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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Journalist aus Osterholz: Herbert Behrens

Porträtbild Herbert Behrens (Die Linke)

Herbert Behrens (Die Linke)

© DBT/Urban

Seit mehr als 45 Jahren ist Herbert Behrens parteipolitisch engagiert. Mit 16 Jahren trat er in die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ein, im Jahr des Mauerfalls trat er wieder aus und vor zehn Jahren war er im Landkreis Osterholz (Niedersachsen) Mitbegründer der „Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit“ (WASG). Als im Jahr 2009 der Bundestagswahlkreis 34 Osterholz-Verden eingerichtet wurde, kandidierte Herbert Behrens, der unter den Genossen als linkes Urgestein gilt, für Die Linke erstmals erfolgreich für den Deutschen Bundestag. Als Bundestagsabgeordneter ist er Mitglied in den Ausschüssen Digitale Agenda, gehört dem Rechnungsprüfungsausschuss an und ist Obmann seiner Fraktion im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ein Schwerpunkt in der Verkehrspolitik ist für Herbert Behrens eine sozial-ökologische Verkehrswende.

Als 16-Jähriger in die DKP eingetreten

Herbert Behrens ist ein echtes Arbeiterkind. Er wuchs mit vier Geschwistern in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen auf und trat 1970 in die DKP ein. Damals war er ein 16-jähriger Schüler mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die frühe Faszination für Parteipolitik erklärt er heute so: „In Bremen sollten zu dieser Zeit die Straßenbahnpreise erheblich angehoben werden und dagegen haben unterschiedliche Gruppen demonstriert. Ich war damals Mitglied der Schülermitverwaltung an meiner Schule und engagierte mich ebenfalls gegen höhere Fahrpreise. Als Jugendlicher hatte ich mich auch mit dem Vietnamkrieg intensiv befasst, und es war für mich selbstverständlich, dagegen ebenfalls zu protestieren. Gemeinsam mit einem Mitschüler bin ich ins Büro der DKP gegangen, und wir haben den Aufnahmeantrag ausgefüllt.“

Nach Abschluss der Realschule begann Herbert Behrens eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Im Ausbildungsbetrieb wurde ihm der Aufnahmeantrag für die Gewerkschaft vorgelegt, den er unterschreiben sollte. „Ich wollte aber von dem Gewerkschaftssekretär der IG Druck und Papier wissen, warum ich in die Gewerkschaft eintreten soll“, erinnert sich Behrens. Er sagte ihm: „Allein kann man als Arbeitnehmer nicht viel erreichen, aber eine starke Gewerkschaft setzt sich für die Interessen vieler Kollegen ein. Deshalb ist es wichtig, dass sich viele Kollegen gewerkschaftlich organisieren.“ 

Freiberuflicher Journalist

Er überzeugte Behrens, denn es entsprach seinem politischen Verständnis. Im Laufe seines Berufslebens wurde Herbert Behrens immer wieder auf seine Mitgliedschaft in der DKP angesprochen, und er sagt: „Es war in Westdeutschland für meine Karriere keinesfalls förderlich, Mitglied der Kommunistischen Partei zu sein. Links in der Gesellschaft zu stehen und deutlich zu machen, dass man die Gesellschaft verändern will, haben viele nicht verstanden oder toleriert, und an den Wahlkampfständen wurde uns immer empfohlen, nach drüben in die DDR zu gehen. Mir war immer meine Haltung wichtig und nicht, was andere über mich sagen.“

Mitte der 1990er Jahre wurde Herbert Behrens freiberuflicher Journalist und engagierte sich bis zum Jahr 2002 immer ehrenamtlich in der Gewerkschaft. Zeitgleich studierte er Sozialwissenschaften mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften und schloss das Studium im Jahr 2002 erfolgreich ab. „Ich arbeitete als freiberuflicher Journalist für den Weser-Kurier und deren Regionalausgaben, weil das Stipendium, das ich von der Hans-Böckler-Stiftung erhielt, nicht ausreichte“, sagt der Abgeordnete. 

Hauptberuflicher Gewerkschaftssekretär

Nach dem Studium wurde Herbert Behrens hauptberuflicher Gewerkschaftssekretär im Bereich Medien, Kunst und Industrie. In dieser Funktion legte nun er den Auszubildenden Mitgliedsanträge für die Gewerkschaft vor und begründete, warum es wichtig sei, einer Gewerkschaft anzugehören.

Im Jahr des Mauerfalls war Herbert Behrens aus der DKP ausgetreten. Für ihn war mit dem Zusammenbruch der DDR sichtbar, dass die DKP nicht mehr seine politische Heimat war. „Die Welt hatte sich verändert, und mit den Veränderungen, die mit Gorbatschow eingeleitet wurden, war klar, dass sich auch die DKP verändern und ihre Positionen überdenken muss. Aber das war nicht durchzusetzen, deshalb bin ich ausgetreten“, sagt der Politiker rückblickend.

WASG-Kreisverband gegründet

Herbert Behrens blieb bis 2005 parteilos, aber immer ein engagierter Gewerkschafter, weil die Rechte der Arbeitnehmer ihm immer am Herzen lagen und liegen. Mit der Einführung der Arbeitsmarktreformen im Jahr 2002, der Agenda 2010 und der Rente mit 67 kehrten viele Sozialdemokraten der SPD den Rücken und suchten eine neue politische Heimat links der SPD. Als Oskar Lafontaine, einer der wichtigsten Köpfe der Sozialdemokratie, im Jahr 2005 aus der Partei austrat und in die in Westdeutschland neu gegründete WASG eintrat, begann sich auch Herbert Behrens wieder für Parteipolitik zu interessieren.

Er sagt: „Ich gründete 2005 mit anderen in Osterholz den WASG-Kreisverband. Als durch die Initiative von Oskar Lafontaine die WASG ein Wahlbündnis mit der Linkspartei. PDS einging und als Die Linke bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 antrat, unterstützte ich die Partei mit großem Engagement und nach besten Kräften. Ich hatte eine neue politische Heimat gefunden und war überwältigt, dass der Einzug in den Bundestag auf Anhieb gelang.“

Kandidat im Wahlkreis Osterholz-Verden

Im Jahr 2006 wurde Herbert Behrens Fraktionsvorsitzender der WASG im Stadtrat Osterholz-Scharmbeck. Ein Jahr später wählten ihn die Genossen zum Kreisvorsitzenden, und 2008 war er bereits Mitglied im Landesvorstand Niedersachsen. Dass Herbert Behrens ein Politiker und Gewerkschafter ist, der über einen jahrzehntelangen Erfahrungsschatz verfügt, wusste seine Partei zu schätzen. Er wurde im Jahr 2009 Bundestagskandidat für den Wahlkreis 34 Osterholz-Verden. 

In diesem niedersächsischen Wahlkreis trat Die Linke 2009 erstmals an, und sie hatte mit Herbert Behrens auf den richtigen Kandidaten gesetzt. „Meine Partei gewann in Niedersachsen auf Anhieb 7,5 Prozent der Zweitstimmen, was für Niedersachsen eine kleine Sensation war und mich zu meiner eigenen Überraschung zum Bundestagsabgeordneten machte“, sagt der Politiker.

Schmerzlicher Stimmenverlust

Zur Bundestagswahl 2013 lief es nicht so optimal. Die Linke konnte ihr Ergebnis von 2009 nicht erreichen, und auch für Herbert Behrens war es eine Zitterpartie. Er schaffte zwar erneut den Einzug in den Bundestag, in Niedersachsen musste seine Partei aber einen schmerzlichen Stimmenverlust von 3,2 Prozent verkraften.

Er sagt: „Ich merkte bereits im Wahlkampf, dass immer weniger Menschen an die Stände kamen. Diejenigen, mit denen ich ins Gespräch kam, brachten immer wieder das Argument, dass Die Linke nichts verändern könne. Die Tatsache, dass die Gruppe der Nichtwähler so groß war, hat uns sicher auch Stimmen gekostet. Klar ist aber auch, dass wir es in den Jahren von 2009 bis 2013 nicht geschafft hatten, einen spürbaren gesellschaftlichen Aufbruch zu entwickeln.“

„Ausweitung der Lkw-Maut unerlässlich“

Bereits in der vorigen Wahlperiode saß Herbert Behrens für seiner Fraktion im Verkehrsausschuss, und dabei blieb es auch nach der Wahl 2013. Als Verkehrspolitiker setzt er sich dafür ein, dass der Güterverkehr über große Distanzen zunehmend auf umweltfreundlichere Verkehrsträger wie die Schiene oder die Binnenschifffahrt verlagert wird.

„Da der Erhalt der bestehenden Verkehrswege jedes Jahr mindestens 7,2 Milliarden Euro kostet, sollten die Verursacher von Infrastrukturschäden zur Finanzierung herangezogen werden. Eine Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen ist meiner Meinung nach unerlässlich. Für eine gute Verkehrspolitik brauchen wir zudem überregionales Denken. Ich setze mich dafür ein, dass die Verkehrsinfrastruktur in öffentlichem Besitz bleibt. Wenn private Investoren Bau und Instandhaltung von Straßen und anderer Verkehrsinfrastruktur übernehmen, werden profitable Strecken privatisiert, nicht profitable bleiben in öffentlicher Hand. Außerdem führt eine Privatisierung auch zu Mehrkosten, weil die Rendite-Erwartungen der Investoren von den Bürgern mitfinanziert werden müssen“, sagt Herbert Behrens. (bsl/05.05.2015)

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