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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Die Zeichnungen von Juliane Ebner sind wuselig. Die dünnen, schwarzen Striche lassen den Betrachter auf einem Bild das Brandenburger Tor erahnen, auf dem anderen den Reichstag. Die Gebäude – immer ohne gerade Linien – werden überlagert von Farbklecksen, schemenhaften Tier- oder Menschengestalten. Alle Bilder sind durchsichtig. Dadurch, dass sie auf eine Folie hinter Acrylglas aufgezogen sind, spiegelt sich der Betrachter in ihnen. Außerdem schimmert die Wand, an der sie hängen, durch.

Der Bundestag zeigt Werke von Juliane Ebner in der Ausstellung „Parallelverschiebung“. Altbundestagspräsident Dr. h.c. Wolfgang Thierse hat sie am Mittwoch, 23. Oktober 2013, um 18 Uhr im Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin eröffnet. Die Ausstellung ist vom 24. Oktober 2013 bis 30. Januar 2014 täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Atelier im Pankower Plattenbau

Geplant sind drei Filme mit gezeichneten Bildern, ein zehn Meter langes zusammenhängendes Bild und, etwas abseits, Arbeiten zur Nofretete-Büste. Rund vier Monate hatte Ebner Zeit, ein Konzept zu entwickeln. Das hat sie in ihrem Atelier in einem Plattenbau in Berlin-Pankow getan, das zufällig ein ehemaliges Stasi-Bürogebäude ist und damit ebenfalls Teil deutsch-deutscher Geschichte.

In ihrem wenige Quadratmeter kleinen Raum hat sie ein kleines Pappmodell des Mauer-Mahnmals aufgestellt. An ihm probiert Ebner verschiedene Versionen des überdimensionalen Werks aus. An den Wänden hängen sauber aufgereiht kleine, bunte Frauenportäts.

Marmeladengläser voller feinhaariger Pinsel

Davor stehen Tapeziertische, voll mit kleinen, auf durchsichtiger Folie gedruckten Zeichnungen oder Papier. Auf dem Linoleumboden liegen ebenfalls in sauberen Reihen Bilder. Ihr Maltisch selbst steht auf Tapezierböcken, mehrere Marmeladengläser voller feinhaariger Pinsel stehen darauf.

„Ich liebe es, wenn ich eine Ausstellung habe, bis zur letzten Minute zu arbeiten“, sagt Ebner. Die 1970 in Stralsund geborene Künstlerin, hat sich peu à peu an die Schau herangetastet. Zuerst hat sie Bilder für die größte Fläche – drei mal zehn Meter – entworfen.

Mit Folie und Acrylglas

Die Nofretete-Bilder hat sie sich bis zum Schluss aufgehoben. Die Serie orientiert sich an der Büste, die in Berlin ausgestellt wird. Sie wolle ganz dicht herangehen an die Gesichter, die sie zeichne, die Nofretete in ihnen wiederfinden. „Ich interessiere mich auch für meinen Kollegen, der damals das Abbild der Nofretete gemacht hat. Ich frage mich, was der erreichen wollte.“

Sie habe lange experimentiert, bis sie mit Folie und Acrylglas ihr Material gefunden habe. „Für mich ist es ganz wichtig, dass die Arbeiten etwas Durchscheinendes haben.“ Die Bilder sollten den Raum einbeziehen, in dem sie hingen. Dadurch, dass sich die Betrachter im Glas spiegelten, würden sie ebenfalls einbezogen. „Das führt dazu, dass niemals zwei Menschen das Gleiche sehen.“

Zeitgenössische Auffassung von Zeichnen

Diese Arbeitsweise hat Kristina Volke, stellvertretende Kuratorin der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, so sehr begeistert, dass sie dem Kunstbeirat des Bundestages empfohlen hat, einige Werke von Ebner zu kaufen. Die Zeichnungen waren schon in Sammel-Ausstellungen im Kunstraum des Bundestages zu sehen. „Parallelverschiebung“ ist die erste Schau, die sich Ebner allein widmet.

Zwei Dinge hätten sie von Ebners Arbeiten überzeugt. „Das eine ist ihre zeitgenössische Auffassung von Zeichnen“, sagt Volke, ausgedrückt auch durch die Verwendung von Folie und Acrylglas. Außerdem sei es immer eine spontane Zeichnung. „Sie geht raus in die Welt, will gezeigt werden.“

Mischung aus Zeitgeschichte und persönlich Erlebtem

Zum anderen habe sie die Mischung aus Zeitgeschichte und persönlich Erlebten überzeugt. „Das ist fern von irgendwelchen Floskeln und irgendwelchem Bekannten“, sagt Volke. Ebner arbeite mit einer sympathischen Leichtigkeit, fern von großem Pathos.

Die Künstlerin zeichnet viel über deutsch-deutsche Geschichte, weil sie sie selbst erlebt hat. Als die Mauer fiel, war sie 19 Jahre alt – „meine Sturm-und-Drang-Phase“ – und hatte in Dresden ihr Studium begonnen. „Von Oktober an hatte ich in dem Jahr nichts Wichtigeres zu tun, als auf der Straße zu sein und zu demonstrieren.“

„In einer Diktatur aufgewachsen“

Denn sie sei in einer Diktatur aufgewachsen, als etwas anderes könne sie die DDR nicht bezeichnen, sagt Ebner. Schon im Kindergarten sei ihr bewusst gewesen, dass sie nicht frei erzählen durfte, welche Bücher die Eltern lesen oder welche Musik sie hörten.

Daher sei es auch ihre größte Freude, dass ihre drei Kinder in einem Land aufwachsen, in dem sie ihre Meinung frei äußern könnten. Dass sie heute ausgerechnet in einem alten Stasi-Gebäude arbeite, findet sie spannend. „Wenn ich aus dem Gebäude komme und dann kommt ein älterer Herr und sagt: 'Ja, ich habe hier auch mal gearbeitet, war schön'“, sehe sie das mit gemischten Gefühlen. Aber auch das sei Teil der friedlichen Revolution. „Wir müssen alle zusammen miteinander in der Mensa beim Essen anstehen und dürfen nicht drängeln.“ (ske/16.10.2013)

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