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Bassent aus Ägypten hat den Wahlkampf bei den Grünen direkt miterlebt

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Bassent Abdelwahab, IPS-Stipendiatin aus Ägypten

© DBT/photothek

Froh über das eigene Wahlergebnis und zugleich enttäuscht über den erstmaligen Einzug der AfD in den Bundestag. Diesen Zwiespalt der Gefühle erlebte Bassent Abdelwahab bei den Gästen der Wahlparty der Grünen am Wahlsonntag, 24. September. Bei der jungen Ägypterin überwogen allerdings die positiven Gedanken. Nicht nur, dass sie an der Wahlparty der Partei teilnehmen durfte. Schon zuvor war sie eine Woche lang mit dem Grünen-Abgeordneten Peter Meiwald im Rahmen des Programms des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS) für arabische Staaten auf Wahlkampftour. „Diese Woche werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen“, ist sich die 31-Jährige sicher.

„Ich wurde wie ein Mitglied vom Team Meiwald behandelt“

Imponiert habe ihr, wie engagiert Meiwald für die Grünen Wahlkampf gemacht hat, obwohl sein erneuter Einzug in den Bundestag aufgrund seines hinteren Listenplatzes sehr unsicher war und es am Ende auch tatsächlich nicht geklappt hat. „Ich war bei allen Aktivitäten dabei und wurde wie ein Mitglied vom Team Meiwald behandelt“, freut sie sich. Und so verwundert ihre Einschätzung auch nicht: „Das IPS ist noch besser, als ich erwartet habe“, sagt sie. Dank der praktischen Erfahrungen, „bei denen ich die Demokratie von innen erlebt habe“.

Ergebnis dieser Demokratie ist aber auch, dass die AfD in den Bundestag einzieht. Bassent Abdelwahab, die in Alexandria die deutsche Schule besucht hat und so ihr Interesse für Sprache und Land entdeckte, kennt die deutsche Geschichte. „Man darf nicht vergessen, dass auch die NSDAP Anfang der 1930er-Jahre durch Wahlen in das Parlament gekommen ist“, sagt sie. Viele in Deutschland hätten aber die AfD möglicherweise aus Protest gewählt und wüssten gar nicht, „was genau sie damit gewählt haben“. Möglicherweise entzaubere die Partei sich auch ganz schnell, sagt sie.

Seit zwei Jahren freie Journalistin in Alexandria

Dennoch – der Rechtsruck, den es in vielen Demokratien des Westens gibt, lässt sich wohl nicht wegdiskutieren. Folgen habe das auch für den Mittleren Osten, sagt sie. Die Scharfmacher der Islamisten nutzten radikale Aussagen der extremen Rechten im Westen für ihre Propaganda. Es könne so eine Spirale der gegenseitigen Ablehnung und Gewalt entstehen, warnt Bassent Abdelwahab.

Die 31-Jährige arbeitet in ihrer Heimatstadt Alexandria seit zwei Jahren als freie Journalistin. Zuletzt an einem Projekt der Goethe-Stiftung. Auf der Website „future perfect“ würden Personen und Initiativen vorgestellt, die sich für eine bessere Zukunft für alle einsetzen, sagt sie. Kampf gegen Obdachlosigkeit, mehr Umweltschutz und mehr Gerechtigkeit sind einige der Themen, zu denen auch Bassent Abdelwahab Texte beigesteuert hat.

„Ich brauche die Information“

Was die Medienlandschaft in Ägypten angeht, so hofft sie auf mehr Vielfalt. „Viele Sendungen, für die ich viel Respekt hatte, laufen inzwischen im ägyptischen Fernsehen nicht mehr“, beklagt sie. Als Beispiel führt sie die sehr erfolgreiche Talkshow des bekannten und beliebten ägyptischen Journalisten und Moderators Yosri Fouda, ihres journalistischen Vorbilds, an.

Die Sendung sei sehr gut gewesen. „Er hat Themen angesprochen und von allen Seiten beleuchtet, ohne festzulegen, was richtig oder falsch ist“, sagt Bassent Abdelwahab. „Das finde ich gut: Ich brauche die Information – dann bilde ich mir meine Meinung“, fügt sie hinzu.

„Guter Lokaljournalismus für Ägypten“

Bassent Abdelwahabs Ziel ist es, in Zukunft „guten Lokaljournalismus“ zu machen. Derzeit liege nämlich der Fokus der Berichterstattung immer nur auf Kairo oder vielleicht noch Alexandria. Ägypten brauche eine Dezentralisierung, findet sie. Das gelte auch für andere Bereiche.

Auf den in Deutschland gemachten Erfahrungen will die junge Ägypterin bei ihrer Arbeit aufbauen. „Ich finde es gut, dass es so viele Parteien in Deutschland gibt, die alle Strömungen der Gesellschaft repräsentieren“ sagt sie und freut sich, dies im spannenden Bundestagswahlkampf direkt miterlebt zu haben. (hau/27.09.2017)