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Jugendarbeit schützt vor Rechtspopulismus

Neonazi mit Fahne

Neofaschistische Jugendliche beschäftigen die Kinderkommission.

© dpa

Dem Rechtspopulismus keinen Raum in der Jugendarbeit zu überlassen, war eine Forderung der Experten in der Kinderkommission (Kiko) des Bundestages am Mittwoch, 28. September 2016, unter der Leitung von Norbert Müller (Die Linke). Im öffentlichen Fachgespräch über den Umgang mit neofaschistischen Jugendlichen standen zudem die politische und inhaltliche Diversität von Trägern der Jugendhilfe und der Umgang mit Betroffenen im Fokus.

„Gewalt macht Sinn“

„Es gibt keine sinnlose Gewalt - Gewalthandlungen sind immer mit einem Sinn belegt“, sagte Prof. Dr. Timm Kunstreich. Die Denkweisen und Handlungen der Jugendlichen seien durch ihre Lebenssituation und ihre Einbindung in eine Gruppe bestimmt. „Legitim ist die Gewalt in dem Sinne, das sie im Kontext des Jugendlichen Sinn macht. Dies hat jedoch nichts mit Legalität zu tun.“

Desintegration, Perspektivlosigkeit und das Gefühl, benachteiligt zu sein, bestimmen die Wahrnehmung der Jugendlichen. Konfliktpotenzial in den Familien, ein geringer Zugang zur Schulbildung und auch der Hang zu einer riskanten Lebensführung seien weitere Aspekte der Betroffenen dieser Zielgruppe, so Kunstreich.

„Demokratische Alternativen aufzeigen“

In Zeiten von steigendem Rechtspopulismus sei Jugendarbeit essentiell, berichtete Josephin Tischner, Bundesvorsitzende der SJD - Die Falken. „Jugendhilfe trägt nicht zur Vermeidung von Gewalt bei, aber es ist wichtig, mit Jugendlichen, die auf der Kippe stehen, zu arbeiten.“ Als zentrale Aufgabe der Jugendarbeit sehe Tischner die Möglichkeit, den Jugendlichen andere inhaltliche Positionen und Kompetenzen anzubieten. Sie in unterschiedliche Gruppen einzubinden, Erfahrungen mit anderen kulturellen und sozialen Szenen zu ermöglichen und auch die öffentliche Wahrnehmung der Problematik zu steigern, sei dabei besonders wichtig.

Ein konkretes Handlungskonzept ist aber nur in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen möglich, meinte Stephan Schlenker von der Fachhochschule St. Gallen. Der Vorstand der Internationalen Gesellschaft für mobile Jugendarbeit benennt dafür das Konzept der mobilen Jugendarbeit, das ursprünglich aus den USA kam. „Streetwork ist dabei aber nur eine Methode und kein Ansatz dieser mobilen Jugendarbeit. Wir handeln insgesamt im Sinne der Jugendlichen und nach ihrem Interesse.“

Perspektiven schaffen

„Jugendhilfe muss für alle zugänglich sein“, schlussfolgerte Josephin Tischner. Menschen bräuchten Perspektiven, sonst fiele es leichter, sich einer bestimmten Ideologie anzuschließen. Grundschüler und sogar Erwachsene müssten die Möglichkeit erhalten, an Bildungsprogrammen teilzunehmen. Der Rechtsextremismus spiele dabei eine ernste Gefahr für die Gesellschaft. Jedoch bräuchten die Träger der Jugendhilfe eine klare Haltung und politische Handlungsfähigkeit.

Der Übergang zwischen Rechtpopulismus und Rechtsextremismus sei mittlerweile fließend, so Tischner. Rechtsterrorismus hingegen sei das Aufgabengebiet der Verfassungsbehörden, nicht der Jugendarbeit. Die Akzeptanz des Jugendlichen als Mensch müsse aber unabhängig von der Situation als Straftäter bestehen. Jugendliche müssten ihre Grenzen erkennen, gleichzeitig sei jedoch ein Angebot von Alternativen wichtig, schloss Stephan Schlenker. (lau/29.09.16) 

Liste der geladenen Sachverständigen
  • Julia Böhnke, Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
  • Prof. em. Dr. Timm Kunstreich
  • Stephan Schlenker, FHS Sankt Gallen, Vorstand der Internationalen Gesellschaft für mobile Jugendarbeit – Fachbereich Soziale Arbeit
  • Josephin Tischner, Bundesvorsitzende der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken

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