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Deutscher Bundestag - Archiv

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„Ich hätte gern ein Foto mit der Kanzlerin“

Aferdita Selimi aus dem Kosovo

Aferdita Selimi aus dem Kosovo

© DBT/photothek

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Aferdita Selimis Heldin. „Sie ist die Superwoman dieses Jahrhunderts“, findet die 23-Jährige aus dem Kosovo. Das liegt aus ihrer Sicht nicht nur daran, dass Merkel eine starke Frau ist und die erste Kanzlerin überhaupt. „Es hat auch damit zu tun, dass sie für mein Land immer ein gutes Wort eingelegt hat“, sagt die Kosovarin, die noch bis Ende Juli im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) des Bundestages ein Praktikum im Büro des SPD-Abgeordneten Dr. Carsten Sieling absolviert. Irgendwann in dieser Zeit, so hofft sie, wird dann auch ihr ganz großer Wunsch in Erfüllung gehen: „Ich hätte gern ein gemeinsames Foto mit der Kanzlerin.“

Im Büro des SPD-Abgeordneten Carsten Sieling

Doch Aferdita Selimi ist nicht nur wegen eines Fotos nach Berlin gekommen. Sie will erleben, wie das politische System in Deutschland funktioniert. Dass es Unterschiede zu ihrer erst seit 2008 unabhängigen Heimat gibt, ist ihr klar. Zum Beispiel im Umgang mit den Wählern. „Es ist kaum vorstellbar, dass bei uns die Bürger auf die Idee kommen, ganz direkt Fragen an die Abgeordneten zu stellen“, sagt sie. Und erst recht nicht, dass diese dann auch noch beantwortet werden, wie sie es im Büro Sieling erlebt.

Mit dem Bremer Abgeordneten und seinen Mitarbeitern kommt die 23-Jährige, die an der Universität von Priština einen Bachelorabschluss in Management und Informatik gemacht hat, gut aus. „Mir wird das Gefühl gegeben, dass meine Arbeit gut ist und auch benötigt wird“, freut sie sich. Obwohl sie ursprünglich den Wunsch geäußert hatte, zur Unionsfraktion zu gehen – natürlich wegen Angela Merkel – ist sie nun sehr froh, bei einem Sozialdemokraten gelandet zu sein. „Ich habe festgestellt, dass ich viele Ansichten der Partei teile“, meint sie zur Begründung.

Acht Jahre im schwäbischen Veringenstadt

Zugute kommt Aferdita Selimi bei ihrer Arbeit, dass sie ein absolut akzentfreies Deutsch spricht. „Kein Wunder“, sagt sie. „Ich habe ja auch acht Jahre in Deutschland gelebt.“ In Baden-Württemberg, genauer gesagt in dem 3.000-Einwohner-Ort Veringenstadt bei Sigmaringen, wohnte sie mit ihrer Familie, nachdem sie im Jahr 1993 „aus politischen Gründen“ ihre Heimat verlassen mussten. Nach Beendigung des Krieges im Jahr 2000 ging es dann wieder zurück in den Kosovo.

Gerade für die Kinder war das ein schwerer Schritt. „Wir konnten ja kaum albanisch“, sagt sie. Ihr Schuldirektor in Veringenstadt, so erinnert sie sich, hatte sogar ihre Eltern aufgefordert, sich nicht ausweisen zu lassen. „Er meinte zu meiner Mutter, wir Kinder wären doch Ausländer im Kosovo.“ Mit der Zeit jedoch habe sich alles geregelt, sagt sie. Eine große Hilfe sei dabei gewesen, dass die Schulen seinerzeit eigene Klassen für die Rückkehrer aufgemacht haben. „So habe ich es dann auch bis zum Abitur geschafft“, sagt Aferdita Selimi.

„Kosovo lebt wie in einem Käfig“

Nun absolviert sie noch einen Masterstudiengang und arbeitet in Teilzeit beim Goethe-Institut in Priština. „Wir machen dort die A1-Sprachprüfungen“, erzählt sie. Dass diese eine Voraussetzung  für den Ehegattennachzug nach Deutschland sind, findet sie richtig. „A1 ist ja nicht so schwer. Man sollte sich schon ein bisschen auf Deutsch unterhalten können, wenn man vorhat, in dieses Land zu ziehen“, macht Aferdita Selimi deutlich.

Was sie jedoch nicht davon abhält, Kritik an der fehlenden Visafreiheit zu üben. „Kosovo lebt wie in einem Käfig“, sagt sie. „Wir können gerade einmal nach Albanien, Mazedonien und Montenegro ohne Visum reisen.“ Für die Menschen aus anderen Ländern sei es hingegen kein Problem, für drei Monate etwa nach Deutschland zu reisen.

„Ich würde die Grenzen aufmachen“

Die Gefahr eines Massenexodus im Falle der Visafreiheit sieht Aferdita Selimi nicht. „Wir Kosovaren sind sehr heimatbezogen“, macht sie deutlich. Daher versteht sie auch nicht, „dass nur noch wir so eingegrenzt sind“. Für Aferdita Selimi steht daher fest: „Wenn ich etwas in der Politik bewegen könnte, würde ich die Grenzen aufmachen.“

Will sie denn irgendwann mal als Politikerin etwas bewegen? Einen ganz genauen Karriereplan hat die 23-Jährige derzeit noch nicht. Doch eines steht für sie fest: „Durch das IPS habe ich einen ganz wertvollen Schlüssel, der sicher viele Türen öffnet. Durchgehen muss ich aber selber, und zurzeit weiß ich noch nicht, durch welche Tür“, sagt sie ganz offen.

„Da läuft etwas falsch“

Auf die Probleme in ihrer Heimat angesprochen sagt die Kosovarin: „Ganz oben steht die Jugendarbeitslosigkeit.“ Das wird auch für Außenstehende dadurch deutlich, dass „in Priština an einem normalen Wochentag schon am Vormittag die Cafés voller junger Leute sind, die eigentlich arbeiten sollten“, findet sie und weiß: „Da läuft etwas falsch.“

Zu der hohen Arbeitslosigkeit kommt auch noch hinzu, dass diejenigen, die Arbeit haben, sehr schlecht verdienen – die Lebensmittelpreise jedoch teils höher als in Deutschland sind. Klingt alles nicht so gut… Und dennoch will sie nach dem IPS zurück in den Kosovo? „Natürlich“, sagt sie. „Wie soll es denn besser werden, wenn wir nicht selbst etwas dazu beitragen?“ (hau/09.04.2013)

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