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Expertin fordert eine „Trans­for­mation des Wirtschaftens“

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Das 21. Jahrhundert bietet aus Sicht der Transformationsforscherin Prof. Dr. Göpel eine neue Realität, die die Ideen von erfolgreicher Entwicklung auf den Kopf stellt. „Wir brauchen dringend eine Transformation des Wirtschaftens, um die Versorgungssicherheit der Menschen langfristig sicherstellen zu können“, sagte Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, am Mittwochabend, 17. Juni 2020, während einer öffentlichen Sitzung des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU). Im 20. Jahrhundert sei es viel um Extraktion gegangen, sagte Göpel. Jetzt gehe hingegen um Regeneration. „Mit Blick auf das Wachstum müssen wir uns klarmachen, was wachsen soll – nämlich das menschliche Wohlergehen.“

„Festlegen, was wir der Erde entnehmen können“

Die Wissenschaftlerin sagte weiter, seit den 1950er-Jahren habe das, was die Menschen der Erde entnommen haben, rasant zugenommen, was die Ökosysteme stark beeinträchtigt habe. Die Verantwortung, hier etwas zu ändern, liegt aus Sicht von Göpel zuallererst bei den „reichen“ und als wirtschaftlich erfolgreich geltenden Ländern. Deutschland etwa sei im roten Bereich. „Wir nehmen mehr in Anspruch als unsere Biokapazität umfasst“. Im Jahr 2019 sei der 3. Mai der Tag in Deutschland gewesen, bis zu dem der Umfang in Anspruch genommen worden sei, der eigentlich für das ganze Jahr gedacht gewesen sei, „wollten wir die Regenerationsfähigkeit der Ökosysteme erhalten“.

Göpel machte vor den Abgeordneten deutlich, dass es eine übergeordnete Strategie brauche, die es mit dem Green Deal auf der europäischen Ebene auch gebe. Ganz wichtig sei es, wissenschaftsbasiert eine absolute Limitation dessen festzulegen, „was wir der Erde nehmen können“. Dies sei mittelfristig als Ausgangswert zu nehmen für das, „was wir dann als Anpassungsphasen definieren“.

„Schritte zu mehr Nachhaltigkeit sind jetzt möglich“

Prof. Dr. Daniela Kleinschmit von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und zugleich Vizepräsidentin der International Union of Forest Research Organizations (IUFRO), sagte, Krisen, wie auch die Corona-Krise, würden von der Politik als Fenster verstanden, welche geöffnet werden könnten, um große politische Schritte zu machen. Solche Schritte hin zu mehr Nachhaltigkeit seien jetzt möglich. Kleinschmit verwies auf vorhandene Überlappungen zwischen der Kreislaufwirtschaft und der Bioökonomie – einer Wirtschaft, die zunehmend auf biobasierten Materialien beruht und in der fossile Stoffe abgelöst werden sollen. Dabei gehe es dennoch ganz stark um Wirtschaftswachstum – ähnlich wie bei der Kreislaufwirtschaft.

Die Corona-Krise, so machte sie deutlich, habe gezeigt, dass die internationalen Vernetzungen auch Probleme kreieren könnten. „Ein Blick auf die eigene Wirtschaft kann also nicht schaden, sondern sollte geschärft werden“, sagte Kleinschmit. Lagere man die Produktion irgendwo international aus, lagere man auch den Gedanken der Nachhaltigkeit aus, sagte sie. Es brauche also einen Blick auf die Nachhaltigkeit „sowohl in der Bioökonomie als auch in der Kreislaufwirtschaft“. Dabei müssten aber auch die Menschen mitgenommen werden. „Offene Fenster können nur genutzt werden, wenn die Menschen dazulernen und integriert sind“, sagte die Umweltwissenschaftlerin. (hau/17.06.2020)

Liste der Sachverständigen

  • Prof. Dr. Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)
  • Prof. Dr. Daniela Kleinschmit, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Vizepräsidentin der International Union of Forest Research Organizations (IUFRO)

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