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Deutscher Bundestag - Archiv

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Der Mediator aus Augsburg: Eduard Oswald

Eduard Oswald, CSU/CSU

Eduard Oswald, CSU/CSU

© photothek.net

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist Eduard Oswald schon Mitglied des Bundestages. Der CSU-Abgeordnete aus Augsburg war parlamentarischer Geschäftsführer, Helmut Kohls letzter Bauminister, leitete drei Ausschüsse und wurde 2011 schließlich Bundestagsvizepräsident – die Krönung seiner insgesamt 35-jährigen parlamentarischen Laufbahn. Seit Herbst 2012 ist klar, dass dieses Amt auch der fulminante Schlusspunkt sein wird: Bei der kommenden Bundestagswahl tritt der dann 66-Jährige nicht mehr an.

„Eine Aufgabe, die mir auf den Leib geschneidert ist“

Es war ein Zufall, eine Verkettung von Ereignissen, wie so oft in der Politik. Am 1. März 2011 trat der damalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiatsaffäre zurück. Es folgte eine Personalrochade in Kabinett und Unionsfraktion, und bereits am 26. März 2011 wählte der Bundestag Eduard Oswald zu seinem neuen Vizepräsidenten.

Ein glücklicher Zufall, denn so kam das Amt zu einem Mann, den viele dafür als die perfekte Besetzung  empfanden. Nicht zuletzt er selbst. Freimütig bekennt er, dass ihn diese Aufgabe besonders gereizt hat: „Keines meiner Ämter habe ich angesteuert, aber dieses ist eine Aufgabe, die mir auf den Leib geschneidert ist.“

Gerade noch hat sich Oswald – dunkler Anzug, weißes Einstecktuch – an seinem Schreibtisch fotografieren lassen. Hinter ihm steht die Deutschlandfahne in Schwarz-Rot-Gold, vor ihm der Heilige Josef, Schutzpatron der Handwerker, die er einst zum Amtsantritt als Bundesbauminister geschenkt bekam.

Kruzifix sorgte für mediale Aufmerksamkeit

Auch das Kruzifix an der Wand, das erstmals in seinem Bonner Ministerbüro aufgehängt für mediale Aufmerksamkeit sorgte, hat ihn in den Präsidentenflügel im Jakob-Kaiser-Haus begleitet. Das Kruzifix sei kein Statement für die Verschmelzung von Kirche und Staat, sondern „ein privates Geschenk meiner Frau“, sagte Oswald einmal dem „Spiegel“. Es bedeute ihm viel – Heimat zum Beispiel.

Heimat ist für Oswald sein Wahlkreis Augsburg-Land, den er seit 26 Jahren im Bundestag vertritt. In Augsburg wurde er geboren, und in Dinkelscherben bei Augsburg lebt der Vater von zwei erwachsenen Kindern und Großvater von zwei Enkeln zusammen mit seiner Frau Gisela noch heute.

Beschäftigung mit der Vergangenheit

In Augsburg wurde er 1966, im Alter von 19 Jahren, Mitglied der CSU, weil er sich einsetzen wollte „für Freiheit, für den Staat und diese Gemeinschaft“. Als junger Mann bewundert er weniger den CSU-Vorsitzenden und Bundesminister Franz-Josef Strauß als vielmehr Konrad Adenauer (CDU), den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

„Mir hat imponiert, dass Adenauer selbstbewusst für die Interessen des neuen, demokratischen Deutschlands eingetreten ist, zugleich aber die deutsche Geschichte als Mahnung betrachtet hat.“ Auch Oswald beschäftigt die deutsche Vergangenheit: Als Mitglied der Jungen Union organisiert er Fahrten in das ehemalige Konzentrationslager Dachau und diskutiert viel über Geschichte und politische Bildung.

Nach einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann, einem betriebswirtschaftlichen Fachhochschul- sowie einem Lehramtsstudium arbeitet Oswald zunächst als Hauptschullehrer. Doch sein politisches Engagement nimmt immer mehr Raum ein: 1972 wird er zum jüngsten Kreisrat im Kreistag in Augsburg gewählt, 1973 zum CSU-Vorsitzenden im Landkreis.

„Ich kam nicht fremd nach Bonn“

1978 zieht er in den Bayerischen Landtag ein, dem er daraufhin zwei Legislaturperioden lang angehört. Er ist dort nicht nur Mitglied im Kulturpolitischen Ausschuss, sondern hat auch schon zu dieser Zeit als Mitglied im Ausschuss für Bundesangelegenheiten und Europafragen die Bonner Politik im Blick. Das habe ihm den Start im Bundestag, in den er 1987 gewählt wird, erleichtert, sagt Oswald in der Rückschau: „Ich habe die  Bundespolitik aus bayerischer Perspektive beobachtet. Ich kam also nicht fremd nach Bonn.“

Hier übernimmt Oswald aus dem Stand die Aufgabe des bildungspolitischen Sprechers der CDU/CSU. Zudem ist er Mitglied im Bauausschuss – der Grundstein für seine spätere Ernennung zum Bundesbauminister? „Es hat zumindest eine nicht unwesentliche Rolle gespielt“, sagt Oswald in seinem weich klingenden Schwäbisch. 1992 wird er parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe und Unionsfraktion und übernimmt damit eine Schlüsselposition in Fraktion und Parlament.

Aus dem Hintergrund in die erste Reihe

Eine Aufgabe, offenbar wie geschaffen für den umtriebigen Augsburger: „Dieses Vermitteln, Organisieren, Managen – das lag mir, das habe ich mit großer Freude und Leidenschaft gemacht.“ Sechs Jahre agiert er erfolgreich und geräuschlos hinter den Kulissen und empfiehlt sich für höhere Ämter. Oswald sagt bescheiden: „Die Arbeit als Parlamentarischer Geschäftsführer ist eine Schule für weitere Aufgaben.“

Im Januar 1998 tritt Oswald aus dem Hintergrund in die erste Riege der Politik: Er wird von Kohl ins Kabinett als Bundesbauminister berufen – neun Monate vor der Wahl. Für einen, der das „Gestalten können“ als das Faszinierende in der Politik betont, ein unglücklicher Zeitpunkt. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind schließlich begrenzt.

„Eine Aufgabe auf Zeit“

Denn Oswald, der gegen den Umzug von Regierung und Parlament von Bonn nach Berlin gestimmt hat, wird nun zum Umzugsbeauftragten und trägt als Bauminister die politische Verantwortung. Oswald: „Dafür zu sorgen, dass der Umzug klappt – das war eine überaus gestalterische Aufgabe.“ Und außerdem stellt er klar: „Wenn Sie ins Kabinett berufen werden, dann nehmen Sie die Aufgabe an und arbeiten. Sicher wäre ich weiterhin in einem Regierungsamt gewesen, wären wir nicht abgewählt worden.“

Dass es so kam, ist für Oswald kein Grund zum Hadern: „Das gehört zur Politik dazu. Das Mandat ist keine Daueraufgabe, sondern eine auf Zeit.“ Dies klingt aufrichtig gelassen.

Fairness und Menschlichkeit über Fraktionsgrenzen hinweg

Lässt man mit ihm gemeinsam sein langes parlamentarisches Leben Revue passieren, so schwingt noch immer viel Begeisterung – und auch ein wenig Stolz mit. „Nicht viele“ gebe es, sagt er, die so wie er drei Bundestagsausschüsse geleitet hätten. Tatsächlich: Seit 1998 saß Oswald erst dem Ausschuss für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, dann ab 2005 dem  Finanzausschuss und schließlich von 2009 bis 2011 dem Ausschuss für Wirtschaft und Technologie vor.

„Das waren reizvolle Aufgaben. In der Öffentlichkeit wird aber die Arbeit der Ausschussvorsitzenden leider nicht genug beleuchtet. Dabei leisten sie eine wichtige Arbeit“, findet Oswald. Die Fähigkeit, zusammenzuführen statt zu polarisieren, Fairness und Menschlichkeit, das verbinden Abgeordnete über Fraktionsgrenzen hinweg mit ihm. So sicher auch Petra Pau, Bundestagsvizepräsidentin und Mitglied der Linksfraktion. Als Pau 2010 erkrankte und nahezu die Stimme verlor, war es der CSU-Mann, der ihr besonders zur Seite stand.

„Das Plenum wird mir fehlen“

Auf dieses „kollegiale, persönliche Miteinander“, wie der schwäbische Bayer die Beziehung zu der Berliner Abgeordneten umschreibt, wird er nun verzichten müssen, wenn er nach der Bundestagswahl nicht mehr in Parlament zurückkehrt. Verspürt er Wehmut? „Ja, ich werde vieles vermissen – besonders die Kommunikation mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Dass ich nicht mehr mit ihnen über Politik reden kann, das ist schon Wehmut. Das Plenum wird mir fehlen.“

Dennoch sei seine Entscheidung richtig, sagt Oswald. „Wenn man wie ich in Demut und Dankbarkeit zurückblicken kann und ein Alter von 66 Jahren erreicht hat, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen.“ Zu wenig Zeit sei ihm in den Jahren für das geblieben, was ihm wichtig ist: das Lesen, etwa, oder Zeit, sich mit Muße Berlin anzusehen. Und natürlich gemeinsame Stunden mit seiner Frau. „40 Jahre hat sie mir den Rücken freigehalten. Ich möchte ihr nun etwas zurückgeben“, sagt Oswald. Nur die Beine hochlegen und „den Rasen mähen“ werde er deshalb noch lange nicht. (sas/29.05.2013)

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