Bundestag erinnert an den Mauerbau vor 65 Jahren
Der Bundestag hat am Donnerstag, 24. September 2026, in einer 20-minütigen Vereinbarten Debatte an den 65. Jahrestag des Mauerbaus in Berlin am 13. August erinnert. Das Thema der Debatte lautete „65 Jahre Mauerbau: Verantwortung für die Gegenwart – Mahnung für die Zukunft“.
Union: Erinnern ist eine Frage der Anerkennung
Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) betonte, dass das Erinnern eine „Frage der Anerkennung“ gegenüber den ehemaligen DDR-Bürgerinnen und -Bürgern sei. An das Unrecht zu erinnern, sei die Verantwortung aller Menschen in Ost- und Westdeutschland. Es müsse sichergestellt werden, dass die Geschichte der SED-Diktatur in der Bildung „die Bedeutung erfährt, die sie im Lebensweg vieler Menschen hatte und bis heute hat“.
Wichtig sei, dass die Erinnerung an die DDR-Vergangenheit als Aufgabe und Bestandteil des nationalen Gedächtnisses verstanden werde. „Denn diese Geschichte zeigt uns klar, dass Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht selbstverständlich sind.“
AfD: Deutschland durch eine Brandmauer geteilt
Nach Ansicht von Dr. Götz Frömming (AfD) stehe die SED in Berlin „kurz vor der Machtübernahme“. Das Parteiprogramm der Partei Die Linke sei ebenso wie der ehemalige SED-Staat ein „Gegenmodell zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und zur Marktwirtschaft“.
65 Jahre nach dem Mauerbau sei Deutschland nun durch eine „sogenannte Brandmauer“ geteilt. Dies zeige auch ein Blick auf die Deutschlandkarte und das Wahlverhalten der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Demnach sei das Land entlang der früheren Grenze noch immer geteilt.
SPD: Jedes Menschenleben eins zu viel
Dr. Franziska Kersten (SPD) erinnerte an die vielen Todesopfer an der Berliner Mauer. Auch wenn die genauen Zahlen schwankten, sei „jedes einzelne Menschenleben eins zu viel“. Daher könne sie der sogenannten Ostalgie sehr wenig abgewinnen.
Auch wenn Ost- und Westdeutschland heute noch in vielen Aspekten geteilt seien und dies auch noch lange bleiben würden, gebe es erfolgreiche Projekte, die das Zusammenwachsen der Menschen zeigten.
Grüne: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit
Aus Sicht von Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) sei die Berliner Mauer „der Beweis der Hilflosigkeit der Diktatur“. Die Mauer habe gezeigt, dass die SED sich nicht anders zu helfen gewusst habe, als ihre Bürgerinnen und Bürger einzusperren. Die Mauer habe Familien zerrissen, Menschen getötet und Deutschland getrennt. Den Opfern der SED-Diktatur sei man es schuldig, diese Vergangenheit nicht zu verharmlosen oder „gar schönzureden“.
Die Überreste der Mauer erinnerten daran, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit sei. Der Lauf der Dinge liege „in unseren Händen“. Es sei wichtig, sich dies aufgrund drohender rechtsextremer Landesregierungen ins Gedächtnis zu rufen.
Linke: Einsatz für die Freiheit ist ein politischer Auftrag
Auch David Schliesing (Die Linke) betonte, dass die DDR-Bürgerinnen und -Bürger ihrer Freiheit beraubt, Familien zerrissen und Menschen gebrochen wurden. Dies sei eine Verletzung der Menschenrechte, die „durch nichts“ zu rechtfertigen sei.
Der Einsatz für individuelle Freiheit, Selbstbestimmung, Menschen- und Bürgerrechte und die Demokratie sei ein politischer Auftrag, der „ins Zentrum des eigenen politischen Handelns“ zu stellen sei. (mtt/24.09.2026)