+++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++

+++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++

Direkt zum Hauptinhalt springen Direkt zum Hauptmenü springen

Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Berliner Mathematikerin: Ute Finckh-Krämer

Eine Frau an einem Sitzungstisch sitzend

Ute Finckh-Krämer (SPD)

© DBT/studio kohlmeier

Warum geht eine Mathematikerin in die Politik? Bei der Antwort auf diese Frage muss Ute Finckh-Krämer keine Sekunde zögern. „Weil ich daran mitwirken möchte, dass die Welt humaner, friedlicher und gerechter wird. Dafür sind mathematischen Formeln weniger geeignet, dafür muss man sich politisch engagieren.“ Die in Wiesbaden geborene Politikerin machte in Bremen Abitur, studierte in Erlangen und Tübingen und lebt seit mehr als 20 Jahren in Berlin. Die Hauptstadt ist inzwischen ihre politische Heimat, hier kandidierte sie im Jahr 2013 erstmals erfolgreich für den Deutschen Bundestag.

Willy Brandt als großes Vorbild

Ute Finckh-Krämer ist 43 Jahre SPD-Mitglied und hat den Satz von Willy Brandt, dem großen Vorbild der deutschen Sozialdemokraten, immer im Hinterkopf: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ Als Mitglied im Auswärtigen Ausschuss für die SPD-Fraktion ist Ute Finckh-Krämer der festen Überzeugung: „Militäreinsätze und Rüstungsexporte schaffen keinen Frieden. Dafür sind zivile Mittel notwendig – personell, finanziell, konzeptionell, und dafür will ich mich einsetzen.“

Plakate geklebt, Flyer verteilt

Bereits am Gymnasium war Ute Finckh-Krämer politisch interessiert. In ihrem Elternhaus gab es täglich politische Diskussionen, an denen sich die Schülerin rege beteiligte. „Es war die Zeit von Willy Brandt, der 1970 am Mahnmal des Warschauer Ghetto-Aufstandes mit dem weltweit beachteten Kniefall die Entspannungspolitik zwischen Ost und West einleitete. 1972 gab es nach dem Misstrauensvotum der Opposition gegen Willy Brandt Neuwahlen. Ich wollte Willy Brandt unbedingt unterstützen, ich wollte dazugehören, durfte aber noch nicht in die SPD eintreten, weil ich noch nicht 16 Jahre alt war“, erinnert sich die Abgeordnete.

Ute Finckh-Krämer engagierte sich trotzdem im Straßenwahlkampf. Sie klebte Plakate, verteilte Flyer und erlebte Willy Brandt 1972 in der Stadthalle von Bremen. „Es war ein überwältigendes Erlebnis, diesem charismatischen Politiker zuzuhören. Die Stadthalle war überfüllt, die Menschen riefen Willy, Willy und hörten ihm aufmerksam zu, als er mit seiner unverwechselbaren Stimme zu ihnen sprach.

SPD-Beitritt am 16. Geburtstag

Für mich gab es danach keinen Zweifel mehr, dass ich Sozialdemokratin werden wollte. Zumal die SPD damals ein Wahlplakat hatte, auf dem das Ministerteam des Kanzlers abgebildet war. Darunter stand der Satz: Wir haben die besten Männer. Ich fand, dass die SPD nachbessern musste und dass Frauen in der SPD mehr Chancen erhalten sollten. An meinem 16. Geburtstag trat ich in die SPD ein“, sagt die Abgeordnete.

Willy Brandt überstand das Misstrauensvotum. Die SPD wurde mit 45,8 Prozent der Wählerstimmen erstmals stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag und Willy Brandt wurde als Bundeskanzler im Amt bestätigt.

Promotion in Mathematik

Nach dem Abitur studierte Ute Finckh-Krämer ab 1974 Mathematik und Physik in Erlangen und Tübingen, machte 1981 ihr Diplom und promovierte 1986 im Fach Mathematik mit einer Arbeit aus der Wahrscheinlichkeitstheorie. Ob sie es damals für wahrscheinlich hielt, einmal Bundestagsabgeordnete zu werden? „So etwas“, sagt sie, „kann man nicht planen.“ Dass sie einmal ein Parteiamt mit einer großen Verantwortung übernehmen könnte, davon war Ute Finckh-Krämer allerdings schon damals überzeugt.

Zunächst aber studierte sie, konzentrierte sich auf ihr Diplom und ihre Promotion. Sie war damals parteipolitisch weniger aktiv. Das heißt aber nicht, dass sie sich politisch nicht engagiert hätte. „Ich habe gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstriert und vor 30 Jahren die einwöchige Sitzblockade vor dem Atomwaffenlager in Großengstingen mit organisiert. Diese friedenspolitischen Aktivitäten waren und sind mir bis heute eine Herzensangelegenheit“, sagt Ute Finckh-Krämer.

Mitbegründerin des „Bundes für Soziale Verteidigung“

Ihr gesellschaftliches Engagement zeigte sich auch 1989, als die promovierte Mathematikerin in Minden Mitbegründerin des „Bundes für Soziale Verteidigung“ (BSV) wurde. Ziel des Vereins ist die „Verteidigung der Institutionen und Werte der Zivilgesellschaft mit gewaltfreien Mitteln“. Eine der beiden Gründungsvorsitzenden wurde Petra Kelly. „Ich war von 2004 bis 2014 Nachfolgerin von Petra Kelly als Vorsitzende und ab 2007 für den BSV in der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung tätig, der inzwischen 130 Einzelpersonen und mehr als 50 Organisationen angehören“, sagt Ute Finckh-Krämer, die fast zehn Jahre als Dozentin in der Erwachsenenbildung in Mathematik und Informationstechnik tätig war. Von 1994 bis 2000 beschäftigte sie sich mit Datenbankbetreuung und medizinischer Statistik, bevor sie im Jahr 2000 Referentin im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung wurde.

„Mit dem Umzug nach Berlin strebte ich aber nicht sofort ein Parteiamt an, denn meine Kinder gingen noch zur Schule, und dort wollte ich mich engagieren“, sagt die Abgeordnete. Als das Amt des Abteilungskassierers ihres Ortsvereins in Berlin-Steglitz vakant war, wurde Ute Finckh-Krämer vom Vorstand angesprochen. „Du bist doch Mathematikerin und kannst mit Zahlen umgehen. Kannst Du das Amt übernehmen“? Sie ließ sich überzeugen, begriff diese Aufgabe aber nicht als reinen Rechnungsjob, bei dem man Zahlen addieren muss. Sie stellte sich und den Genossen die Frage: Welche politische Verantwortung übernimmt eine Kassiererin?

Kreiskassiererin und Wahlkampfkoordinatorin  

„Ich war davon überzeugt, dass ein Kassierer auch eine inhaltliche Verantwortung trägt und habe deshalb meine Vorstellungen für eine sinnvolle Geldausgabe formuliert“, sagte die Sozialdemokratin. Ihre konstruktiven Vorschläge fanden die Genossen so überzeugend, dass Ute Finckh-Krämer bald zur Kreiskassiererin aufstieg. „In dieser Funktion verwaltete ich auch die Wahlkampfgelder und hatte ein Vetorecht bei den Ausgaben. Dieses Recht nutzte ich aber nie als Blockaderecht, sondern immer als Gestaltungsrecht, um sinnvoll in neue politische Projekte zu investieren“, sagt Finckh-Krämer.

Vor der Bundestagswahl 2009 wurde die engagierte Sozialdemokratin Wahlkampfkoordinatorin im Unterbezirk Berlin-Steglitz-Zehlendorf. „Bei mir liefen alle Fäden zusammen. Ich traf mich mit Klaus-Uwe Benneter, dem damaligen Bundestagsabgeordneten, mit den Mitgliedern des Vorstandes und des erweiterten Vorstandes sowie den Koordinatoren der Ortsvereine, um einen möglichst effektiven Wahlkampf zu organisieren. Dafür braucht man nicht nur enorm viel Energie, sondern auch die Fähigkeit, den Überblick im Wahlkampf zu behalten“, sagt die Abgeordnete.

Einzug in den Bundestag 2013

In Vorbereitung der Bundestagswahl 2013 fand im Herbst 2012 die Aufstellung der Kandidaten statt. Im Unterbezirk Berlin Steglitz-Zehlendorf galt Franziska Drohsel, die damalige Bundesvorsitzende der Jusos, als Bundestagskandidatin als gesetzt. Doch die talentierte junge Politikerin, die dem linken Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet wurde, verzichtete unerwartet auf eine Kandidatur, und der Platz musste zügig neu besetzt werden. „Ich erhielt einen Anruf aus dem Vorstand und wurde gefragt, ob ich mir eine Kandidatur für den Bundestag vorstellen könne. Ich antwortete ohne zu zögern mit einem klaren Ja“, erzählt Ute Finckh-Krämer.

Sie fügt hinzu: „Ich hatte bereits 2001 mit der damaligen Bundestagsabgeordneten Renate Rennebach über die Möglichkeit einer Bundestagskandidatur gesprochen. Sie sagte damals, sie würde sich freuen, wenn ich einmal ihre Nachfolgerin werden könnte und ermutigte mich, dies irgendwann in Erwägung zu ziehen. Ich war mir seit diesem Gespräch sicher, dass ich die Chance ergreifen würde, wenn sie sich mir bot.“

Wahlkampf mit Aikido und von Haustür zu Haustür

Ute Finckh-Krämer wollte einen Wahlkampf machen, der ihrem Naturell entsprach. Sie stellte sich den Menschen an den Haustüren vor, war auf Straßen und Plätzen, in Vereinen und Verbänden, Schulen und Unternehmen unterwegs. Sie produzierte sogar einen Kurzfilm, der sie beim Training in ihrer Lieblingssportart Aikido zeigt.

„Ich wollte, dass die Menschen ihre Bundestagskandidatin von einer ganz anderen Seite kennenlernen“, sagt die Sozialdemokratin. Ihr Engagement zahlte sich aus. Ute Finckh-Krämer holte 29,3 Prozent der Erststimmen in einem Wahlkreis, der seit Jahrzehnten politisch von der CDU beherrscht wird und in dem sie zum ersten Mal kandidierte.

Auswärtiger Ausschuss für eine Friedensaktivistin

Von ihrer Fraktion wurde Ute Finckh-Krämer in den Auswärtigen Ausschuss entsandt. „Es war mein Wunschausschuss, weil ich dort in den Unterausschüssen ,Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln' sowie ,Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung' mitarbeiten kann. Ich engagiere mich seit 40 Jahren in der Friedensbewegung und kann mich in den Unterausschüssen für Abrüstung und Krisenprävention einsetzen. Außerdem bin ich Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, und das passt gut, weil ich ausschussübergreifend denken kann“, sagt die Politikerin.

Ute Finckh-Krämer unterstützt als Schriftführerin zusätzlich das Bundestagspräsidium und ist Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. „In dieser Funktion bin ich zum Beispiel als Wahlbeobachterin unterwegs und erfahre viel über die Situationen in anderen Ländern, denn bei Wahlen gibt es besondere Konflikt- und Eskalationsereignisse. Mein großes Ziel im Auswärtigen Ausschuss wäre, wenn wir einen dauerhaften Frieden in der Ukraine erreichen könnten. In diesem Punkt gibt es im Auswärtigen Ausschuss parteiübergreifenden Konsens, allerdings unterschiedliche Vorstellungen der Umsetzung “, sagt die Abgeordnete. (bsl/03.08.2015) 

Marginalspalte