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Parlament

Warum der Adler im Plenarsaal so rund ist

Kinder auf der Besuchertribüne im Plenarsaal

Kinder auf der Besuchertribüne im Plenarsaal (DBT/Hausding)

Von vorweihnachtlicher Ruhe war am Montag, 17. Dezember 2012, im Reichstagsgebäude nicht viel zu spüren. Die Szenerie war eher von aufgeregtem Hin- und Herrennen geprägt. Von der Frage, wer noch aufs Klo muss und dem Hinweis, schön auf die eigenen Sachen zu achten. Kein Wunder – schließlich war Kindertag im Bundestag, zum letzten Mal im Jahr 2012. Rund 800 Schüler aus 33 Klassen wandelten durch die Gänge des historischen Gebäudes. Vorbei an den „Graffitis“ der russischen Soldaten, am Andachtsraum, der Abgeordnetenlobby und den „Hammelsprungtüren“. An den Tastmodellen für blinde Besucher ließen sie sich die Aufteilung im Reichstagsgebäude selber zeigen, an einem weiteren Modell die Lage innerhalb des Berliner Parlamentsviertels.

Der komische Stiel an der Decke

Und natürlich ging es auch in den Plenarsaal. Auf den dortigen Besuchertribünen nahmen auch die Sechstklässler der „Grundschule am Kollwitzplatz“ in Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg Platz, um Sebastian Balta vom Besucherdienst des Bundestages Löcher in den Bauch zu fragen.

Warum denn der Adler im Plenarsaal des Bundestages so rund sei, wollten sie wissen, und weshalb es Telefone auf den Tischen der Abgeordneten gibt. Und was den der komische Stiel an der Decke zu bedeuten habe.

Handys sind verboten

Besucherführer Balta blieb keine Antwort schuldig. Die runde Ausformung der „fetten Henne“, wie der Adler ob seines Umfangs gerne genannt wird, hat mit der runden Anordnung der Sitze im Saal zu tun. Die Telefone sind da, weil Handys verboten sind und die Abgeordneten dennoch Kontakt mit ihren Büros halten müssten. Und der Konus, der an der Decke hängt und von anderen Besuchern auch schon als Zapfen, Rüssel oder Möhre bezeichnete wurde, soll das Tageslicht in den Sitzungssaal lenken.

Zugleich sorgt er für gute Luft. „Die Kuppel hat eine Kaminfunktion, wodurch die verbrauchte Luft nach oben entweichen kann“, erläuterte der Mann vom Besucherdienst. Auch er hat Fragen an die Schüler, die korrekt beantwortet werden. Nämlich, welche Fraktionen – soll heißen Parteien – im Bundestag vertreten sind. Dass hier zuerst die Grünen genannt werden, hat möglicherweise mit der Herkunft der Schüler zu tun. Im Wahlkreis Prenzlauer Berg lag die Partei schließlich bei der Bundestagswahl 2009 sowohl bei den Erst- als auch beiden Zweitstimmen vorn.

Die Kanzlerin kann reden, so lange sie möchte

In einem Punkt allerdings irrten die Schüler. „Die Kanzlerin ist doch bei jeder Sitzung da, oder?“ wurde bemerkt. Nein, sagte Sebastian Balta. Die Sitzungen würden nicht von Frau Merkel geleitet sondern vom Bundestagspräsidenten. Er ist es auch, der aufpasst, dass die Abgeordneten sich an ihre Redezeiten halten.

Wer seinen Redefluss gar nicht mehr stoppen will, dem könnte Norbert Lammert – oder einer seiner Stellvertreter – auch das Mikrofon ausschalten. Wobei wieder Angela Merkel ins Spiel kam. Die Kanzlerin ist die Einzige, die so lange reden kann wie sie möchte. „Ihr darf das Mikro nicht ausgeschaltet werden“, sagte der Besucherführer.

400 Silben pro Minute

Beantworten muss er noch die Frage nach den beiden großen Bildschirmen im Sitzungssaal. Dort sei zu lesen, wer gerade zu welchem Tagesordnungspunkt redet, sagte Balta. Nachdem auch die Rolle der Stenografen, die an dem halbrunden Tisch vor dem Rednerpult sitzen und „400 Silben pro Minute aufnehmen können“, geklärt ist, bildet für die Schüler der Gang in die Reichstagskuppel den Abschluss des Besuches. Laut Besucherführer besuchen pro Jahr zwei Millionen Gäste die Kuppel. Die Sechstklässler der Grundschule am Kollwitzplatz gehören seit heute auch dazu.

Die nächste Möglichkeit, Fragen zu stellen und die Kuppel zu besuchen, gibt es für Schulklassen am 18. Februar 2013. Dann wird es wieder laut in den Gängen – dann ist wieder Kindertag im Bundestag. (hau/17.12.2012)

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