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EUNAVFOR ASPIDES

Am 15. Oktober 2026 hat der Deutsche Bundestag der Fortsetzung einer deutschen Beteiligung an der EU-Mission „European Union Naval Force Aspides“ (EUNAVFOR Aspides) um ein weiteres Jahr bis zum 31. Oktober 2027 zugestimmt.

Seit November 2023 greift die radikalislamistische Huthi-Miliz aus von ihr kontrolliertem Territorium in Jemen die internationale Schifffahrt im Roten Meer an. Den Schwerpunkt ihrer Operationen bildet der Süden sowie die Meerenge von Bab al-Mandab. Im Zuge ihrer Offensive vom September 2026 hat sie die gesamte jemenitische Rotmeerküste unter ihre Kontrolle gebracht. Der betroffene, geostrategische Raum stellt die kürzeste Handelsroute zwischen Europa und Asien dar, weist ein Handelsvolumen von 15 Prozent des weltweiten maritimen Warenverkehrs auf und beinhaltet kritische Infrastruktur im Golf von Aden. Im Zuge der Angriffe weichen zahlreiche Reedereien auf die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung aus, mit Folgen für die wirtschaftliche und humanitäre Lage der Region.

Die Huthi-Miliz erklärt ihr Handeln mit dem ideologischen Narrativ der Solidarität mit den Palästinenserinnen und Palästinensern und dem Kampf gegen Israel sowie den Vereinigten Staaten von Amerika. Als maßgeblicher politischer und militärischer Verbündeter der Huthi tritt im Hintergrund Iran auf. 

Die EU-Mission EUNAVFOR Aspides wurde am 8. Februar 2024 von der EU beschlossen. Am 23. Februar 2024 stimmte der Deutsche Bundestag einer deutschen Beteiligung zu. Ziel der Bundesrepublik ist es, Handelsschiffen eine Sicherheit vor multidimensionalen Angriffen bereitzustellen und ein umfassendes Lagebild im Einsatzgebiet zu generieren. Hierunter fallen auch Erhebung und Austausch von Informationen über verdächtige Aktivitäten im Zusammenhang mit kritischer Infrastruktur. Der Schutz freier Handelswege ist im Jahr 2023 als ein deutsches Interesse in der Nationalen Sicherheitsstrategie festgehalten worden. Die EU-Mission sendet dabei ein positives Signal der Lastenverteilung an unsere transatlantischen Alliierten und zeigt die Bereitschaft, internationale Verantwortung übernehmen zu wollen. 

Das deutsche Mandat sieht eine Obergrenze von 350 Soldatinnen und Soldaten vor. Diese Kräfte werden in den Hauptquartieren und militärischen Stäben der EU und multinationaler Partner eingesetzt. Der Operationsraum umfasst die internationalen Gewässer im Roten Meer, dem Golf von Aden, im Arabischen Meer, im Golf von Oman und im Persischen Golf. Die Straße von Hormus bildet ein gesondertes Einsatzgebiet ohne Befugnisse für den Schutz von Schiffen. 

Den Schutz der deutschen Handelsschifffahrt sowie die Sicherung freier Waren- und Handelsströme hat die Bundesregierung als sicherheitspolitische Aufgabe in der Nationalen Sicherheitsstrategie bekräftigt. Der Bericht der Bundesregierung zur Evaluierung der mandatierten Auslandseinsätze der Bundeswehr hebt hervor, dass Beiträge zur Sicherung geostrategisch wichtiger Räume und kritischer Handelsrouten von besonderer Bedeutung sind.

Deutschland ist in enger Kooperation mit seinen EU-Partnern weiterhin bereit, einen wirksamen Beitrag zum Schutz deutscher und europäischer Sicherheitsinteressen zu leisten. Die Präsenz der EU in Form von EUNAVFOR ASPIDES bleibt gerade in einer weiterhin volatilen Sicherheitslage zentral. Die EU zeigt damit, dass sie willens und in der Lage ist, Verantwortung in der Region zu übernehmen. Dies sendet auch ein positives Signal an unsere transatlantischen Partner hinsichtlich der internationalen Lastenteilung bei der Sicherung der freien Handelsschifffahrt.

Auf EU-Ebene wurde – auch auf Initiative Deutschlands – ein intensiver Dialog über eine umfassende Stabilisierungsstrategie für das Rote Meer und den westlichen Indischen Ozean begonnen. Diese Strategie wird in die Strategische Überprüfung von EUNAVFOR ASPIDES und in die Verlängerung des EU-Mandats einfließen. Deutschland bringt sich hierbei aktiv ein, um einen strategischen Ansatz für das gesamte Einsatzgebiet zu fördern, der die Ursachen der Instabilität adressiert, die Unterstützung der Anrainerstaaten stärkt und das Zusammenspiel regionaler und maritimer Akteure vertieft.

EUNAVFOR ASPIDES koordiniert sich eng mit der US-geführten Operation PROSPERITY GUARDIAN, der EU-Mission EUNAVFOR ATALANTA sowie dem Maritime Security Centre Indian Ocean (MSCIO).

Seit Beginn der Operation beteiligt sich Deutschland mit Stabspersonal an EUNAVFOR ASPIDES. Im Zeitraum vom 23. Februar bis zum 20. April 2024 war die Fregatte HESSEN im Einsatz. Seit Ende Oktober 2024 leistet Deutschland mit der Gestellung eines Flugzeugs zur luftgestützten Aufklärung und Erstellung eines maritimen Lagebildes (Maritime Situational Awareness) im gesamten Einsatzgebiet einen wichtigen Beitrag.

Im aktuellen Mandatszeitraum wird sich Deutschland weiterhin mit Stabspersonal und einem Aufklärungsflugzeug an EUNAVFOR ASPIDES beteiligen. Die personelle Obergrenze wurde von 700 auf 350 Soldatinnen und Soldaten angepasst, ermöglicht aber weiterhin die Beteiligung mit einer seegehenden Einheit.

Der Deutsche Bundestag hat der Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Operation EUNAVFOR ASPIDES am 16. Oktober 2025 zugestimmt. Die hierfür vorgesehenen Kräfte können eingesetzt werden, solange die konstitutive Zustimmung des Bundestages vorliegt, längstens jedoch bis zum 31. Oktober 2026.