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Deutscher Bundestag - Archiv

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„Abgeordneter war mehr als nur ein Job“

Die FDP-Fraktion ist im 18. Deutschen Bundestag zum ersten Mal seit 1949 nicht vertreten.

Die FDP-Fraktion ist im 18. Deutschen Bundestag zum ersten Mal seit 1949 nicht vertreten.

© dpa

„Es ist eine große Ehre, ein Volksvertreter zu sein, aber mit der Bundestagswahl kann es plötzlich wieder vorbei sein.“ Jeden Tag hat sich Johannes Vogel (31), Mitglied der FDP-Fraktion, diese Tatsache vor Augen geführt. Das Ergebnis vom 22. September 2013, mit dem die FDP zum ersten Mal seit 1949 nicht mehr im Bundestag vertreten sein wird, muss er trotzdem immer noch verarbeiten.

Schon mit 14 politisch aktiv

Auch für Angelika Brunkhorst, die mitmischen.de, das Internet-Jugendportal des Bundestages, noch vor wenigen Monaten ein Interview zur Endlagersuche für Atommüll gab, war es ein Schock: „Ich hatte ja damit gerechnet, dass wir uns stark verschlechtern, dass sich unsere Stimmen vielleicht halbieren. Aber dass wir rausfliegen, habe ich nicht erwartet.“ Genau wie bei anderen Schicksalsschlägen sollten sich die Parteimitglieder ihrer Meinung nach jetzt aber nicht in der Trauerschleife festbeißen.

„Mehr als nur ein Job“ war es auf jeden Fall für Florian Bernschneider (26), der schon einmal beim mitmischen-Chat dabei war. Er war der jüngste Abgeordnete der vergangenen Legislaturperiode und setzte sich für eine eigenständige Jugendpolitik ein. „Seit ich 14 bin, habe ich in meiner Freizeit Politik gemacht. Vor vier Jahren durfte ich mein Hobby dann zum Beruf machen. Dass die FDP jetzt nicht mehr im Bundestag ist, trifft uns alle deshalb nicht nur beruflich, sondern vor allem auch persönlich.“

„Harte Situation“ für über 500 Mitarbeiter

Schlaflose Nächte hatte er seit dem Wahlsonntag aber in erster Linie wegen der Verantwortung, die er für seine Mitarbeiter in Berlin und in seinem Wahlkreis Braunschweig hat. Für jeden einzelnen von ihnen sei das eine „harte Situation“ und für Bernschneider selbst hat es oberste Priorität, sich darum zu kümmern, dass seine Mitarbeiter zum Beispiel in Büros von CDU/CSU-Abgeordneten eine Stelle bekommen. Entlassen muss er sie nicht, da die Arbeitsverträge ohnehin nur bis zum Ende einer Legislaturperiode befristet sind.

Jeder der 93 FDP-Abgeordneten hatte etwa drei oder vier Mitarbeiter, 110 Angestellte beschäftigte die Fraktion selbst – insgesamt sind es laut Pressestelle der FDP-Fraktion nun also etwa fünf- bis sechshundert Fachreferenten, Mitarbeiter oder Abgeordnete, die sich beruflich etwas Neues suchen müssen. Nur Mitarbeiter ab 30 Jahre, die mindestens zwei Legislaturperioden im Bundestag gearbeitet haben, bekommen für mindestens vier Monate einen Übergangslohn.

Besenrein bis zur Konstituierung

Zunächst stehen aber noch ganz andere Aufgaben an: Akten müssen entweder weggeworfen, vernichtet oder gespeichert werden, auch das Kunstreferat stattet den FDPlern noch einen Besuch ab und holt die Bilder aus ihren Büros ab, die sich die Abgeordneten am Anfang der Legislaturperiode aus der Kunstsammlung des Bundestages aussuchten. Am Dienstag, 22. Oktober 2013, wenn sich der neue Deutsche Bundestag konstituiert, müssen die Büros besenrein für den Einzug von neuen Abgeordneten sein.

„Meine letzte Runde im Berliner Büro werde ich aber schon am Freitag davor machen“, erklärt Brunkhorst. Ihr Büro sieht schon jetzt „ziemlich traurig“ aus, in den Regalen stehen leere Aktenordner verkehrt herum. Auch um Nachmieter für ihre Wohnungen in Berlin müssen sich die Noch-Abgeordneten kümmern. In den Büros in ihren Wahlkreisen gilt die übliche dreimonatige Kündigungsfrist, hier haben die FDPler also bis Ende 2013 Zeit, auszuziehen.

Karriere vorbei, Engagement geht weiter

Und wie wird es für die dann ehemaligen Abgeordneten weitergehen? Für jedes Jahr, das sie im Parlament waren, erhalten sie weiterhin einen Monat ihr Abgeordnetengehalt. „Ich denke erst mal in Ruhe darüber nach, was ich machen möchte, führe aber schon jetzt das ein oder andere Gespräch“, meint Johannes Vogel. Zuerst waren aber auch bei ihm andere Sachen wichtiger: die Sorge um seine Mitarbeiter und die Abwicklung der Büros und der Berliner Wohnung. Bernschneider und Brunkhorst hatten bisher noch keine Zeit, über ihre berufliche Zukunft nachzudenken.

Momentan sind sie noch damit beschäftigt, Kisten aus ihren Büros zu tragen. „Natürlich fühlt man sich dabei nicht gut. Aber irgendwann kommt dann auch der Punkt, an dem man in der Krise eine Chance sieht“, meint Bernschneider. Die enorme Dynamik – mehrere hundert Neueintritte in die FDP an den Tagen nach der Bundestagswahl – motiviert den FDPler, die Partei wieder neu aufzubauen.

Auch Brunkhorst will daran mitwirken, dass die FDP wieder auf die Füße kommt. „Auch wenn ich nicht mehr die Jüngste bin – ich glaube, einen gesunden Mix aus Alt und Jung, Erfahren und Neu braucht die FDP jetzt.“ Für Johannes Vogel steht ebenfalls fest: Seine politische Karriere ist nun erst mal vorbei, aber längst nicht sein politisches Engagement. (fie/17.10.2013)

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