideen müssen von der Basis kommen“

Eine weitere Forderung des wissenschaftlichen Mitarbeiters des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sieht vor, Engagement und Engagierte professionell zu managen. Zudem müssten auch unspektakuläre Projekte gefördert werden. „Der ländliche Raum braucht eine dauerhafte Förderung nützlicher und kreativer Projekte“, sagte Kröhnert.

Den vom Unionsabgeordneten Klaus Riegert ausgemachten Widerspruch zwischen der freiwilligen Arbeit und dem bezahlten Management konnte Kröhnert nicht erkennen. Die Ideen zum Engagement müssten selbstverständlich von der Basis kommen. „Erfahrene Antragsteller können dann aber die Menschen beraten, wie sie zu Fördermitteln gelangen können.“

„Menschen im Osten fühlen sich nicht zuständig“

Harald Koch von der Linksfraktion vertrat die Ansicht: „Die Menschen brauchen Arbeit, dann kommt auch das Engagement.“ Dem schloss sich der Experte nicht an. Es gebe noch immer einen Unterschied in der Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement zwischen Ost und West, sagte er. Die geringere Quote in den neuen Ländern führte er darauf zurück, dass es die Menschen dort  - mehr als im Westen – gewohnt gewesen seien, „dass sich der Staat kümmert“. Unabhängig von einer höheren Arbeitslosigkeit fühlten sich die Menschen im Osten „nicht zuständig“. Diese Sichtweise könne man nur durch Überzeugungsarbeit ändern, stellte Kröhnert fest.

Auf den vom FDP-Abgeordneten Florian Bernschneider angesprochenen Trend zur nur temporären Bindung beim freiwilligen Engagement angesprochen, räumte Kröhnert ein, dass es schwierig sei, die Menschen zu einem dauerhaften Engagement zu bringen. Dabei könnten möglicherweise befristete Angebote helfen, die dann von den Engagierten selbstständig verlängert werden.

Engagement auf Ältere ausrichten“

Der SPD-Abgeordnete Sönke Rix machte darauf aufmerksam, dass beim bürgerschaftlichen Engagement nicht nur die Potenziale Älterer genutzt werden sollten, sondern das Engagement auch auf Ältere, etwa bei der Pflege, ausgerichtet werden müsse.

Ulrich Schneider (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte, dass die Gruppe der Migranten in der Studie nicht vorkomme und sprach das Problem des „Machterhalts der Verwaltung gegenüber den Engagierten“ an. (hau)

Marginalspalte