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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

312 Jugendliche üben sich als Abgeordnete

Jugendliche im Plenarsaal des Bundestages

© DBT/Melde

312 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet im Alter von 16 bis 20 Jahren sind auf Einladung des Besucherdienstes des Deutschen Bundestages von Samstag, 5. Juni, bis Dienstag, 8. Juni 2010, zu Gast in Berlin, um am Planspiel „Jugend und Parlament 2010“ teilzunehmen. „Jugend und Parlament“ ist die Großsimulation des Planspiels „Parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren“, das der Besucherdienst regelmäßig mit Schulklassen ausrichtet.

Das Planspiel soll dazu beitragen, den Weg der Gesetzgebung für Jugendliche und junge Erwachsene nachvollziehbar zu machen. Dazu übernehmen die Teilnehmer die Rollen fiktiver Abgeordneter. Mit neuem Namen, neuer Biografie und neuer politischer Gesinnung ausgestattet, bringen sie vier fiktive Gesetzentwürfe „durch das Parlament“.

Begrüßung durch Gerda Hasselfeldt

Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind am Samstag, 5. Juni, im Bundestag empfangen und von Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) begrüßt worden. Gerda Hasselfeldt ist auch Vorsitzende der Kommission des Ältestenrates für Innere Angelegenheiten. Nach einem gemeinsamen Abendessen trafen sie sich auf der Fraktionsebene des Reichstagsgebäudes zum Kennenlernen in den „Landesgruppen“.

Zum Planspiel gehört, dass sich die Jugendlichen den Fraktionen fiktiver Parteien zuordnen, für die sie dann als „Abgeordnete“ um eine Mehrheit für ihr politisches Vorhaben kämpfen. Die fiktiven Parteien heißten Christliche Volkspartei (CVP), Arbeiterpartei Deutschlands (APD), Liberale Reformpartei (LRP) und Partei der Sozialen Gerechtigkeit (PSG). Ähnlichkeiten mit real existierenden Fraktionen im Deutschen Bundestag sind nicht zufällig.

Sitzungen der Landesgruppen und Fraktionen

Am Sonntagmorgen hatten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits nach Parteien getrennt zum Frühstück getroffen, ehe sie in „Landesgruppensitzungen“ in die Arbeitsweise des Planspiels eingeführt wurden. Dabei wurden auch Kandidaten für den Fraktionsvorsitz und Schriftführer nominiert.

Nach einer Stadtrundfahrt ging es am Sonntag wieder an die Arbeit: In Arbeitsgruppensitzungen wurden die Gesetzesvorlagen inhaltlich besprochen und anschließend in Fraktionssitzungen abgestimmt.

Erste Lesung und Ausschusssitzungen

Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt eröffnete die Plenardebatte mit der ersten Lesung am Montag, 7. Juni, um 9 Uhr.

Bereits gegen 10 Uhr schlossen sich Ausschusssitzungen in den echten Ausschusssälen des Paul-Löbe-Hauses an. Vor den Fraktionssitzungen um 16 Uhr statteten die Jugendlichen den Büros der Bundestagsabgeordneten einen Besuch ab, auf deren Einladung sie an dem Planspiel teilnehmen konnten.

Podiumsdiskussion mit „echten“ Fraktionsvorsitzenden

Die zweite und dritte Lesung der Gesetzesvorlagen beginnt am Dienstag, 8. Juni, ab 9 Uhr im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes. Sie dauert bis 12 Uhr und wird live im Parlamentsfernsehen und im WebTV übertragen. 36 Rednerinnen und Redner aller fiktiven Bundestagsfraktionen werden dabei zu hören sein.

Übertragen wird auch die anschließende Podiumsdiskussion mit den Fraktionsvorsitzenden Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD), Birgit Homburger (FDP), Dr. Gregor Gysi (Die Linke), Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) sowie dem stellvertretenden Vorsitzenden Michael Kretschmer (CDU/CSU). Es moderiert der ARD-Fernsehjournalist Ulrich Deppendorf.

Gegen 14 Uhr wird Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU/CSU) schließlich das Schlusswort sprechen. Nach einer Auswertung des Planspiels in den „Landesgruppen“ treten die Teilnehmer die Heimreise an.

Kooperation und Konflikt

Ziel des Planspiels ist es, komplexe Planungs-, Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse in mehrstufigen Verfahren nachvollziehbar zu machen. Die politische Realität wird dabei so weit wie möglich berücksichtigt, bestimmte Aspekte werden betont und zugespitzt, andere vereinfacht.

Indem die Jugendlichen die Rollen fiktiver Abgeordneter annehmen, lernen sie die Möglichkeiten von Kooperation und Konflikt kennen. Sie üben, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, zugleich aber die legitimen Interessen anderer zu berücksichtigen und erfahren, was es bedeutet, innerhalb der verschiedenen Gremien um eine gemeinsame Linie ringen zu müssen.

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