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Deutscher Bundestag - Archiv

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„Das Beste, was mir passieren konnte“

Plamen Shalafov, IPS-Stipendiat

© DBT/photothek.net

Auch die fünfstündige Anhörung war für Plamen Shalafov kein Problem. „Das Thema Rettungsschirm und Fiskalpakt ist so spannend, dass ich gar nicht müde geworden bin“, sagt der Bulgare. Bei der erwähnten Anhörung des Haushaltsausschusses hatte er zudem auch eine wichtige Aufgabe: „Ich habe für mein Büro ein Protokoll der Anhörung geschrieben.“ Gemeint ist damit das Bundestagsbüro des Unionsabgeordneten Norbert Brackmann. Hier absolviert Plamen Shalafov noch bis Ende Juli ein Praktikum im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) des Bundestages.

Zwei Auslandssemester in Leipzig

Sein Zwischenfazit nach gut zweieinhalb Monaten im Bundestag fällt positiv aus. „Das ist das Beste, was mir passieren konnte“, betont der 24-Jährige, der sogar seinen Job gekündigt hat, um am IPS teilzunehmen. Angefangen hat das Bundestagsabenteuer mit dem Bewerbungstipp zum IPS auf der Homepage der deutschen Botschaft in Bulgarien. Sein erworbenes Wissen im Bereich der Staatspolitik anzuwenden und Einblicke in die komplizieren politischen Prozesse zu erlangen, waren einige der Gründe, sich zu bewerben.

„Außerdem möchte ich auch meine Deutschkenntnisse verbessern“, ergänzt der 24-Jährige, der in der bulgarischen Hauptstadt Sofia geboren wurde und auch dort studiert hat. „Deutsch habe ich seit der achten Klasse im Gymnasium gelernt und später im Studium auch gebraucht“, sagt er. Beispielsweise während zweier Auslandssemester in Leipzig.

„Kündigung fiel mir nicht schwer“

Sein Studium der Volkswirtschaft und der Betriebswirtschaft hat er schließlich 2010 mit dem Bachelor abgeschlossen und sich gleich in die Berufstätigkeit gestürzt. „Mir fehlte die Geduld, noch zwei weitere Jahre an der Uni zu sitzen, um den Masterabschluss zu machen“, räumt er ein. Stattdessen arbeitete der Wirtschaftsexperte bei einem Finanzdienstleistungsunternehmen in Sofia.

So richtig zufrieden war er aber nicht. „Die Kündigung fiel mir nicht schwer“, sagt er. Künftig will er im „nichtöffentlichen Sektor“ arbeiten. „Eine Anstellung bei einem Wirtschaftsforschungsinstitut in Bulgarien wäre schön“, macht er deutlich. Bewerbungen dafür hat er schon einige geschrieben.

Im Haushalts- und im Finanzausschuss

Wenn Plamen Shalafov darin auf die Mitarbeit im Büro eines Haushalts- und Finanzpolitikers des Deutschen Bundestages verweist, dürfte das nicht von Nachteil sein. In welcher Fraktion er das Praktikum absolvieren wollte, war ihm im Vorfeld egal, erzählt er. „Ich wollte in einen Ausschuss, der sich mit den Fragen beschäftigt, mit denen ich auch etwas zu tun habe.“

Den Haushalts- und Finanzausschuss regelmäßig zu besuchen, findet er daher auch einfach nur „toll“. Bei der Arbeit kommen ihm nun auch die während des Auslandssemesters in Leipzig erlangten Vorkenntnisse zugute. „Meine Themen waren dort Staatspolitik und Wirtschaftspolitik — genau wie jetzt im Büro.“

„Stimmung im Land ist schlecht“

Dass sich der 24-Jährige mit diesen Themen intensiv beschäftigt, wird auch bei seiner Bewertung der Entwicklung Bulgariens deutlich. Er mache wohl eher schlechte Werbung für sein Land, weil er vieles sehr kritisch sieht, sagt er. Aber: „Das ist nun mal die Wahrheit.“ Die Stimmung im Land sei schlecht, erzählt er. „Viele der gut ausgebildeten jungen Leute wandern aus, ohne lange zu überlegen.“

Der Grund dafür: „Seit drei Jahren passiert in der Regierung nichts mehr“, kritisiert Plamen Shalafov und setzt hinzu: „Wenn ich höre, dass in Deutschland Reformstau und Politikverdrossenheit beklagt werden, muss ich immer ein bisschen lachen.“

„Intransparenz und Korruption“

Mit der weltweiten Wirtschaftskrise hätten die negativen Entwicklungen nur zum Teil zu tun, sagt er. „Regierung und Unternehmer sind auch mitschuldig, weil sie nicht aktiv dagegensteuern“, lautet sein Vorwurf. Zudem seien die politische Klasse und die Wirtschaftsklasse „verschmolzen“. Es gebe keine klare Linie mehr dazwischen zu ziehen: „Das führt zu Intransparenz und Korruption.“

Dem Verweis der Regierung auf die ausgeglichenen Staatsfinanzen kann der Wirtschaftswissenschaftler auch nicht viel abgewinnen. „Manchmal ist es sinnvoll, sich zu verschulden“, findet er. Der Regierung fehle aber der „Mut, Fantasie und Kompetenz, um zu investieren“.

„Auf jeden Fall in Bulgarien arbeiten“

Muss er sich bei derartig offenen Worten Gedanken um seine Zukunft in Bulgarien machen? Nein, sagt er. „Kritik ist möglich, aber sie ändert nichts.“ Wenn diese Kritik öffentlich komme, dann über Online-Medien. Die meisten Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehstationen stünden unter dem Einfluss der Regierung, sagt Plamen Shalafov. Auch wenn es eigentlich „unvorstellbar für ein europäisches Land ist, dass Personen der Regierung über ihre Firmen Medien kaufen, passiert das in Bulgarien“, bemängelt er.

Bei so viel Kritik stellt sich natürlich die Frage, ob er denn bereit ist, an Veränderungen mitzuwirken. Für Plamen Shalafov eine klare Sache. Statt auszuwandern will auf jeden Fall in Bulgarien arbeiten. Und auch der Übernahme politischer Verantwortung steht er aufgeschlossen gegenüber. Dazu brauche er noch „viele Erfahrungen und viel Wissen“, sagt er. „Aber in einigen Jahren könnte ich es mir durchaus vorstellen, in die Politik zu gehen.“ (hau)

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