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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Bundestag erhebt sich zu Ehren Helmut Schmidts

Der Deutsche Bundestag hat am Donnerstag, 12. November 2015, mit einer Schweigeminute den am 10. November verstorbenen früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gewürdigt. Schmidt war am Dienstag im Alter von 96 Jahren verstorben. „Helmut Schmidt war Politiker, Publizist und – Patriot“, sagte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert. Als Parlamentarier, als Bundesminister und vor allem als Bundeskanzler habe er sich auf herausragende Weise um Deutschland verdient gemacht. „Wir verneigen uns vor einem der bedeutendsten politischen und intellektuellen Köpfe unseres Landes.“

Lammert: Schmidt war ein großer Redner

Bereits 1953 saß Schmidt erstmals im Deutschen Bundestag, dem er über drei Jahrzehnte angehörte. Schon bald nach seiner ersten Wahl habe er zu den profiliertesten Vertretern der jüngeren Generation im Parlament gezählt.

 „Er war nicht nur ein großer Redner, sondern vor allem ein leidenschaftlicher und ansteckender, gelegentlich provozierender Debattierer“, sagte Lammert. Rededuelle mit Ludwig Erhard, Franz-Josef Strauß oder Helmut Kohl würden unvergessen bleiben. Verbindendes Element zwischen dem leidenschaftlichen Streitredner und dem kühlen Analytiker in der Regierungsverantwortung sei die Lust daran gewesen, argumentativ durch Rede und Widerrede zu überzeugen. 

Als Bundeskanzler große Herausforderungen bewältigt

In seiner Amtszeit als Bundeskanzler habe Schmidt große Herausforderungen zu bewältigen gehabt: Von der Wirtschaftsrezession der 1970er Jahre bis zu Deutschlands Rolle im Kalten Krieg. „Klarsichtig und besonnen hat er sie gemeistert.“ Unvergessen sei seine Standfestigkeit im „Deutschen Herbst“. „Helmut Schmidt sah sich damals vor unausweichliche Entscheidungen gestellt, die er nicht treffen konnte, ohne Schuld auf sich zu laden, wie er selbst bekannt hat“, sagte Lammert. „Dank seiner Entschlossenheit bestand unsere Republik ihre schwerste Belastungsprobe, ohne selbst die Freiheit zu gefährden, gegen die der Terror gerichtet war.“ 

In der ganzen Welt habe Helmut Schmidt höchste Reputation als Staatsmann genossen, der deutsche Politik berechenbar gemacht habe, weil sie auf Nüchternheit und Rationalität, Toleranz und Weltoffenheit beruhte. Die spontane Würdigung durch den französischen Ministerpräsidenten und die Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung nach Bekanntwerden seines Todes sei ein eindrucksvoller Beleg für die persönliche Wertschätzung und die Beziehung beider Länder. Lammert bedankte sich für die Geste ausdrücklich.

Ethos eines politischen Pragmatismus

Der Bundestagspräsident erinnerte daran, dass Schmidt im Jahr 1986 seinen Abschied vom Parlament mit einem eindringlichen Appell zur „Besinnung auf das Ethos eines politischen Pragmatismus in moralischer Absicht“ an die Abgeordneten verbunden hatte.

„Das, was wir erreichen, was wir tun wollen, solle moralisch begründet sein, der Weg dahin müsse aber realistisch, er dürfe nicht illusionär sein.“ Die Erreichung des moralischen Ziels verlange pragmatisches, vernunftgemäßes politisches Handeln, Schritt für Schritt. Und die Vernunft erlaube zugleich auf diesem Weg ein unvergleichliches Pathos. Denn keine Begeisterung solle größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.

„Bis zuletzt ein unverzichtbarer Kompass gewesen“

Der Bundestag habe die überragende Bedeutung des Parlamentariers Helmut Schmidt erkannt und ihm für seine Abschiedsrede im Jahr 1986 eine alle Proportionen, auch von Regierungserklärungen sprengende Redezeit von fast zwei Stunden zugebilligt.

„Hoher moralischer Ernst prägte das Selbstverständnis dieses herausragenden Politikers – es ist sein bleibendes Vermächtnis“, sagte Lammert. Für viele sei er bis zuletzt mit seiner Meinung ein unverzichtbarer Kompass gewesen. Die Gedanken aller Abgeordneten seien bei seiner Familie, seinen Freunden und Weggefährten. (12.11.2015)

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