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Jugendämter fordern mehr Personal

Ein Schild mit der Aufschrift Service Point, Amt für Jugend und Soziales, sowie eine Tür mit einem Klebezettel, auf dem Kein Durchgang steht

Ein Wegweiser vom Amt für Jugend und Soziales der Stadt Frankfurt (Oder)

© dpa-Report

Mehr Fachpersonal, einen einheitlichen Standard in Deutschland für den Kinderschutz - so einige der Forderungen der eingeladenen Experten aus den Jugendämtern und von freien Jugendhilfeträgern in einer öffentlichen Sitzung der Kinderkommission (Kiko) am Mittwoch, 22. Juni 2016, unter Vorsitz von Norbert Müller (Die Linke). Nachhaltige Forderungen, die die derzeitige desolate Situation in den Jugendämtern in Deutschland möglicherweise verbessern könnte. 

Weiße Fahnen an den Ämtern

„Letztes Jahr mussten wir kapitulieren“, so Kerstin Kubisch-Piesk von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aus Berlin, „wir mussten sprichwörtlich die weißen Fahnen raushängen. Jetzt sind die Fahnen schon eine Institution geworden.“ Es seien unhaltbare Arbeitsbedingungen, die die Jugendämter kapitulieren lassen. Hohe Überlastung, zu wenig Fachpersonal, fehlende rechtliche Absicherung, keine angemessene Bezahlung, so die drei Sachverständigen.

Was hat sich geändert? „Die Problematiken der Familien werden immer schwieriger, komplexer. Gerade psychische Erkrankungen eines Elternteils häufen sich und werden mit der Zeit eher schlimmer als besser“, so Kubisch-Piesk. Die Wohnraumproblematik in Großstädten wie Berlin sei auch für das Jugendamt ein unüberwindbares Problem.

„Zahl der Meldungen angestiegen“

Zusätzlich dazu ist die Zahl der Meldungen bei Kindeswohlgefährdung extrem angestiegen, „die Bevölkerung ist aufgrund der Fälle in den letzten Jahren sensibilisiert“. Daraus ergebe sich jedoch ein enormer Mehraufwand der Dokumentationspflicht. „Die Kollegen können die Standards in der Kinderschutzmeldung kaum noch einhalten“, so Heike Schlizio-Jahnke von der GEW Berlin.

Man könne nur noch akute Fälle behandeln, so Kubisch-Piesk vor der Kommission, andere Fälle müsse man zur Seite legen, „das ist eigentlich gesetzeswidrig, aber wir schaffen es einfach nicht mehr“. Die Leidtragenden sind hier die Kinder und Familien, „wir können nicht mehr fachlich arbeiten“, so Schlizio-Jahnke, man suche nur noch einen, nicht den passenden Platz für das Kind oder die Familie.

Mehr Inobhutnahmen, kaum Überprüfung

Außerdem sei die Zahl der Inobhutnahme von Kindern in Berlin enorm gestiegen. Schlizio-Jahnke sieht darin eine hochdramatische Entwicklung. Die Kollegen seien verunsichert, hätten zu wenig Zeit für kompetente Prüfung und würden deshalb den Familien schneller die Kinder wegnehmen.

Cornelia Heyder, Geschäftsführerin von Lebensnah e.V., betonte, dass die Jugendhilfe eine schwache Lobby habe und unter einem akuten Spardruck leide, „obgleich alle Menschen uns nachsagen, dass in die Jugendhilfe zu viel Geld gesteckt wird“. 

„Es fehlt an Fachpersonal“ 

Dieser Spardruck zeige sich darin, dass gut ausgebildetes Fachpersonal fehle. Das derzeit vorhandene Personal würden sie als Jugendhilfeträger jedoch aufgrund der enormen Überlastung, Spardruck, Zeitmangel und geringer Anerkennung oftmals an die freie Wirtschaft verlieren. „Die Arbeit wird zunehmend unattraktiver für gut ausgebildetes Personal“, so Heyder.(abb/22.06.2016)

Liste der geladenen Sachverständigen
  • Cornelia Heyder, Geschäftsführerin Lebensnah e.V.
  • Kerstin Kubisch-Piesk, GEW Berlin
  • Heike Schlizio-Jahnke, GEW Berlin

 

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