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Spracherwerb fördert Engagement von Migranten

Migranten vor Computer

© dpa

Speziell für Menschen mit Migrationshintergrund aufgelegte Programme tragen nicht zu einer verstärkten Engagementbereitschaft dieser Personengruppe bei. Zu dieser Einschätzung gelangt die Studie „Ethnische Diversität, soziales Vertrauen und Zivilengagement“ des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Es sei besser, auf allgemeine Programme zur Stärkung von Bildung und Beschäftigung zu setzen, sagte Prof. Dr. Ruud Koopmans, Projektleiter der Studie, am Mittwoch, 12. Dezember 2012, in dem von Markus Grübel (CDU/CSU) geleitenden Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement.

„Staatsangehörigkeit nicht entscheidend“

Derartige Programme führten zu einem „Denken in Kategorien“, sagte der Soziologe. Politik und Medien sollten ethnische und religiöse Unterschiede nicht zu stark betonen, lautete seine Forderung. Wichtig für die Engagementbereitschaft von Menschen mit Migrationshintergrund ist nach Aussage Koopmans die Förderung des deutschen Spracherwerbs. Die Studie habe eindeutig gezeigt, dass gute Sprachkenntnisse das zivilgesellschaftliche Miteinander befördern.

Die deutsche Staatsangehörigkeit hingegen ist nach Aussage Koopmans nicht entscheidend für das Engagement oder die Qualität des Zusammenlebens. „Die Staatsbürgerschaft ist keine Lösung für Integrationsprobleme“, sagte der Wissenschaftler.

„Guter Umgang mit Menschen“

Mit der Situation freiwillig engagierter Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigte sich eine ebenfalls vor dem Unterausschuss vorgestellte Studie der Soziologin Susanne Huth von der INBAS-Sozialforschung. Für die nach eigener Aussage „nicht repräsentative Studie“ seien 247 russischsprachige und 285 türkischsprachige Engagierte telefonisch befragt worden.

Dabei sei deutlich geworden, dass sich Migranten aus der Türkei im Bereich der politischen Interessenvertretung und dem Sport deutlich stärker engagieren als Migranten aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Deren Interesse liege wieder stärker in den Bereichen Kultur und Musik sowie Kirche und Religion. Beide Gruppen gaben überwiegend an, mit ihrem Engagement die Erwartung zu verknüpfen, anderen Menschen helfen zu können, sagte die Sozialforscherin. Demzufolge herrsche auch eine große Übereinstimmung in der Feststellung, dass ein guter Umgang mit Menschen eine der Hauptanforderungen an die freiwillige Tätigkeit ist.

„Öffentliche Anerkennung wichtig“

„Überraschend“, so Huth, sei, dass die für deutsche freiwillig Engagierte wichtige Frage der steuerlichen Freistellungen und Aufwandsentschädigungen sowie der Absicherung durch Haftpflicht- und Unfallversicherung bei den Befragten kaum eine Rolle gespielt habe. „Es ist teilweise gar nicht bekannt, dass es so etwas gibt“, sagte Huth.

Aus Sicht der Migrantenorganisationen ist es laut Studie wichtiger, öffentliche Anerkennung zu erhalten. Auch die Kooperation mit „alteingesessenen deutschen Organisationen“ ist von hoher Bedeutung, ebenso wie die Förderung und Unterstützung der Migrantenorganisationen selbst durch den Staat. Mit Blick auf die Frage der Anerkennungskultur sagte die Soziologin: „Die Anerkennung über Medien spielt eine größere Rolle als die Vergabe von Medaillen.“

„Weiße Flecken ausfüllen“

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (CDU), dankte den Wissenschaftlern für die „spannenden Daten und Hinweise“. Zugleich kündigte sie an, die Forschung auszuweiten. „Die weißen Flecken müssen ausgefüllt werden“, sagte Böhmer.

Einmal mehr hätten die vorgelegten Studien gezeigt, dass das Sprachvermögen, der Bildungsgrad und die Einbindung in das Erwerbsleben wichtig für die Integration seien. „Wir dürfen hier nicht locker lassen“, forderte die Staatsministerin.

Migrantenorganisationen als Erstanlaufstelle

Aus ihrer Sicht müssen die Migrantenorganisationen in die Lage versetzt werden „unsere Anforderungen zu erfüllen“. Mit Blick auf die Situation in Griechenland und Spanien machte Böhmer darauf aufmerksam, dass viele junge Leute aus diesen Ländern auf der Suche nach Arbeit nach Deutschland kämen.

Vielfach seien dann die griechischen und spanischen Migrantenorganisationen als Erstanlaufstelle gefordert, die aber darauf nicht vorbereitet wären. „Hier wollen wir die Strukturen stärken“, kündigte die Integrationsbeauftragte an. Erfreut zeigte sie sich, dass laut Studie auch die Organisationen der Migranten an einer Zusammenarbeit mit „deutschen Organisationen“ interessiert sind. „Dafür brauchen wir den Tandem-Ansatz“, sagte Böhmer. (hau/13.12.2012)

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