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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

Barrierefreiheit in der Politik und im Alltag

Anne Leichtfuß sitzt in einer kleinen grauen Kabine im Foyer des Paul-Löbe-Hauses, dem Haus der Ausschüsse des Deutschen Bundestages. Sie lauscht konzentriert und spricht dann langsam und gleichmäßig in das Mikrofon an ihrem Kopfhörer. Anne Leichtfuß ist Dolmetscherin – aber nicht für Englisch oder Französisch, sondern für Leichte Sprache. Sie übersetzt komplexe Reden so, dass jeder Zuhörer sie verstehen kann. „Ich verändere die Struktur der Sätze und benutze einfachere Wörter“, erklärt die junge Frau.

Doch bei der Veranstaltung „Politik für und mit Menschen mit Behinderungen“ am Freitag, 23. September 2016, ist sie nicht die einzige Übersetzerin. Vorne auf der Bühne stehen Gebärdendolmetscher, die die Worte der Redner in Gesten übersetzen, damit auch taube Zuhörer der Diskussion folgen können. Gleichzeitig läuft der Text der Vortragenden parallel für alle sichtbar auf einem Großbildschirm. Er wird von Anne Leichtfuß’ Kollegen per Sprachcomputer live erstellt, damit die ganze Veranstaltung barrierefrei sein kann.

Bulmahn: Einander zuhören und miteinander sprechen

„Wir treffen uns hier mitten im Bundestag“, sagt Edelgard Bulmahn (SPD), Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, „um uns zuzuhören und miteinander zu sprechen.“ 2012 fand die Veranstaltung zum ersten Mal statt. 280 Vertreter von Interessengruppen von Menschen mit Behinderungen und auch Betroffene trafen sich damals in zwölf Arbeitsgruppen und diskutierten über das Thema Inklusion. Vier Jahre später steht besonders das neue „Bundesteilhabegesetz“ zur Debatte. Am Tag zuvor war es in der ersten Lesung im Bundestag eingebracht worden. Die Weiterentwicklung der UN-Menschenrechtskonvention wird besonders von den Betroffenen kontrovers diskutiert.

„Es sollte sich eine Gesellschaft entwickeln, in der es normal ist, wenn Menschen unterschiedliche Voraussetzungen haben“, sagt Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Die ehemalige Paralympicsgewinnerin im Biathlon setzt sich als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung seit 2014 für die Rechte aller Menschen mit Behinderungen ein.

Gespräche über Gesetze und alltägliche Probleme

Zwischen den Stuhlreihen gegenüber der Bühne ist Platz für Rollstühle und Blindenhunde. Udo Zeller sitzt selbst im Rollstuhl. Der kommunale Behindertenbeauftragte von Potsdam-Mittelmark ist von seinem Wahlkreisabgeordneten, Dr. Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier (SPD), eingeladen worden. „Es wird zu sehen sein, ob die Abgeordneten aus dem Termin ihre Schlüsse ziehen und noch etwas am Gesetz verändern“, sagt er.

In der Diskussion stellen sich die behindertenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen den Fragen aus dem Plenum. Bei weit über 100 Teilnehmern gibt es zahlreiche kritische Anmerkungen. Fast alle haben die Einbringung des Bundesteilhabegesetzes am Donnerstag, 22. September, verfolgt. Viele sprechen aber auch über die alltäglichen Probleme von Menschen mit Behinderungen. „Jeder Bahnhof sollte barrierefrei sein“, merkt einer der Teilnehmer an. Eine junge Mutter schildert die Probleme ihres kleinen Sohnes, der im Rollstuhl sitzt und später Begleitung im Alltag brauchen wird.

Zum Abschluss dankt der Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CDU/CSU) den Organisatoren und Dolmetschern, die den ganzen Vormittag so gestaltet haben, dass er für alle Teilnehmer ohne Barrieren zu bewältigen ist. Anne Leichtfuß ist schon im Gespräch mit ein paar Zuhörern. Sie will nachfragen, ob diese alles verstanden haben, damit sie beim nächsten Mal wieder für alle übersetzen kann. (lau/23.09.2016) 

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