Forschungsetat für 2027 im Vergleich zum aktuellen Jahr auf gleichem Niveau
Der Etatansatz für das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Haushaltsentwurf für 2027 (21/7300(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) liegt mit 21,97 Millionen Euro ungefähr auf dem Niveau des aktuellen Jahres (2026: 21,82 Milliarden Euro). Den Einzelplan 30 von Ministerin Dorothee Bär (CSU) hat der Bundestag am Freitag, 11. September 2026, in erster Lesung beraten.
Ministerin: Ein Haushalt, der Probleme löst
Für Forschungs- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) hat der erfolgreiche Raketenstart des bayerischen Start-ups Isar Aerospace am Samstag, 5. September, „eine neue Ära“ eingeleitet, die zu einer neuen „Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit“ führe. Sie sei verwundert, dass der Paradigmenwechsel so wenig Aufmerksamkeit erhalten habe, schließlich habe er gezeigt, „dass Europa und dass Deutschland Raumfahrt kann“.
Die Forschungsministerin betonte außerdem die Bedeutung des Sondervermögens für die Umsetzung der Hightech-Agenda Deutschland. Außerdem würde die geplante BAföG-Erhöhung die Startchancen für junge Menschen „signifikant verbessern“. Insgesamt sei der Etat ihres Ministeriums „ein Haushalt, der Probleme löst“.
SPD: BAföG ist eine Investition in die Chancengerechtigkeit
Es sei ihrer Partei ein „Herzensanliegen“ gewesen, dass die BAföG-Reform nicht den Sparvorgaben zum Opfer falle, sagte die SPD-Abgeordnete Dr. Wiebke Esdar. Im Sommer hat das Kabinett den Entwurf zur BAföG-Reform verabschiedet. Für Esdar ist das BAföG „keine beliebige Sozialleistung, sondern eine Investition in Chancengerechtigkeit und in die Zukunft unseres Landes“. Rund 1,69 Milliarden Euro sind im Einzelplan für BAföG veranschlagt – davon 498 Millionen Euro für Schülerinnen und Schüler. Für das Haushaltsjahr 2026 wurden etwa 1,64 Milliarden Euro veranschlagt.
Esdar betonte außerdem, dass „am Anfang von Forschung und Fortschritt“ Menschen stehen. Daher müsste die Bundesregierung die Voraussetzungen schaffen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestmöglich arbeiten können.
Grüne: Sind Großprojekte nicht ausfinanziert, drohen Investitionsruinen
Für Dr. Paula Piechotta (Bündnis 90/Die Grünen) sorgen „Buchungstricks und Haushaltstricks“ dafür, dass der Einzelplan 30 deutlich weniger Planungssicherheit aufweise. Zwar bleibe der Forschungsetat formal konstant, hohe globale Minderausgaben könnte jedoch dafür sorgen, dass ein Teil der Mittel gar nicht eingesetzt werden könnten. „Forscher müssen sich darauf verlassen können, dass das Geld auch wirklich fließt“, sagte sie.
Kritisch schätzte Piechotta außerdem ein, dass Großprojekte wie etwa Fusionsreaktoren im Haushaltsplan nicht bis zum Schluss ausfinanziert seien. Wenn ein Großprojekt starte, müsse jedoch die Finanzierung bis zum Ende geklärt sein, sonst würden „Investitionsruinen“ drohen. Eine solide Haushaltspolitik müsse dies berücksichtigen, forderte sie.
AfD: Deutschland muss Standortnachteile abbauen
Nach Ansicht der AfD-Abgeordneten Nicole Höchst hat die zusätzliche Finanzierung durch das Sondervermögen dazu geführt, dass notwendige Entscheidungen vertagt wurden. Bei den Unterfangen des Forschungsministeriums fehle es etwa an Priorisierung, an Wirtschaftlichkeitsprüfungen und an Erfolgskontrollen. Bei der Fusionsforschung und den Quantentechnologien würden zusätzlich unklare Finanzierungswege drohen.
Höchst betonte, dass die deutsche Forschung im internationalen Vergleich zwar über eine „beachtliche Leistungsfähigkeit“ verfüge, dass die Erträge aus dieser Forschung aber oftmals im Ausland erzielt würden. Insbesondere Standortnachteile wie hohe Energiekosten und Abgabenlasten sowie ein Mangel an Fachkräften, Bürokratie und ideologische Erwartungen würden es für Start-ups attraktiver machen, direkt im Ausland zu produzieren.
Linke: Studieren wird in Deutschland ein Armutsrisiko bleiben
Die Linken-Abgeordnete Nicole Gohlke bemängelte die weitgehende Stagnation im Haushaltsentwurf beim BAföG. Rund 50 Millionen Euro mehr sieht der Entwurf im Vergleich zum aktuellen Haushaltsjahr vor. Sie kritisierte, dass die Bundesregierung Rekordschulden mache und gleichzeitig das BAföG nur minimal anhebe. „Studieren wird in Deutschland ein Armutsrisiko bleiben“, prognostizierte sie und bemängelte, dass ohne weitreichende Reform ein Studium zum Privileg für Kinder reicher Eltern werde.
Auch wirtschaftspolitisch sei diese Entwicklung problematisch. Schließlich würde es jungen Menschen dadurch erschwert werden, einen für sie passenden Ausbildungsweg einschlagen zu können.
CDU/CSU: Mehr Tempo bei Ausgründungen
Auch Florian Müller (CDU/CSU) gratulierte dem bayerischen Start-up Isar Aerospace zum erfolgreichen Raketenstart. Er machte gleichzeitig deutlich, dass es weitere Anstrengungen brauche, um die Startkapazitäten in Europa zu erhöhen: „Europäische Raketen fliegen, aber sie fliegen viel zu selten, um deutsche Missionen in voller Stärke mitzunehmen.“
Der CDU-Abgeordnete forderte weiter, dass die Bundesregierung die passenden Rahmenbedingungen schaffen müsse, damit wirtschaftliche Wertschöpfung wieder mehr in Deutschland stattfinde. Es brauche beispielsweise mehr Tempo bei Ausgründungen. Vom geplanten Innovationsfreiheitsgesetz erhoffe sich Müller, „Vorfahrtsregeln für Gründer“ zu schaffen.
Hightech-Agenda größter Programmbereich
Die Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse bilden mit 18,51 Milliarden Euro den Ausgabeschwerpunkt des Einzelplans. Die Ausgaben für Investitionen sollen gegenüber 2026 um rund 267 Millionen Euro auf 3,91 Milliarden Euro steigen. Zugleich sind im Einzelplan globale Minderausgaben in Höhe von insgesamt rund 759 Millionen Euro veranschlagt, nach rund 359 Millionen Euro 2026. Davon entfallen rund 639 Millionen Euro auf die allgemeine globale Minderausgabe und weitere 120 Millionen Euro auf eine globale Minderausgabe für Effizienzmaßnahmen.
Der größte Programmbereich ist „Forschung für Innovationen, Hightech-Agenda Deutschland“ (Kapitel 3004). Mit 8,78 Milliarden Euro liegt der Ansatz um 456 Millionen Euro über dem Soll 2026 von 8,33 Milliarden Euro. In diesem Bereich sind etwa die Zuschüsse an die Zentren der Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft (HGF-Zentren) in Höhe von rund 3,17 Milliarden Euro sowie an die Fraunhofer-Gesellschaft mit insgesamt rund 887 Millionen Euro veranschlagt.
Förderung der Ausbildung und Spitzenforschung
Rund 8,45 Milliarden Euro sind für den Programmbereich „Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschafts- und Innovationssystems“ (Kapitel 3003) veranschlagt. Davon entfallen beispielsweise rund 2,21 Milliarden Euro auf den Titel „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ und 600 Millionen Euro auf die „Exzellenzstrategie zur Förderung von Spitzenforschung an Universitäten“. Für den Programmbereich „Bildungsfinanzierung, Talent- und Fachkräfteförderung“ (Kapitel 3002) sind im Entwurf 2,56 Milliarden Euro etatisiert.
Der größte Ausgabenposten ist hier mit 1,19 Milliarden Euro das BAföG für Studierende, hinzu kommen 498 Millionen Euro für das BAföG für Schülerinnen und Schüler. Bei der Begabtenförderung sieht der Entwurf rund 333 Millionen Euro für die Begabtenförderungswerke sowie 91,5 Millionen Euro für die „Begabtenförderung Berufliche Bildung“ vor. Im Programmbereich „Raumfahrt“ (Kapitel 3005) sind rund 2,24 Milliarden Euro eingeplant. Der größte Ausgabenposten ist laut Entwurf hierbei mit rund 1,05 Milliarden Euro der Beitrag an die Europäische Weltraumorganisation (ESA).
Mittel für die „Hightech-Agenda“ im KTF enthalten
Zusätzlich zu den Ausgaben des Einzelplans sind auch im Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und im Klima- und Transformationsfonds (KTF) Investitionen im Bereich Forschung, Technologie und Raumfahrt geplant. Die Hightech-Agenda wird in zwei Ausgabentiteln des Sondervermögens erwähnt. Insgesamt sind hier rund 1,04 Milliarden Euro veranschlagt. Davon entfallen rund 414 Millionen Euro auf den strategischen Ausbau der Forschungs-Ökosysteme und 623,1 Millionen Euro auf den Aufbau von Infrastrukturen. Für den strategischen Ausbau der Forschungs-Ökosysteme und der Infrastrukturen im Forschungs- und Wissenschaftssystem sind insgesamt rund 174 Millionen Euro etatisiert.
60 Millionen Euro sollen in die nationale Raumfahrtinfrastruktur investiert werden. Aus dem KTF sollen 307,1 Millionen Euro in die „Batterieforschung und Batterietechnologien“ sowie rund 456,8 Millionen Euro in „Energieforschung und Energietechnologien“ fließen. Beide Titel werden vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt bewirtschaftet. (des/hau/11.09.2026)