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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

„Duales System setzt florierende Betriebe voraus“

Das deutsche duale Ausbildungssystem ist ein Erfolg. Darin waren sich die Redner der verschiedenen Fraktionen in der Debatte zur beruflichen Bildung am Freitag, 28. Juni 2013, weitgehend einig, wenn auch die Opposition in wichtigen Fragen Reformbedarf anmeldete. Nach einer Sitzungsunterbrechung stimmte der Bundestag über eine Reihe von Anträgen ab. Angenommen wurde ein Antrag von CDU/CSU und FDP  die „duale Ausbildung“ zu exportieren, Jugendarbeitslosigkeit in der EU zu bekämpfen und die kooperative Berufsbildung weltweit zu steigern (17/13484).

CDU/CSU: Duale Ausbildung lohnt sich

Ernst Hinsken (CDU/CSU) sagte zu Beginn: „Vor ihnen steht ein Dualer. Einer, der es über das duale System zu Meisterwürden gebracht hat.“ Er habe mit dem dualen System das nötige Rüstzeug für das Leben erhalten. Die parallele Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen bringe nicht nur Jugendliche von der Straße weg, sondern schaffe die Grundlage dafür, dass die Wirtschaft später auf tüchtige Fachkräfte zurück greifen könnte. Es lohne sich weiterhin diesen Weg zu gehen.

Dabei verwies er auch auf die eklatanten Unterschiede in der Arbeitslosenstatistik: In vielen Ländern Südeuropas gebe es mittlerweile eine Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent, in Deutschland liege sie bei 5,6 Prozent, in Bayern bei nur 2,7 Prozent.

SPD wünscht sich praktizierte Ausbildungsgarantie

Auch Willi Brase (SPD) lobte diese Form der Ausbildung und ging ebenfalls auf die schwierige Lage für junge Menschen in Südeuropa ein. „Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann kann einem schon ein bisschen angst und bange werden.“ 5,7 Millionen junge Menschen müssten ohne wirkliche Perspektive leben. „Das ist sehr schlecht für die europäische Entwicklung“, so Brase.

Zudem kritisierte er, dass noch immer 260.000 junge Menschen nach der Schule im Übergangssystem hängen blieben. Über 80 Prozent dieser Jugendlichen hätten einen Schulabschluss und die Verweildauer betrage teilweise zwei bis drei Jahre. „Es sollte so etwas wie eine praktizierte Ausbildungsgarantie geben“, forderte Brase.

FDP: Situation am Ausbildungsmarkt ausgezeichnet

„Die schlechten Nachrichten werden überbewertet, die guten Nachrichten unterbewertet“, zitierte Heiner Kamp (FDP) den früheren Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Helmut Schlesinger. Wenn er sich die Kommentare der Oppositionsfraktionen zum Berufsbildungsbericht 2013 ansehe, dann könnte dieser Satz von Schlesinger nicht treffender sein. Schließlich hätte es zum fünften Mal in Folge mehr als doppelt so viele unbesetzte Ausbildungsplätze wie unversorgte Bewerber gegeben.

Für junge Menschen in Deutschland sei die Situation am Ausbildungsmarkt ausgezeichnet und die Zahl der Altbewerber wie auch der Jugendlichen im Übergangssystem sei weiter gesunken. „Mehr Anerkennung täte gut“, mahnte er die Abgeordneten der Opposition. „Das duale System ist ein Flaggschiff unseres Bildungssystems.“

Linke: Ausbildungsmisere muss ein Ende haben

Agnes Alpers (Die Linke) sagte, sie habe die „Zahlentricksereien“ der Regierungskoalition satt. Der bildungspolitische Sprecher der CDU/CSU, Albert Rupprecht, habe der Öffentlichkeit weismachen wollen, dass 2012 auf jeden Bewerber zwei freie Ausbildungsstellen gekommen seien.

Fakt sei jedoch, dass von den 560.000 gemeldeten Bewerbern nur 287.000 tatsächlich einen Ausbildungsplatz bekommen hätten. „Wann endlich hören Sie auf, die ganze Republik mit ihren Geschichten für dumm zu verkaufen?“ Zudem gebe es in Deutschland immer noch 2,2 Millionen Menschen bis 34 Jahre ohne Berufsabschluss. „Diese Ausbildungsmisere muss doch endlich mal ein Ende haben.“

Grüne: Man braucht eine prosperierende Wirtschaft

Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, man könne OECD–Studien so lesen: „Dank des dualen Ausbildungssystems habe Deutschland eine geringe Jugendarbeitslosigkeit. Das wäre aber eine äußerste unterkomplexe und oberflächliche Betrachtung“, so der Bundestagsabgeordnete. Vielmehr stimme, dass das duale Ausbildungssystem in Deutschland vor allem dank guter Konjunktur und wirtschaftlicher Stabilität so erfolgreich sei.

Deshalb helfe es nicht, jetzt die duale Ausbildung in südeuropäische Krisenländer zu exportieren. „Denn eine duale Berufsausbildungssystem setzt florierende Betriebe voraus“, sagte Gehring. „Man braucht eine prosperierende Wirtschaft statt einer kollabierenden Wirtschaft. Genau das fehlt den europäischen Krisenländern.“ Deshalb mache es wenig Sinn, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun.

Berufsbildungsbericht und Anträge der Fraktionen

Der Debatte lagen die Beratung der Berufsbildungsbericht 2013 der Bundesregierung (17/13650), der Koalitionsantrag „Duale Ausbildung exportieren – Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union bekämpfen, kooperative Berufsbildung weltweit steigern“ (17/13484), der Antrag der Grünen „Bildungschancen im Lebensverlauf verbessern – Berufliche Ausbildung stärken“ (17/13554) und der Antrag der Linken „Das Recht auf Ausbildung umsetzen – Berufliche Perspektiven für alle garantieren“ (17/14119) sowie die Beratung und Beschlussempfehlung des Bildungs- und Forschungsausschusses (17/14085) zum Grünen-Antrag „Aus- und Weiterbildung stärken, Abbrüche verringern, Erfolgsquoten erhöhen“ (17/5489) sowie der SPD-Antrag „Betriebliche Ausbildung weiter denken – Qualität erhöhen, Gleichwertigkeit durch einen attraktiven Dualen Bildungsweg herstellen“ (17/14134) zugrunde. (rol/28.06.2013)

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