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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

„Ich bin Transnistrier und Ukrainer“

Viktor Bykanov, IPS-Stipendiat aus Moldau

Viktor Bykanov, IPS-Stipendiat aus Moldau

© DBT/Photothek

Mit der Herkunft von Viktor Bykanov ist es nicht ganz einfach. Geboren in der ehemaligen Sowjetunion, lebt er heute in Tiraspol, der Hauptstadt von Pridnestrowien – bei uns besser bekannt als Transnistrien. Die von der Republik Moldau abgespaltete Region wird jedoch weder in Deutschland noch sonst irgendwo in der Welt als eigener Staat anerkannt. Sein Reisepass wiederum weist ihn als Ukrainer aus. Für Moldau hat er eine Aufenthaltsgenehmigung der Regierung.

Ethnischer Russe

Eigentlich ist er aber ein ethnischer Russe, wie er selbst sagt. Reichlich verwirrend? Nicht für Viktor Bykanov selbst. „Ich bin Transnistrier und Ukrainer“, stellt er klar. Und dass er kein Staatsbürger Moldaus sei.

Dass das hierzulande auch anders bewertet wird, zeigt sein derzeitiger Aufenthalt in der deutschen Hauptstadt. Viktor Bykanov absolviert noch bis Ende Juli ein Praktikum im Rahmen des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS) im Deutschen Bundestag. Offiziell wird er dabei als Teilnehmer aus Moldau geführt.

„Von der Republik Moldau getrennt“

Eine Tatsache, die er mit Bedauern hinnimmt. Dass Transnistrien nach wie vor international nicht anerkannt ist, findet er enttäuschend. „Wir haben eine eigene Währung, einen eigenen Präsidenten und ein eigenes Parlament“, sagt er. Von der Republik Moldau sei man völlig getrennt. „Das politische und das ökonomische System sind völlig unabhängig voneinander“, betont der 24-Jährige.

Von einem eingefrorenen Konflikt wird gewöhnlich gesprochen, wenn es um Transnistrien und Moldau geht. Ende 1990 erfolgte die Abspaltung. Nach knapp fünf Monaten militärischer Auseinandersetzungen im Jahr 1992 wurden die Waffen niedergelegt. Seitdem ist die Situation im Grunde unverändert: Für die Republik Moldau ist die abgespaltete Region weiterhin ein zu ihr gehöriges Territorium. Transnistrien sieht sich wiederum als von Moldau unabhängig an.

Offiziell drei Amtssprachen

Viktor Bykanov kennt natürlich die Argumente, die gegen eine Anerkennung Transnistriens angeführt werden. Die Abspaltung sei angeblich „völkerrechtswidrig“, sagt er und macht deutlich, dass er das nicht so sieht. „Es muss auch ein Recht für ein Volk geben, selbst zu entscheiden, in welchem Land es leben möchte und welche Sprache es sprechen möchte“, findet er.

Auch wenn es offiziell drei Amtssprachen gibt - Russisch, Ukrainisch und Moldauisch – ist doch Russisch die Sprache, die in seiner Heimat am präsentesten ist. Das macht auch schon deutlich, wo die Reise hingehen soll. Eine Zukunft als Teil Russlands sei es, was laut eines Volksentscheides aus dem Jahr 2006 rund 97 Prozent der Menschen in Transnistrien wollten, sagt er.

„Ein Teil Russlands sein“

Und auch Viktor Bykanov selbst braucht nicht allzu lange, um die Frage zu beantworten: Wäre Ihnen ein selbstständiges Transnistrien lieber oder eine Eingliederung in die Russische Föderation? „Beides ist nicht schlecht. Aber besser wäre es, ein Teil Russlands zu sein.“

Angesichts dessen ist seine Bewertung der Situation auf der Krim auch wenig verwunderlich. Es sei „logisch“, was dort passiert ist. „Die Menschen dort wollen mehrheitlich zu Russland gehören“, sagt er. Viktor Bykanov selbst hat Verwandte auf der Krim. „Die sind mit der jetzigen Situation sehr zufrieden.“

„Ich hoffe auf eine friedliche Lösung“

Welche Folgen die derzeitigen Entwicklungen für seine Heimatregion haben und ob der eingefrorene Konflikt wieder auftauen könnte, vermag er nicht zu sagen, ebenso wenig, wie es in der Ukraine weitergeht. „Über die Zukunft der Ukraine muss das ukrainische Volk entscheiden“, macht er deutlich. Und fügt hinzu: „Ich hoffe auf eine friedliche Lösung.“

Diese Hoffnung eint ihn mit den anderen Stipendiaten. Ebenso, wie die guten Deutschkenntnisse. Viktor verdient damit sogar seinen Lebensunterhalt. „Ich arbeite an der Hochschule von Tiraspol als Deutschlehrer“, sagt der 24-Jährige, der 2011 sein Diplom in Germanistik gemacht hat und auch als Übersetzer arbeitet. Derzeit ist er beurlaubt, um sich ein Bild darüber machen zu können, „wie die Demokratie und das politische System in Deutschland funktionieren“.

„Ich bin sehr zufrieden“

Schon jetzt, so der Germanist, seien seine Erwartungen an das IPS-Praktikum übertroffen worden. Statt Briefe von einem Büro in das andere zu bringen oder Kaffee zu kochen, befasst sich Viktor Bykanov im Büro des Linken-Abgeordneten Harald Petzold unter anderem mit der Energiewende, erstellt Analysen zu Stellungnahmen zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und beantwortet Briefe.

Zudem begleitet er Petzold zu vielen Terminen – auch außerhalb des Bundestages. In dessen Wahlkreis Oranienburg war er auch schon. „Ich bin sehr zufrieden“, lautet sein Zwischenfazit.

„Eine Sprachschule aufbauen“

Wenn die Zeit in Berlin vorbei ist, geht es für Viktor Bykanov wieder Richtung Heimat. „In diesem Jahr möchte ich noch mit meiner Dissertation beginnen“, sagt er. In der Partneruniversität von Tiraspol, im russischen Woronesch, könne er eine Promotionsstelle bekommen, freut er sich.

Hat er die Promotion dann hinter sich, weiß er schon, was die Zukunft bringen soll: „Ich würde gerne eine Sprachschule aufbauen, weil so etwas bei uns fehlt“, sagt Viktor Bykanov. Sieht so aus, als ob ihn die deutsche Sprache weiterhin begleiten wird. (hau/12.05.2014)

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