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Parlament

Slowenischer Stipendiat mit einem Faible für Berlin

Andrej Hozjan aus Slowenien

(DBT/photothek.net)

Es war seine letzte Chance. Im März dieses Jahres ist Andrej Hozjan 30 geworden und hat damit das Höchstalter für die Teilnahme am Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) des Bundestages erreicht. „Wenn es diesmal wieder nichts geworden wäre, dann wohl nie“, sagt der Slowene, der sich schon 2009 für die Teilnahme am IPS beworben hatte. Damals erhielt er noch nicht einmal eine Einladung für das Auswahlgespräch. „Da war ich schon ganz schön geknickt“, erinnert er sich.

Im Büro des SPD-Abgeordneten Heinz Paula

Drei Jahre fehlte ihm der Mut für die erneute Bewerbung. Umso größer war die Genugtuung, in diesem Jahr als erste Wahl seines Landes genommen zu werden. Noch bis Ende Juli arbeitet er nun im Büro des SPD-Abgeordneten Heinz Paula.

„Meine Erwartungen an das Praktikum im Bundestag wurden weit übertroffen“, sagt Andrej Hozjan. Wenn es nach ihm geht, soll die Zeit in Berlin auch nach dem IPS nicht zu Ende sein. Der 30-Jährige ist sozusagen gekommen, um zu bleiben.

„Beidseitige Begeisterung“

„Am Anfang war ich noch skeptisch wegen des Ausschusses“ erzählt er. Statt des von ihm präferierten Ausschusses für Kultur und Medien sitzt der Diplom-Soziologe, der als Berufsziel Pressesprecher angibt, im Landwirtschaftsausschuss. Doch die Dinge hätten sich positiv entwickelt, sagt er. Im Büro Paula ist er zudem eine feste Größe.

„Ich erstelle den Newsletter und decke derzeit den gesamten Social-Media-Bereich ab“, sagt Andrej Hozjan. Soll heißen: Internetauftritt, Twitter- und Facebook-Aktivitäten laufen über seinen Tisch. Dazu kommt, dass es zwischen dem Abgeordneten Heinz Paula und dem IPSler Andrej Hozjan eine „beidseitige Begeisterung“ gibt.

„Für die deutsche Politik interessiert“

„Er mag Slowenien und interessiert sich sehr für das Land“, erzählt der 30-Jährige, der wiederum ein besonderes Faible für Deutschland hat. „Schon in Slowenien habe ich mich sehr für die deutsche Politik und die deutsche Gesellschaft interessiert“, sagt er.

Was sicherlich auch damit zu tun hat, dass seine Eltern in Deutschland gelebt und sich dort auch kennengelernt haben. Seine ältere Schwester ist sogar in Deutschland geboren. Später zog die Familie zurück in das frühere Jugoslawien, wo er als Sohn einer Kroatin aus Dalmatien und eines Slowenen geboren wurde.

Slowene und Halbdalmatiner

Andrej Hozjan selbst ist jetzt Slowene, auch wenn er sich als „Halbdalmatiner“ bezeichnet. Die Unterschiede zwischen Slowenen und Kroaten sieht er als eher gering an. „Schon in den Zeiten Jugoslawiens waren Slowenen und Kroaten oft auf einer gemeinsamen Linie, die anders war als die der Belgrader Führung“, sagt er.

Den slowenisch-kroatischen Grenzstreit der vergangenen Jahre sieht er als von der Politik aufgebauscht an. „Das war purer Populismus, um von anderen Problemen abzulenken“, lautet seine Einschätzung.

„Slowenien kein Pleitekandidat“

Ebenfalls aufgebauscht ist aus seiner Sicht die in den Medien immer mal wieder aufgestellte Behauptung, Slowenien sei nach Zypern der nächste Pleitekandidat. „Da ist nichts dran“, sagt er und beruft sich dabei auf den ehemaligen Chefökonomen der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Nach dessen Berechnungen seien lediglich Estland und Deutschland noch krisenunanfälliger als sein Heimatland, sagt der Slowene.

Und auch in Sachen Korruption gebe es manch ein EU-Land, das im Ranking von Transparency International hinter Slowenien steht. „Es geht bei uns langsam aber sicher in die richtige Richtung“, freut er sich.

„Wir haben eine Art Große Koalition“

Einen Beitrag dazu leistet aus seiner Sicht auch die derzeit in Slowenien regierende Koalition von Mitte-Links- und Mitte-Rechts-Parteien. „Wir haben eine Art Große Koalition, was ich zum jetzigen Zeitpunkt gut finde“, sagt Andrej Hozjan.

Ob es in der nächsten Legislaturperiode auch in Deutschland eine Große Koalition geben wird, vermag er selbstverständlich nicht vorherzusagen. Mit Blick auf die Bundestagswahl ist er sich aber zumindest in zwei Punkten sicher: „Es wird spannend bleiben, bis zum Schluss“, lautet die eine Feststellung.

Kein Verlass auf Wahlprognosen

Und die zweite, das kein Verlass auf Prognosen der Wahlforscher ist. Dazu hat er auch ein Beispiel aus der Heimat auf der Hand. Bei der Wahl 2011 nämlich hätten die Meinungsinstitute einen klaren Sieg der Opposition angekündigt. „Gewonnen hat schließlich aber eine Partei, die erst kurz vor der Wahl gegründet wurde.“

Andrej Hozjan würde am 22. September eigentlich am liebsten Heinz Paula die Daumen drücken. Doch der 62-Jährige kandidiert nicht mehr für den 18. Bundestag. „Schade“ findet das der Slowene, der gerne auch weiterhin im Büro Paula gearbeitet hätte.

„Wir wollen in Berlin bleiben“

Er will dennoch versuchen, im Bundestag einen Job zu finden. „Ich wäre sehr glücklich, wenn ich hier weiterarbeiten könnte“, macht er deutlich. Aber auch, dass er sich eine Arbeit im politiknahen Umfeld ebenfalls vorstellen kann. Seine slowenische Freundin, die mit ihm nach Berlin gekommen ist, hat inzwischen eine Stelle bei einem internationalen Unternehmen mit Sitz in der deutschen Hauptstadt angenommen.

„Das heißt: Wir wollen in Berlin bleiben“, sagt er. Bis Ende Juli hat Andrej Hozjan nun noch Zeit, im Rahmen des IPS weitere dahingehende Kontakte zu knüpfen. (hau/28.05.2013)

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