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Deutscher Bundestag - Archiv

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Wolfgang Thierse begrüßt 115 IPS-Stipendiaten

Empfang der IPS-Stipendiaten

Empfang der IPS-Stipendiaten

© DBT/Melde

Witzig, selbstironisch und informativ. So in etwa lassen sich die Beiträge der 115 Teilnehmer am Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) im Rahmen ihrer offiziellen Begrüßungsfeier am Donnerstag, 14. März 2013, in der Humboldt-Universität in Berlin (HU) zusammenfassen. Unter dem Motto: „Nationale Eigenständigkeit und gelebte Internationalität“ stellten die Stipendiaten ihre 30 Herkunftsländer unterhaltsam vor.

Eine Reise durch die Länder

Zu erfahren war dabei unter anderem: In Kasachstan und Aserbaidschan tanzen die Frauen ähnlich schön und sind auch ähnlich kostümiert. Weißrussland gibt es gar nicht, denn es heißt Belarus und hat derzeit einen „sehr strengen Coach“.

Die baltischen Staaten sind ewig am Streiten, wessen Sprache denn nun die komplizierteste ist. Die armenische Diaspora ist riesengroß. Und am Siegeszug der französischen Bistros ist die hungrige Ungeduld der Russen schuld, weil deren Soldaten Anfang des 19. Jahrhunderts Paris besetzt hielten und in den Restaurants immer wieder „bystro“ riefen, was auf Russisch schneller bedeutet.

Ob dem tatsächlich so ist, sei mal dahingestellt. Stipendiaten, Abgeordnete und die Ehrengäste aus den verschiedenen Botschaften hatten bei den kurzen Vorführungen in jedem Fall ihren Spaß. Dem soll nun aber in den kommenden fünf Praktikumsmonaten auch der parlamentarische Ernst folgen. Bis Ende Juli arbeiten die jungen Akademiker in den Büros der Abgeordneten, besuchen Ausschüsse, nehmen an Fraktionssitzungen teil und reisen in die Wahlkreise.

„Gehen Sie uns auf die Nerven“

„Nutzen Sie die Zeit, um unsere parlamentarische Demokratie kennenzulernen. Seien Sie neugierig und gehen Sie uns mit ihren Fragen auf die Nerven“, sagte Bundestagsvizepräsident Dr. Wolfgang Thierse (SPD) in seiner Begrüßungsansprache. Die Deutschen hätten mit dieser Demokratie ausgezeichnete Erfahrungen gemacht, so Thierse weiter. Gerade als jemand, der in der ehemaligen DDR noch Diktatur und Unfreiheit kennengelernt habe, wisse er dies zu schätzen.

Das IPS nannte der Bundestagsvizepräsident „das schönste und zugleich nachhaltigste Exportgut, was ein nationales Parlament anbieten kann“. Darauf könne man stolz sein. Profitieren würden aber auch die Abgeordneten, die die Zusammenarbeit mit den jungen Stipendiaten als eine Bereicherung empfänden, machte Thierse deutlich.

Hautnah im Wahlkampf

Von einer „Win-win-Situation“ sprach auch Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der HU Berlin. Für die Stipendiaten gelte dies, da sie das politische System Deutschlands kennenlernen könnten. Doch auch die Berliner Universitäten profitierten von der Anwesenheit der jungen Menschen, da sie sich als weltoffene Bildungseinrichtung präsentieren wollen. Olbertz lud die Stipendiaten im Namen aller drei Berliner Universitätspräsidenten ein, Veranstaltungen zu besuchen und Kurse zu belegen. „Wir freuen uns auf Sie“, sagte er.

Wolfgang Thierse ging schließlich noch auf zwei Besonderheiten des diesjährigen IPS-Jahrgangs ein. So seien zum einem erstmals Stipendiaten aus Ägypten und den palästinensischen Gebieten dabei. Zum anderen eröffne sich für alle Teilnehmer die Chance, hautnah beim Wahlkampf dabei zu sein. Das sei eine „Hochzeit der parlamentarischen Demokratie“, sagte er.

„Werden Sie ein Freund Deutschlands“

Für einen anderen Redner bedeutete der Abend einen Abschied. Zum letzten Mal begrüßte Wolfgang Börnsen (CDU/CSU), seit langem schon als Vater des IPS geltend, die Stipendiaten. Der Mann aus dem Norden, der für den kommenden Bundestag nicht mehr kandidieren wird, gab sich jedoch nicht rührselig, sondern forderte dazu auf, die Ärmel hochzukrempeln. Erlebnisreiche Wochen stünden vor den Teilnehmern. Eine Motivationsspritze hatte der Berichterstatter für internationale Austauschprogramme in der Kommission des Ältestenrats für innere Angelegenheiten auch noch dabei: Botschafter nämlich könne man mit einem erfolgreich absolvierten IPS-Praktikum werden, sagte er mit Verweis auf die Vertreterin Mazedoniens in Deutschland Kornelija Utevska-Gligorovska, die einst zu den Stipendiaten gehörte.

Der Wunsch des Bundestagsvizepräsidenten klang dann etwas bescheidener. „Werden Sie ein dauerhafter Freund Deutschlands“, sagte Wolfgang Thierse an die IPS-Teilnehmer gewandt. (hau/15.03.2013)

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