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Deutscher Bundestag - Archiv

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Lammert eröffnet Schadow-GIOM-Ausstellung

Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert hat am Dienstag, 18. Oktober 2016, um 19 Uhr die Ausstellung „Über den Unterschied der Gesichtszüge im Menschen“ von Johann Gottfried Schadow und Guillaume Bruère (Künstlername GIOM) im Innenhof des Schadow-Hauses in der Schadowstraße 12-13 in Berlin-Mitte eröffnet. Der Künstler GIOM war selbst anwesend. Der 1976 geborene Zeichner, Maler, Bildhauer und Performance-Künstler studierte an den Kunsthochschulen von Nantes und Poitiers. Seine ersten großen Werkzyklen entstanden in den großen Museen Europas.

Porträts von Flüchtlingen

GIOM zeichnete in der Albertina in Wien, in den Berliner Gemäldesammlungen, an der Vincent-van-Gogh-Foundation in Arles und am Château de Chambord, später im Paula-Modersohn-Becker-Museum Bremen und an vielen anderen Institutionen vor den Porträts der alten Meister. Er transformierte sie in völlig unabhängige Momentaufnahmen von Menschen, die längst nicht mehr als Individuen erinnert werden, sondern ikonenhaft Teil des Bildgedächtnisses und Kulturverständnisses geworden sind.

Ende 2015 begann GIOM damit, im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Flüchtlinge zu porträtieren, Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Iran. Alte und Junge, Frauen, Männer und Kinder, Familien, Paare, Einzelne, die in einer der vielen Notunterkünfte Berlins auf Entscheidung über ihren Asylantrag warteten. Dabei sucht er wie in den Porträts der alten Meister nach der Würde des Augenblicks, der Essenz der Erscheinung. Er verzichtet auf Attribute und alle erzählerischen Zugaben und vertraut auf das Gesicht als Träger der individuellen Persönlichkeit.

Physiognomie des Menschen

Neben den großen Skulpturen und Werkzyklen, die Johann Gottfried Schadow (1764-1850) als Hofbildhauer für die öffentlichen Plätze und privaten Sammlungen in Preußen schuf, arbeitete er zeit seines Lebens an Lehrwerken zu Anatomie und Physiognomie des Menschen. Schadow interessierte die Vielfalt der Gesichter und Körper. Er suchte sie in Gemälden, naturhistorischen Sammlungen und auf den Straßen Berlin und bannte die gefundene Mannigfaltigkeit neben Plastiken und Gemälden vor allem in Zeichnungen, die später im Lehrwerk „National-Physiognomien oder Beobachtungen über den Unterschied der Gesichtszüge und die äußere Gestaltung des menschlichen Kopfes“ zusammengefasst wurden.

Anders als viele seiner Vorgänger und Zeitgenossen war Schadow nicht von Exotik, sondern von einem zutiefst humanistischen Ansatz getrieben, das Fremde als Bereicherung und Ausweis von Vielfalt und Fülle zu begreifen und zu vermitteln.

Ausstellung bis 23. April geöffnet

Die Kuratorin der Ausstellung, Kristina Volke, führte in die Ausstellung ein. Die Komische Oper Berlin stellte unter dem Titel „Selam Opera!“ Ausschnitte ihres aktuellen musikalischen Dolmuş-Programms vor. 

Die Ausstellung ist von Mittwoch, 19. Oktober 2016, bis Sonntag, 23. April 2017, jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (vom/19.10.2016)

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