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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Ebner: Mit Worten lässt sich Druck ausüben

Porträtaufnahme von zwei Männern an einem Tisch in einem Raum

Djeralar Miankeol, Harald Ebner

© Privat

Djeralar Miankeol ist wegen seines Kampfes gegen Korruption im Tschad ins Gefängnis gekommen. Nach 45 Tagen wurde er freigelassen, vermutlich aufgrund des nationalen und internationalen Druckes. Daran hat sich auch Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen) beteiligt. Er ist Miankeols Pate im Bundestagsprogramm „Parlamentarier schützen Parlamentarier“.

Ebner: Mit Worten lässt sich genug Druck ausüben

Harald Ebner ist sich sicher: „Mit Worten lässt sich genug Druck ausüben, um einen Menschen aus dem Gefängnis zu befreien.“ Sein Beweis ist der Fall des Agraringenieurs Djeralar Miankeol aus dem Tschad. Der Aktivist, der sich in seiner Heimat unter anderem gegen Landraub von Großgrundbesitzern in einem Erdölfördergebiet engagiert, war im Juni 2015 wegen seiner Arbeit festgenommen und zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Unterstützer auf der ganzen Welt – Menschenrechtsorganisationen, Entwicklungshelfer, Diplomaten und Politiker – reagierten sofort. Unter ihnen Ebner, der aus seinem Wahlkreis vom Schwäbisch Haller Freundeskreis Afrika informiert wurde.

„Ich habe zwar selber keine Kontakte in den Tschad“, sagt Ebner. „Aber ich habe mich an Christoph Strässer (SPD), den damaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, gewandt.“ Strässer sei auch von anderen Abgeordneten auf Miankeols Fall angesprochen worden. „Das kann helfen, dadurch weiß die Bundesregierung, dass sie hier genauer hingucken muss.“ Dabei habe er vom Programm „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ erfahren und Miankeols Fall vorgetragen.

Kritiker sollen in Gefängnissen vergessen werden

Die deutsche Botschaft vor Ort habe sich an die Regierung im Tschad gewandt, auch die französische Botschaft sei aktiv geworden. Tschadische Bauern hätten genauso protestiert wie Frauen und Jugendliche, mit denen Miankeol gearbeitet habe, Organisationen wie Brot für die Welt und Amnesty International sorgten international für Öffentlichkeit. „Da kamen halt Reaktionen zustande, die gezeigt haben: Dieser Fall lässt sich nicht so einfach wegwischen“, sagt Ebner. Denn eigentlich baue die Justiz darauf, dass unbequeme Menschen schnell vergessen werden, wenn sie erst einmal in einem Gefängnis verschwunden sind.

Miankeol engagiert sich für den Verein Ngaoubourandi im Tschad. Die Organisation, die unter anderem von Brot für die Welt unterstützt wird, versucht die Lebensbedingungen der Menschen im Süden des Landes zu verbessern. Dazu gehört auch der Protest gegen den Landraub durch Großgrundbesitzer. Im Tschad wird seit mehr als einem Jahrzehnt von einem internationalen Konsortium Erdöl gefördert, davon profitieren aber vor allem Eliten.

Ungerechte Verteilung des Rohstoffreichtums

2014 kam Miankeol auch in Ebners Wahlkreis, eröffnete eine Ausstellung mit dem Titel „Ölbiografien“, auf der er von der Situation der von der Ölförderung betroffenen Dörfer erzählte. „Er hat deutlich gemacht, wie wenig die Bevölkerung vor Ort vom Ölreichtum des Landes profitiert“, erinnert sich Ebner.

Ein knappes Jahr später wurde Miankeol verhaftet. Er hatte Anfang Juni 2015 in einem Radio Kritik an Justizbeamten geäußert. Wenige Tage später sollte er vom Staatsanwalt dazu befragt werden, wurde aber unerwarteterweise festgenommen. Schon am folgenden Tag wurde er wegen „Missachtung des Gerichts“ angeklagt und in ein anderes Gefängnis verlegt. Zunächst war unklar, wie es in dem Verfahren weitergehen sollte, dann wurde er Anfang Juli 2015 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Kurze Zeit später aber sei er im Berufungsverfahren frei gesprochen worden, sagt Ebner. „Am Ende ist die ganze Anklage einfach zerbröselt.“

Öffentlichkeit kann helfen 

Im November 2015 traf Ebner Miankeol erneut in Schwäbisch Hall. Dort habe er seinen Unterstützern von seinen Erlebnissen erzählt. Die Haftbedingungen im Tschad seien extrem schlecht, er selbst erkrankte im Gefängnis schwer. Und während er vermutlich aufgrund seiner Bekanntheit schnell freigelassen wurde, geht es vielen Aktivisten anders. „Die verschwinden dann einfach“, sagt Ebner.

Er hält weiter losen Kontakt zu Miankeol, lässt sich informieren, was der Menschenrechtsaktivist unternimmt. Und sichert Hilfe zu: „Er weiß, wenn irgendwas ist, kann er sich an mich wenden.“ (ske/03.08.2016)

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