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Parlament

„Das IPS schafft ein wahnsinniges Netzwerk“

Petra Kourimska

(DBT/photothek.net)

Verliebten fällt die Trennung bekanntermaßen besonders schwer. Petra Kourimska ist so ein Beispiel. „Ich habe mich schon 2007 während eines Auslandssemesters in Berlin verliebt“, sagt die 27-Jährige aus Tschechien. Noch bis Ende Juli bleibt sie in der deutschen Hauptstadt – „der liberalen Metropole, wo die Leute neugierig und offen sind“. So lange nämlich läuft noch ihr Praktikum im Rahmen des Internationale Parlaments Stipendiums (IPS) bei der FDP-Abgeordneten Nicole Bracht-Bendt.

Was dann beruflich kommt, und ob sie weiter in der Stadt bleiben kann, weiß sie noch nicht. „Ich bin für alles offen“, sagt die Germanistin, die im vergangenen Jahr ihren Masterabschluss gemacht hat. Weil Verliebte gern träumen verrät sie aber noch: „Irgendwann als Kulturattaché der tschechischen Botschaft in Berlin zu arbeiten, wäre wundervoll.“

Im Auto ehrliche Antworten bekommen

In den vergangenen Monaten hat sich Petra Kourimska schon mal intensiv mit dem politischen System in Deutschland auseinandergesetzt. Dabei haben auch lange Autofahrten in den ländlichen Regionen Niedersachsens geholfen. „Während meines Besuches im Wahlkreis von Frau Bracht-Bendt waren wir gemeinsam viel mit dem Auto unterwegs“, erzählt sie. „Das war super! So konnte ich all meine Fragen loswerden und habe persönliche und ehrliche Antworten bekommen.“

Von der offenen Art der FDP-Abgeordneten ist Petra Kourimska ohnehin angetan. „Sie ist bodenständig im guten Sinne“, findet die Tschechin, die im Büro Bracht-Bendt auch ordentlich zu tun hat. „Ich bereite unter anderem Sitzungen vor und gehe zu Terminen, die Frau Bracht-Bendt nicht wahrnehmen kann, die sie aber trotzdem interessieren“, sagt sie. Und natürlich: Recherche, Recherche, Recherche -  zu all den Themen, die für das Büro relevant sind.

Gespannt auf das Neue

Dass sie ihr Praktikum bei einer Familienpolitikerin absolvieren sollte, hat sie anfangs mit Skepsis gesehen. „Mein Thema ist eigentlich mehr Kultur und Medien“, sagt sie. Auf der anderen Seite war sie aber auch gespannt auf das Neue. „Außerdem habe ich schnell festgestellt, dass Familienpolitik in Deutschland einen richtig hohen Stellenwert hat“, sagt die 27-Jährige.

In ihrer Heimat gebe es kein eigenständiges Familienministerium und auch keinen Familienausschuss. Verständlich, findet die Tschechin. „Wenn man Probleme im Bereich der Justiz hat, sind das wichtigere Fragen als die nach einer Frauenquote.“ Deutschland sei hier eben weiter und könne sich daher mit solchen Problemen „auf höchster politischer Ebene beschäftigen“.

„Das Programm fand ich schon toll“

Doch Petra Kourimska sieht ihr Land dennoch auf einem guten Weg bei der Entwicklung des Parlamentarismus. „Wir haben beispielweise nicht so große Probleme mit der Korruption wie andere Länder“, schätzt sie ein. Gleichwohl betrachtet sie die „starken Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft“ mit Sorge. Und dann ist da noch die schlechte Stimmung in der Gesellschaft der Politik gegenüber.

Die Menschen würden sich machtlos fühlen und glaubten nichts beeinflussen zu können, sagt sie und fügt hinzu: „Das hat aber auch mit dem tschechischen Charakter und der Bloß-nicht-auffallen-Erziehung zu tun.“ Eher zurückhaltend als poltrig selbstbewusst präsentiert sich auch Petra Kourimska. So hat sie auch lange gezögert, sich für das IPS zu bewerben. „Das Programm fand ich schon toll, als ich das erste Mal davon gehört habe“, erzählt sie. Aber: „Ich habe es mir nicht zugetraut.“ Dazu kam, dass sie erst ihr Studium beenden wollte.

„Das IPS schafft ein wahnsinniges Netzwerk.“

„So bin ich frei in meiner Entscheidung was die Zukunft angeht“, sagt sie. Zum ersten Mal von IPS erfahren hat sie im Übrigen während ihres Auslandssemesters 2007/2008 an der Freien Universität Berlin. „Damals habe ich nebenher als Producerin für die Deutschland-Korrespondentin des tschechischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens gearbeitet, die selbst einmal das IPS absolviert hat“, erzählt Petra Kourimska. Was einmal mehr zeigt: „Das IPS schafft ein wahnsinniges Netzwerk.“

Was ihre eigene Vita angeht, so darf die Tschechin durchaus zufrieden sein: Als 27-Jährige kann sie auf ein abgeschlossenes Magisterstudium und jede Menge Erfahrungen aus den verschiedensten Praktika – viele im Bereich Kultur und Medien - verweisen. So hat sie unter anderem beim Tschechischen Zentrum in den Niederlanden gearbeitet ebenso wie für das tschechische Regierungsbüro während der EU-Ratspräsidentschaft des Landes. Zuletzt war Petra Kourimska in Vollzeitbeschäftigung bei einem in Tschechien ansässigen schweizer Reiseunternehmen beschäftigt.

„Mit Oma reden ist nicht ganz einfach“

Dazu kommen noch hervorragende Fremdsprachenkenntnisse in Deutsch, Englisch und Italienisch. Deutsch hat sie in der vierten Klasse als erste Fremdsprache gewählt. Auch weil ihre Oma eine Sudetendeutsche ist. „Mit ihr auf Deutsch zu reden ist aber wegen des Dialekts nicht ganz einfach“, sagt sie. Dann ist da noch die geografische Nähe zu Deutschland. „Ich bin in Ceska Lipa aufgewachsen“, erzählt Petra Kourimska. Von der 40.000 Einwohner-Stadt ist es nach Prag ebenso weit wie nach Dresden.

Klar, dass ihr die deutsch-tschechischen Beziehungen da wichtig sind. „Ich würde gern den Dialog zwischen unseren Ländern fördern“, sagt sie, wobei wir wieder bei ihrem Traum sind. „So etwas sollte man eigentlich nicht aussprechen, weil es dann nicht in Erfüllung geht“, weiß die 27-Jährige. Und dennoch: Es gibt sicher unwahrscheinlichere Annahmen als jene, dass der Kulturattaché der tschechischen Botschaft in Berlin einmal Petra Kourimska heißen wird. (hau)

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