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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Rechtsanwalt aus München: Bernd Fabritius

Bernd Fabritius (CDU/CSU)

Bernd Fabritius (CDU/CSU)

© DBT/Melde

Die Familie von Bernd Fabritius kam vor 32 Jahren von Rumänien nach Deutschland, da war er gerade 19 Jahre alt. Ausgestattet mit einem ausgeprägten Tatendrang und einem noch stärkeren Willen wollte er in Deutschland seine Zukunft gestalten. Bernd Fabritius war davon überzeugt: Eine gute Perspektive setzt eine exzellente Ausbildung voraus. Er absolvierte drei Studien und promovierte im europäischen Verwaltungsprozessrecht. Knapp 20 Jahre dauerte sein Ausbildungsmarathon, aber Bernd Fabritius wollte sich auch gesellschaftlich und politisch engagieren.

„Wir sind eine Solidargemeinschaft“

Deshalb trat er mit 38 Jahren in die CSU ein und kandidierte im Jahr 2013 erfolgreich für den Deutschen Bundestag. Der Jurist ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, Vorsitzender des Unterausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.

Seine Überzeugungen formuliert der CSU-Politiker auf seiner Internetseite so: „Getreu Artikel 3 unseres Grundgesetzes sind Benachteiligungen aufgrund Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glauben, religiöser oder politischer Anschauungen untersagt. Alt und Jung, zugewandert und alteingesessen: Wir sind eine Solidargemeinschaft, die es sich nicht leisten kann, Gruppen oder Individuen auszugrenzen.“

1984 von der Bundesregierung freigekauft

Die Familie von Bernd Fabritius stammt aus Hermannstadt in Rumänien. 1984 wurden sie als Siebenbürger Sachsen von Deutschland freigekauft.

Bernd Fabritius erinnert sich: „Meine Mutter hatte 1969 den ersten Antrag auf Familienzusammenführung gestellt, weil mein Großvater in Deutschland lebte. 15 Mal wurde der Antrag abgelehnt, 15 Mal hat meine Mutter den Antrag neu gestellt. Auf der Grundlage eines Abkommens zum ‚Freikauf von Rumäniendeutschen’, das zwischen Deutschland und Rumänien bestand, durfte meine Familie 1984 nach Bayern ausreisen. Für die Ceaușescu-Regierung war dieser zynische Menschenhandel ein einträgliches Geschäft. Für uns Siebenbürger Sachsen wurden Kopfprämien gezahlt, und das bedeutete harte Währung für das marode kommunistische Land. Inhaftierte Dissidenten brachten dem Diktator 7.000 D-Mark ein, für mich, meinen Bruder und meine Eltern zahlte die deutsche Regierung jeweils 10.000 D-Mark, weil wir Abitur hatten. Meine Schwester war noch Schülerin, Menschen mit geringerer Bildung waren ‚preiswerter’ zu haben. Unsere Familie wurde von der deutschen Regierung für 48.000 D-Mark freigekauft.“

Bildung als Kapital für einen Neustart in Deutschland

Bernd Fabritius sah seine Chancen einer guten Perspektive in Deutschland in möglichst viel Bildung. Der CSU-Politiker sagt: „Als wir aus Rumänien ausreisten, durften wir außer 20 Kilo Gepäck pro Person nichts mitnehmen. Meine Eltern ließen nicht nur Haus und Garten zurück, sondern ihr ganzes Leben. Dies alles in dem Wissen, dass sie nie wieder in ihre Heimat zurückkehren würden und in Deutschland bei Null beginnen müssen. Das einzige Kapital, was ihre Kinder sich aufbauen konnten, war Bildung“.

Abitur in Rumänien und in Bayern

Bernd Fabritius hatte zwar 1983 in Rumänien Abitur gemacht, musste aber in seiner neuen Heimat Bayern das Abitur noch einmal ablegen. „In Rumänien wurde das Abitur nach 12 Jahren gemacht, in Deutschland galt die 13-jährige Abiturstufe. Deshalb musste ich noch einmal aufs Gymnasium und legte das deutsche Abitur mit Bestnoten ab. Mein Ziel war ein Studium an einer Universität “, erklärt der Abgeordnete.

Diplom-Verwaltungswirt an der Beamtenfachhochschule

1985 begann Bernd Fabritius einen regelrechten Ausbildungsmarathon. Er sagt: „Ich habe Bildung aufgesogen wie ein trockener Schwamm.“ Die erste Ausbildung war ein Studium an der Bayerischen Beamtenfachhochschule, die er 1988 als Diplom-Verwaltungswirt verließ.

Bernd Fabritius wurde mit diesem Abschluss in den Dienst des Freistaates Bayern übernommen und hatte dabei ein seltsames Gefühl, das er so beschreibt: „Der Gedanke, dass mein Leben mit der Übernahme in den Beamtendienst quasi ‚fertig’ war, beunruhigte mich irgendwie. Mit 23 Jahren fand ich die Vorstellung, dass der Beamtenstatus die nächsten 40 Jahre andauern würde, wenig verlockend. Ich stellte mir die Frage, ob das alles gewesen sein soll. Die Antwort war ein klares Nein. Deshalb begann ich 1990 neben meiner Beamtentätigkeit ein Studium der Politikwissenschaften an der Hochschule für Politik in München. Ich wollte mehr erreichen und mit einer höheren Qualifikation mehr Verantwortung übernehmen.“

Studium der Rechtswissenschaften in München

Der Wissensdurst von Bernd Fabritius war mit dem Politikstudium noch immer nicht gestillt. 1992 wurde er an der Maximilians-Universität München als Student der Rechtswissenschaften immatrikuliert. Mit dem ersten Staatsexamen schloss er das Jura-Studium in einer Rekord-Studienzeit von nur fünf Jahren ab.

1997 erhielt er nach Referendarzeit und dem zweiten Staatsexamen in München die Zulassung als Rechtsanwalt und eröffnete eine Schwerpunktkanzlei für Sozialrecht, Strafrecht, Familienrecht sowie das Recht von eingetragenen Lebenspartnerschaften. Zusätzlich übernahm er Lehraufträge und Professuren an vier Universitäten, an denen er Prozessrecht und Verwaltungsgerichtsordnung lehrte.

Promotion im europäischen Verwaltungsprozessrecht

Die Krönung war die Kooperationspromotion zwischen den Universitäten Tübingen und Hermannstadt, die vom rumänischen Außenministerium unterstützt wurde. Das Thema des Forschungsprojektes und der Promotionsarbeit widmete sich dem Vergleich der rumänischen Verwaltungsgerichtsordnung und Anpassungsvorschlägen an das europäische Recht. Bernd Fabritius erhielt für die Promotionsarbeit die Bewertung „magna cum laude“.

Schon während dieses beeindruckenden Ausbildungsmarathons begann sein Engagement innerhalb der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen, das er in verschiedenen Leitungsfunktionen kontinuierlich ausbaute. „Mir ist das Schicksal und die Integration der heute mehrheitlich in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen eine Herzensangelegenheit, deshalb nahm ich die Wahl zum Bundesvorsitzenden der Siebenbürger Sachsen in Deutschland vor neun Jahren sehr gern an“, sagt der Politiker. Bernd Fabritius ist inzwischen auch Präsident der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen und engagiert sich in mehr als fünfzehn Verbänden, Vereinen, Organisationen, Stiftungen und Kuratorien, die sich mit Flucht, Vertreibung und Integration auseinandersetzen.

Positionen vor dem Bundesverfassungsgericht

Die Entscheidung, sich parteipolitisch zu engagieren, traf Bernd Fabritius im Jahr 2003. Als Rechtsanwalt hatte er bereits Positionen veröffentlicht, die beim Bundesverfassungsgericht Gehör fanden, weil er die 40 Prozent Kürzung bei den Fremdrenten für ungerecht hielt. Bernd Fabritius sagt: „Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes sagte ich mir: Wenn die Gesetze eines Landes so weit entfernt von Gerechtigkeitsstrukturen und Realitäten der Menschen sind, ist es wichtig, dass ich mich politisch engagiere. Nur dann besteht die Chance, dass ich an Gesetzgebungsverfahren mitwirken kann.“

Wenn sich Bernd Fabritius für eine Sache entscheidet, dann engagiert er sich nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen. Für die CSU hat er sich ganz bewusst entschieden. Nachdem er im Ortsverband München-Bogenhausen das Aufnahmeformular ausgefüllt hatte und aufgenommen war, arbeitete er in der CSU-Gruppe Union der Vertriebenen und Aussiedler (UdV) mit.

Kandidat für den bayerischen Landtag

Der Jurist fiel schnell durch profunde Kenntnisse im Sozial- und Rentenrecht sowie durch analytisches und strukturelles Denken auf. Seine Argumente trafen meist den Kern der jeweiligen Problematik und der Jurist zeigte Lösungswege auf. Auch beim Thema Aussiedler beziehungsweise Spätaussiedler wurde Bernd Fabritius in der CSU ein gefragter Gesprächspartner und bald zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der UdV gewählt.

Ein Zusammenschluss von Spätaussiedlerverbänden nominierte Bernd Fabritius im Jahr 2008 als Kandidaten für die bayerische Landtagswahl. „Sie trauten mir zu, ihre Interessen im Freistaat Bayern zu vertreten. Die Siebenbürger Sachsen, die Banater Schwaben sowie die Russlanddeutschen versprachen sich von meiner Kandidatur außerdem, dass sich die Spätaussiedler aktiver an den demokratischen Prozessen beteiligen, wenn sie einen Kandidaten aufstellen, der ebenfalls Aussiedler ist“, erzählt der Abgeordnete.

Mehr Wählerstimmen als Monika Holmeier

Bernd Fabritius kandidierte auf der Landesliste auf dem aussichtslosen Listenplatz 34. Kaum jemand in der CSU gab dem Newcomer eine Chance, und doch sorgte Bernd Fabritius bei der Auszählung für eine Sensation. Mehr als 10.000 Wähler hatten für den Juristen votiert. Er erhielt etwa in Ingolstadt, der Heimatstadt von Horst Seehofer, mehr Stimmen als Monika Hohlmeier, die Tochter vom CSU-Urgestein Franz Josef Strauß.

Im Folgejahr kandidierte Bernd Fabritius bereits für den Deutschen Bundestag. Er hatte sein Ziel, an den Gesetzgebungsverfahren mitzuarbeiten, noch im Blick. Unterstützt wurde er von den Jungen Mitgliedern der Verbände der Spätaussiedler. Die klebten für Bernd Fabritius Plakate und warben in den sozialen Netzwerken für ihren Kandidaten. „Auch wenn ich den Einzug in den Deutschen Bundestag 2009 knapp verfehlte, war der Wahlkampf eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Aus heutiger Sicht die perfekte Übung für die Bundestagswahl 2013, bei der ich erfolgreich kandidierte“, sagt der Politiker.

Wahl zum Präsidenten des Bundes der Vertriebenen

Als Mitglied der Bundesversammlung und des Präsidiums im Bund der Vertriebenen (BdV) war Bernd Fabritius drei Jahre zuvor zum Vizepräsidenten des Bundes der Vertriebenen gewählt worden. 2014 übernahm er das Amt des BdV-Präsidenten von Erika Steinbach. Die Presse beschrieb ihn als ruhigen, versöhnlichen, diplomatischen Juristen, der ein neues Kapitel in den Beziehungen seines Verbandes zu Polen aufschlagen wolle.

Als Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für  Menschenrechte setzt sich Bernd Fabritius für den Schutz der Menschenrechte ein. Für ihn sind sie die elementarsten aller Rechte. Auf seiner Internetseite schreibt er dazu: „Die Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen – so steht es bereits in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948.“  

Rechtliche Grundlage für das Institut für Menschenrechte

Besonders wichtig sind Bernd Fabritius die Grundfreiheiten und die Sicherung demokratischer Strukturen in Europa.

Die Arbeit im Ausschuss und in der Fraktionsarbeitsgruppe Menschenrechte beschreibt der Jurist so: „Die Arbeitsatmosphäre ist sehr kollegial, es gibt weitgehend Konsens in den Positionen, weil allen klar ist: Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Ich untersuche im Moment in Flüchtlingsheimen in Deutschland die Nichtdiskriminierung aus religiösen Gründen, die Frauendiskriminierung sowie die Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Besonders glücklich bin ich darüber, dass das Institut für Menschenrechte im vergangenen Juni auf eine stabile rechtliche Grundlage gestellt wurde und ich die Verhandlungen führen durfte, dass das Institut die Internationalen Maßstäben der Vereinten Nationen für nationale Menschenrechte erfüllt.“ (bsl/02.05.2016)

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