Aussprache über den Raketenstart von Isar Aerospace
Der erfolgreiche Raketenstart des bayerischen Start-ups Isar Aerospace Anfang September hat den Bundestag am Donnerstag, 24. September 2026, während einer Aktuellen Stunde beschäftigt. Die Trägerrakete „Spectrum“ startete vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya und erreichte wenig später die Erdumlaufbahn. Die Rakete kann bis zu tausend Kilogramm Nutzlast befördern und soll dazu beitragen, Europa unabhängiger vom US-amerikanischen Raumfahrtunternehmen SpaceX zu machen.
Ministerin: Lehrstück der Innovationsförderung
Für Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) ist die Aktuelle Stunde ein guter Anlass, um den Erfolg von Isar Aerospace zu würdigen. Der erfolgreiche Raketenstart habe gezeigt: „Deutschland kann Raumfahrt und Europa kann Raumfahrt“. Für eine deutsche und europäische technologische Souveränität müsste die Zahl der Raketenstarts jedoch deutlich erhöht werden. Damit dies gelinge, sei der Schritt „hin zum Wettbewerb, hin zu kommerziellen Trägerraketen“ ein richtiger gewesen. Der Erfolg von Isar Aerospace sei ein „Lehrstück der Innovationsförderung“ und könne weitere private Investoren motivieren, so die Ministerin.
Sie merkte außerdem an, dass es mit Blick auf immer mehr private Akteure und Probleme wie Weltraumschrott dringend ein Weltraumgesetz bedürfe. Ein entsprechender Entwurf des Forschungsministeriums liegt laut Bär derzeit zur Abstimmung bei anderen Ministerien.
AfD: Raumfahrt droht mit EU Space Act eine Überregulierung
Zwar sprach auch Andreas Mayer (AfD) von einer „guten Nachricht“, er nutzte seinen Redebeitrag jedoch vor allem dazu, vor einer Überregulierung der Raumfahrt zu warnen. Trotz mehrfacher Nachfrage habe die Bundesregierung bislang keinen Zeitplan für ein Nationales Raumfahrtgesetz vorgelegt. Dabei brauche es zeitnah „Rechtssicherheit, klare Verantwortlichkeiten und Investitionsschutz“.
Mayer warnte eindringlich vor dem EU Space Act, der für ihn eine „Entmachtung der Nationalstaaten und die ideologische Fesselung der Raumfahrt“ bedeutet.
SPD: Transfer stärken und Gründungen erleichtern
Die Erfolgsgeschichte von Isar Aerospace zeige deutlich, dass Deutschland „Begeisterung, Hartnäckigkeit und Überzeugung“ fördern müsse, sagte Holger Mann (SPD). Das Potenzial für den Wohlstand in diesem Land liege in den Köpfen. Er sprach sich für eine frühe und durchgehende Förderung von der Kita bis zu den Hochschulen aus: „Wir müssen dafür sorgen, dass aus Neugier und Begeisterung Gründerinnen und Gründer werden“.
Isar Aerospace, das aus einer Studentengruppe an der TU München entstanden ist, sei neben Biontech und StreetScooter ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Gründungen aus den Hochschulen. Damit künftig noch mehr solcher Erfolgsgeschichten entstehen, wolle Mann den Transfer stärken und Ausgründungen erleichtern.
Grüne: Politik muss Rahmenbedingungen schaffen
Auch Ayse Asar von Bündnis 90/Die Grünen zeigte sich begeistert von dem Erfolg von Isar Aerospace. Der erfolgreiche Start habe gezeigt, dass Deutschland „voller Potenzial“ stecke und Innovationen könne.
Für Asar komme es nun darauf an, dass die Politik die Rahmenbedingungen für die Raumfahrt beziehungsweise deren Akteure schaffe. Hierbei seien drei Punkte entscheidend: So müsse die Bundesregierung den Wettbewerb fördern, indem sie nicht nur große Unternehmen, sondern auch Start-ups und den Mittelbau miteinbeziehe. Außerdem müssten Hochschulen und Studierende stärker gefördert werden. Zuletzt forderte Asar klare Regeln durch ein Weltraumgesetz. Die Eckpunkte dafür würden noch aus Zeiten der Ampel-Koalition vorliegen und müssten von der Bundesregierung aufgegriffen werden.
Linke: Militarisierung des Weltraums verhindern
Desiree Becker (Die Linke) kritisierte, dass die Bundesregierung die Raumfahrt immer mehr durch eine „militärische und sicherheitspolitische Brille“ sehe. Zwar brauche Europa einen verlässlichen Zugang zum Weltraum und technologische Unabhängigkeit, dies dürfe jedoch nicht automatisch bedeuten, „dass jeder Bereich der militärischen Logik unterworfen wird“. Becker appellierte zudem, unbedingt zu verhindern, „dass der Weltraum zum nächsten Schauplatz eines globalen Wettrüstens und somit Einfallstor in eine unkontrollierbare Eskalationsspirale wird“.
Laut der Linken-Abgeordnete seien insbesondere die Milliarden aus dem Verteidigungshaushalt für den Erfolg bei der Raumfahrt verantwortlich. Sie kritisierte die Bundesregierung dafür, zu wenig in Bildung und Wissenschaft zu investieren.
Union: Gründer durch Innovationsfreiheitsgesetz stärken
Mit Blick auf die Äußerungen der Linken entgegnete Florian Müller (CDU/CSU), dass eine Verweigerung des Schutzes für die eigene Infrastruktur bedeute, die Sicherheit der eigenen Satelliten zu gefährden.
Auch Müller betonte, dass ein Weltraumgesetz entscheidend sei, damit Unternehmen ihre Rechte und Pflichten kennen. Um den Mut von Gründern generell weiter zu stärken, diene auch das geplante Innovationsfreiheitsgesetz. Von diesem verspricht sich Müller „höhere Geschwindigkeit, Schutz vor Bürokratie und schnelle Ausgründungsprozesse“. (eis/24.09.2026)