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Keine Hinweise auf dritte Person im Wohnmobil

Der Selbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos war Thema im Ausschuss.

Der Selbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos war Thema im Ausschuss.

© dpa

Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich an oder in dem Wohnmobil, in dem sich die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos am Mittag des 4. November 2011 durch Kopfschüsse das Leben nahmen, noch eine weitere Person aufgehalten hat. Das sagten in der Sitzung des 3. Untersuchungsausschusses (NSU II) unter Vorsitz von Clemens Binninger (CDU/CSU) am Donnerstag, 14. April 2016, ein Kriminalbeamter und eine Kriminalbeamtin aus Thüringen.

Umstrittener Abtransport des Wohnmobils

Kriminaloberkommissar Michael Lotz und Kriminalhauptkommissarin Sylvia Michel, die damals mit der Spurensicherung am Tatort befasst waren, gaben als Zeugen an, dass eine solche dritte Person aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht unerkannt hätte entkommen können. Auch im Wohnmobil selbst, dessen Innenraum durch ein von Böhnhardt und Mundlos gelegtes Feuer stark zerstört war, hätten sich keine Hinweise auf die Anwesenheit einer weiteren Person gefunden.

Etwas unterschiedliche Einschätzungen gab es vor dem Ausschuss zu der Frage, ob durch den umstrittenen Abtransport des Wohnmobils noch am 4. November 2011 in eine Wagenhalle der Eisenacher Polizei Spuren beeinträchtigt wurden. Während Lotz und Michel sagten, dass sie diese Lösung nicht für optimal gehalten hätten, es aber kaum sinnvolle Alternativen gegeben hätte, bestritt der damals aus Gotha zur Spurensicherung nach Eisenach abgeordnete Kriminaloberkommissar Gerd Sopuschek, dass durch den Transport in größerem Umfang Spuren verwischt worden sein könnten. Er betonte, dass der Transport durch ein von der Polizei lizenziertes Abschleppunternehmen erfolgt sei.

Bekenner-DVDs in zwei Rücksäcken

Sopuschek räumte ein, dass er bei der Spurensicherung in dem ausgebrannten Wohnmobil, mit der er am 5. November 2011 beauftragt war, vermutlich einige Bekenner-DVDs des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) übersehen hat. Sie waren in zwei Rucksäcken verstaut und wurden vom Bundeskriminalamt erst einige Wochen später entdeckt.

Gefunden habe er aber größere Mengen Bargeld, die sowohl aus dem Banküberfall am 4. November 2011 in Eisenach als auch aus früheren Banküberfällen von Böhnhardt und Mundlos stammten. Es gehört zu den vielen noch immer ungeklärten Fragen im NSU-Komplex, warum die beiden Täter so große Mengen Bargeld in dem Wohnmobil verstaut hatten, das von ihnen für den Überfall in Eisenach angemietet worden war.

Computer professionell verschlüsselt

Als letzter Zeuge des Tages wurde bis 21.40 Uhr Prof. Dr. Christian Hummert gehört, der 2011 IT-Experte des Thüringer Landeskriminalamtes war. Er berichtete davon, dass es bei der Auswertung von Computern aus dem NSU-Umfeld zu Unstimmigkeiten zwischen dem Thüringer Landeskriminalamt und dem Bundeskriminalamt (BKA) gekommen sei. So habe man ihn zunächst mit der Entschlüsselung dieser Computer beauftragt.

Nach kurzer Zeit und noch vor Abschluss seiner Arbeit sei aber die Anweisung erfolgt, dass er die Computer an das BKA abgeben müsse, da man sich dort um die Geräte kümmern wolle. Auf Nachfrage von Petra Pau (Die Linke) sagte Hummert, dass in der rechtsradikalen Szene Computer sehr professionell verschlüsselt würden, um sie auf diese Weise „bullensicher“ zu machen, wie es im Jargon heiße. Auch bei einigen Computern von Personen aus dem NSU-Umfeld sei es bis heute nicht gelungen, die gespeicherten Daten zu entschlüsseln. 

Verwundert über schnellen Informationsfluss

Zuvor hatte im Ausschuss für Verwunderung gesorgt, wie schnell die Kriminalpolizei in Zwickau am Vormittag des 4. November 2011 über den Banküberfall in Eisenach informiert wurde, der zur Enttarnung der rechtsradikalen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ führte.

Kriminalhauptkommissar Christian Leucht gab als erster Zeuge des Tages vor den Ausschussmitgliedern an, bereits kurz nach zehn Uhr einen Anruf von der Kripo in Eisenach erhalten zu haben, in dem er über den Überfall der Sparkassenfiliale informiert wurde. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten die Bank am Nordplatz gegen 9.15 Uhr überfallen und waren anschließend mit einer Beute von rund 72.000 Euro auf Fahrrädern zu einem angemieteten Wohnmobil geflüchtet. Mit ihm fuhren sie dann in die Anliegerstraße Am Schafrain im Stadtteil Stregda und nahmen sich dort nach der Entdeckung durch die Polizei am Mittag das Leben.

Kriminalbeamter berichtet über Ermittlungen

Der als Zeuge gehörte Kriminalbeamte Christian Leucht hatte in Zwickau seit 2002 die Ermittlungen zu der Serie von Banküberfällen geführt, bei denen sich nach der Enttarnung des NSU herausstellte, dass sie von Böhnhardt und Mundlos begangen worden waren. Nach dem zunächst letzten Überfall einer Sparkasse im Januar 2007 in Stralsund hatte es am 7. September 2011 erneut einen Überfall auf eine Sparkassenfiliale im thüringischen Arnstadt gegeben.

„Mir war sofort klar, das sind unsere Leute“, sagte Leucht gestern dazu vor dem Ausschuss. So habe es wie bei früheren Überfällen Hinweis auf die Benutzung von Fahrrädern gegeben und zudem sei von einem Linkshänder berichtet worden. Da die Täter nach dem Überfall in Arnstadt erneut nicht gefasst werden konnten, habe er danach seine Kollegen in Thüringen gebeten, ihn bei einem erneuten Überfall dieser Art sofort zu informieren.

Leucht: Täter waren aggressiv und professionell

Das sei dann am Vormittag des 4. November 2011 geschehen. Ausschussvorsitzender Binninger nannte dieses Vorgehen „geradezu hellsichtig“, da sich bald herausstellte, dass Böhnhardt und Mundlos zusammen mit Beate Zschäpe in Zwickau gewohnt hatten, wo die einzige Überlebende des Trios dann am Nachmittag des gleichen Tages die gemeinsame Wohnung in die Luft sprengte.

Leucht betonte, dass Böhnhardt und Mundlos bei ihren Banküberfällen sehr aggressiv vorgegangen seien, aber so gut wie keine verwertbare Spuren hinterlassen hätten. Das habe die Aufklärung der Taten sehr erschwert. „Sie waren Täter mit großer Aggressivität, aber auch großer Professionalität“, sagte Leucht.

Löschwasser zog Beweismittel in Mitleidenschaft

Im Anschluss sagte Kriminaloberkommissar Michael Lotz aus, der am 4. November 2011 als erster Polizeibeamter das ausgebrannte Wohnmobil in Augenschein genommen hatte. Schon bei dem Brand des Wagens habe er gedacht, dass es im Inneren kaum Überlebende geben könne, da die Rauchentwicklung sehr stark gewesen sei.

Als schließlich mit Hilfe der Feuerwehr die Tür des Wohnmobils geöffnet worden sei, bot sich ihm ein Bild des Grauens. In dem ausgebrannten Innenraum lagen die Leichen von Böhnhardt und Mundlos, deren Köpfe durch Schüsse völlig zerstört gewesen seien. Sowohl nach Entdeckung der Leichen als auch früher habe es keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich vor dem Doppelselbstmord noch eine dritte Person im oder an dem Wohnmobil aufgehalten haben könnte.

Als schließlich am Nachmittag bekannt wurde, dass in dem Wagen die Dienstwaffe der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter lag, habe der Fall plötzlich „eine völlig neue Dimension bekommen“. Leider habe sich nicht vermeiden lassen, dass durch das Löschwasser der Feuerwehr auch Beweismittel in Mitleidenschaft gezogen worden seien. (rik/15.04.2016) 

Liste der geladenen Zeugen
  • Christian Leucht, Erster Kriminalhauptkommissar 
  • Michael Lotz, Kriminaloberkommissar 
  • Sylvia Michel, Kriminalhauptkommissarin
  • Gerd Sopuschek, Kriminaloberkommissar
  • Prof. Dr. Christian Hummert

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