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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Von der Kanzel in den Plenarsaal: Pascal Kober

Pascal Kober, FDP

Pascal Kober, FDP

© DBT/Neumann

Pascal Kober ist evangelischer Pfarrer und Freier Demokrat aus Überzeugung. Er studierte Theologie und arbeitete als Vikar und Pfarrer, bevor er in die Politik ging. Pascal Kober trat mit 28 Jahren den Jungen Liberalen und der FDP bei und ist seit 2009 einer von 93 Abgeordneten der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Für ihn hat das Wort Freiheit einen hohen Stellenwert. Schon in der Schule las er Martin Luthers Schrift von der „Freiheit eines Christenmenschen“.

20,1 Prozent für die FDP

Nach einer schnellen Karriere in der Landespartei kandidierte Pascal Kober im Wahlkreis Reutlingen 2009 für den Bundestag – mit großem Erfolg. Das hohe Gesamtwahlergebnis der FDP von 14,6 Prozent wurde in seinem Bundesland Baden-Württemberg mit 18,8 Prozent noch übertroffen.

Aber Pascal Kober übertraf sogar diesen Spitzenwert und holte 20,1 Prozent für die FDP. Ein Fünftel der 280 000 Menschen aus 26 Gemeinden haben damit Pascal Kober ihre Stimme gegeben. Sie hielten ihn für einen glaubwürdigen Politiker und vertrauten darauf, dass er ihre Interessen im Bundestag engagiert vertreten würde.

Im Elternhaus war Politik immer gegenwärtig

Pascal Kober kommt aus einem politisch interessierten Elternhaus, das prägte ihn. „Bei uns war Politik immer gegenwärtig. Meine Mutter engagierte sich früher kommunalpolitisch für die SPD, und ich las schon als Gymnasiast zu Hause neben dem ,Spiegel’ auch ,Die Zeit’ und Tageszeitungen“, erzählt der Politiker und fügt an: „Da blieben politische Diskussionen nicht aus, und die wurden auch manchmal heftig geführt“.

Erinnern kann sich Pascal Kober an den Bundestagswahlkampf 1980, als Franz-Josef Strauß den amtierenden Kanzler Helmut Schmidt herausforderte. In der Stadt Böblingen, in der die Familie wohnte, hingen überall Plakate, und zu Hause wurde heiß diskutiert. „Ich war damals noch ein Kind, aber die politische Stimmung war so aufgeheizt, dass ich mich sehr deutlich daran erinnern kann.“

Theologiestudent in Tübingen

Nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium in Böblingen machte Pascal Kober 1991 ein kirchliches Vorpraktikum in der Auferstehungsgemeinde Ulm-Böfingen. Im Bewerbungsgespräch stellte er sich dem Evangelischen Oberkirchenrat mit den Worten vor: „Ich will die Welt verbessern.“ Das beeindruckte den Oberkirchenrat, Pascal Kober bekam den Praktikumsplatz.

Im Anschluss studierte er Evangelische Theologie in Tübingen. Der Berufswunsch, einmal Pfarrer zu werden, entstand bereits am Gymnasium. Er erzählt: „Mit Begeisterung las ich damals im Religionsunterricht Auszüge aus der Schrift von Martin Luther ,Freiheit eines Christenmenschen’. Damals ist offenbar der Grundstein für mein späteres politisches Engagement gelegt worden.“ Pascal Kober schlug den großen Bogen, als er die „Freiheitsschrift“ mit dem Freiheitsgedanken der FDP in Verbindung brachte und nach dem Studium tatsächlich in die FDP eintrat.

Beeindruckt von Hildegard Hamm-Brücher

Sein Interesse für die FDP wurde aber auch durch ein Buch geweckt. Er las 1996 die Autobiografie von Hildegard Hamm-Brücher „Freiheit ist mehr als ein Wort“. Die Politikerin, die parteiübergreifend ein hohes Ansehen genießt, hatte den jungen Pfarrer sehr beeindruckt.

Den entscheidenden Anstoß für sein Engagement in der FDP und den Entschluss, Parteimitglied zu werden, gab der frühere Reutlinger Bundestagsabgeordnete und Bundeswirtschaftsminister Dr. Helmut Haussmann. „Ihm begegnete ich auf einer Wahlkampfveranstaltung, zu der ich aus Interesse gegangen war. Nach einer hitzigen Diskussion und einem sehr langen Gespräch mit ihm war ich überzeugt, dass man nur durch parteipolitisches Engagement Dinge ändern kann, die man änderungswürdig findet“, sagt der Abgeordnete.

Beisitzer im Kreisvorstand

Pascal Kober handelt immer nach dem Grundsatz: Entweder ich engagiere mich richtig, oder ich lasse es sein. So hielt er es von Anfang an in der FDP und bei den Jungen Liberalen. Dies bemerkten die Parteifreunde schnell, denn er wurde schon bald angesprochen, ob er als Beisitzer für den Kreisvorstand kandidieren würde. Pascal Kober erzählt: „Ich fragte: Beisitzer – was würde dabei meine Aufgabe sein? Der Kollege, der mich angesprochen hatte, sagte – eigentlich nicht viel, nur beisitzen. Ich kandidierte und wurde prompt gewählt.“

Allerdings kam es dann doch etwas anders. Denn die neu gewählte Vorsitzende hatte ganz konkrete Pläne. Sie übertrug Pascal Kober die Pressearbeit. „Ich war quasi ins Wasser geworfen worden und engagierte mich gleich im Bundestagswahlkampf 1998 und ein Jahr später im Wahlkampf für die Europawahl 1999“, sagt Kober rückblickend.

Erste Kandidatur für den Bundestag

Im Jahr 2000 wurde Pascal Kober Bezirksvorsitzender der FDP Neckar-Alb, und ein Jahr später wählten ihn die Mitglieder in den Landesvorstand der FDP/DVP Baden-Württemberg. 2005 kandidierte er zum ersten Mal für den Bundestag, weil ihm damals viele Parteifreunde ihre Unterstützung zugesagt hatten. Dass er damals noch auf einem wenig aussichtsreichen Listenplatz kandidierte und die erforderliche Mehrheit verfehlte, sah er gelassen.

„Mich hat es nicht abgeschreckt, dass ich beim erstem Mal nicht gewonnen hatte. Guido Westerwelle hat auch drei Anläufe gebraucht, um die Wahl zu schaffen. Für mich war es eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Es hat mir beim zweiten Anlauf, im Wahlkampf 2009, enorm geholfen“, sagt der FDP-Politiker und fügt an: „Ich hatte ja einen Beruf, der mich ausgefüllt hat, denn zeitgleich mit meiner ersten Bundestagskandidatur wurde ich Vikar an der Matthäusgemeinde in Stuttgart und wechselte zwei Jahre später als Pfarrer in den Schuldienst an der Hermann-Gundert-Schule in die Kreisstadt Calw.

Listenplatz Nummer 13

Bevor er 2009 in den Bundestagswahlkampf ziehen konnte, musste sich Pascal Kober im Jahr 2008 den Delegierten auf dem Kreisparteitag vorstellen und von ihnen nominiert werden. Er musste sich allerdings nicht gegen andere Bewerber durchsetzen.

“Ich hielt meine Bewerbungsrede völlig unaufgeregt und wurde mit großer Mehrheit von den Delegierten gewählt. Allerdings hatte ich auch 2009 den nicht sehr aussichtsreichen Listenplatz Nummer 13„, sagt der Abgeordnete.

Bundestagswahlkampf in Reutlingen

Im Frühsommer 2009 begann der Wahlkampf in Baden-Württemberg. Pascal Kober sagt: “Als die Landeslisten 2008 aufgestellt wurden, lag die FDP in den Umfragen bei neun oder zehn Prozent. Platz 13 bedeutete, dass die FDP zwischen 13 und 14 Prozent bekommen müsste, wenn die 13 Erfolg haben sollte. Das hielt ich damals nicht für realistisch, aber ich startete trotzdem mit großem Enthusiasmus in den Wahlkampf.„

In seinem Wahlkreis Reutlingen, der tief in die Schwäbische Alb reicht, ist die FDP eine angesehene Partei und bei den Bürgern stark verwurzelt. Dort tendierten die Wähler schon immer zu Schwarz-Gelb, und das merkte Pascal Kober im Wahlkampf sehr direkt.

Persönliches Gespräch statt virtuelle Aussagen

In persönlichen Gesprächen erfuhr er auf Volksfesten und Gemeindeveranstaltungen enorm viel Zuspruch. “Viele Wähler sagten mir damals, dass die Große Koalition für sie Stillstand bedeutet und dass sie deshalb FDP wählen würden„, erzählt der Abgeordnete rückblickend.

Pascal Kober hatte auch eine Webseite, die täglich aktualisiert wurde, aber das persönliche Gespräch ist seiner Meinung nach in einer ländlichen Region immer noch wichtiger als virtuelle Aussagen. Als ihn der Reporter einer Lokalzeitung im Wahlkampf fragte, ob er auch twittern würde, antwortete Pascal Kober: “Es fällt mir schwer, mein politisches Anliegen in 140 Zeichen zu pressen.„

Wechselbad der Gefühle

Am Wahlabend war Pascal Kober um 17.30 Uhr mit der Lokalpresse verabredet. Die Journalisten wollten ein Foto vom Kandidaten Kober machen, wie er bei der ersten Hochrechnung um 18 Uhr auf den Bildschirm schaut und sein Wahlergebnis erfährt. “Leider stand ich auf dem Weg zur Wahlkampfparty im Stau, und so hörte ich die erste Hochrechnung um 18 Uhr im Autoradio. Zur gleichen Zeit kam eine SMS aus der Bundesgeschäftsstelle, die mir bestätigte, was ich gerade gehört hatte.„ Dass er es geschafft habe und damit drin sei. Was denkt man in diesem Moment? “Nicht viel, weil man es zwar hört, aber noch nicht begreift„, sagt der Politiker.

Als er endlich auf der Wahlparty ankam, wurde er jubelnd begrüßt, aber alle warteten auf die amtliche Bestätigung. Denn noch war gar nicht klar, was er im Radio gehört hatte. Immer wieder erreichten ihn Infos aus der Landespartei, dass er sich nicht zu früh freuen solle, noch sei nicht endgültig ausgezählt. “Es war ein Wechselbad der Gefühle und meine Stimmung wurde gedämpfter. Gegen vier Uhr war ich zu Hause und da kam endlich der Anruf aus der Fraktion, dass ich nach Berlin kommen soll, weil ich in den Deutschen Bundestag gewählt war.„

Flug nach Berlin

Pascal Kober wurde ganz ruhig und schrieb an diesem Morgen eine einzige Mail und eine SMS. Er teilte der Landeskirche per Mail mit, dass er sein Amt als Pfarrer ruhen lassen würde, weil er jetzt Abgeordneter des Deutschen Bundestages sei. Seiner Familie schickte er eine SMS, dass er es geschafft hatte. Um fünf Uhr fuhr er zum Flughafen: Ziel Berlin. Am 28. September nahm er an der ersten Sitzung der Bundestagsfraktion der FDP teil, der er seitdem angehört.

Pascal Kober ist im Deutschen Bundestag ordentliches Mitglied in den Ausschüssen für Arbeit und Soziales sowie Menschenrechte und humanitäre Hilfe und stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Gesundheit sowie für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. (bsl/05.12.2012)

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