Aktuelle Stunde

Hitzige Debatte zur deutschen Klima- und Umweltpolitik

Vor der Weltbiodiversitätskonferenz Ende Oktober im armenischen Jerewan und dem zwei Wochen später im türkischen Antalya beginnenden Weltklimagipfel im November hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einer eigens beantragten Aktuellen Stunde am Mittwoch, 14. Oktober 2025, der Bundesregierung Fehlentscheidungen in der Umwelt- und Klimapolitik vorgeworfen und im Bundestag vor einem „Versagen“ gewarnt. Trotz eines sich verschärfenden Klimawandels, der die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen gefährde, schraube sie ihre Klima- und Umweltschutzgesetzgebung zurück, so der Vorwurf. Doch auch die Grünen selbst mussten Kritik einstecken.

Grüne monieren „Zurückdrehen“ der Klimagesetze

Dr. Jan-Niclas Gesenhues (Bündnis 90/Die Grünen) verwies zum Auftakt der teils hitzigen Debatte auf die massive Gletscherschmelze in den vergangenen fünf Jahren: Nicht nur ganze Ökosysteme gingen damit verloren, „sondern auch ein wichtiges Wasserreservoir für unsere Versorgung und auch für die Wirtschaft“. Das Niedrigwasser auf zentralen Wasserstraßen wie dem Rhein habe deutlich gemacht, wie angewiesen wichtige Industriezweige auf genügend Wasser seien. Ohne funktionierten ihre Wertschöpfungsketten nicht mehr. 

Umso unverständlicher sei es, dass die Bundesregierung „regulatorische Vorgaben, die für mehr Klimaschutz sorgen sollen, immer weiter zurückdrehe“ – und so gleichzeitig in der aufstrebenden Umweltbranche, in der viele neue Jobs entstanden seien, ausbremse. „Sie bestrafen ausgerechnet die, die Zukunftstechnologien voranbringen“, kritisierte der Grünen-Politiker und appellierte an Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) auf der Regierungsbank, das Renaturierungsgesetz „konsequent umzusetzen“ und endlich das angekündigte Gesetz zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur vorzulegen.

CDU/CSU verteidigt Anpassungen am Emissionshandel

Christian Moser (CDU/CSU) verteidigte die Politik der Bundesregierung. In seiner Rede verglich er die Wirtschaft mit einem Bergsteiger, der sich mit einer durch Bürokratie und hohe Kosten inzwischen bleischweren Weste vorwärts kämpfe. „Ich frage mich, wie er den Weg damit hochkommen soll.“ 

Das, was die Grünen als „Zurückdrehen“ bezeichneten, sei aus seiner Sicht eine notwendige Anpassung, um der Wirtschaft wieder Luft zu verschaffen, so Moser. Bei den Anpassungen beim Emissionshandel etwa gehe es darum, faire Wettbewerbsbedingungen für deutsche Unternehmen zu schaffen. Es habe Reformen zur Planungsbeschleunigung und die Änderungen im Umweltrecht auch gebraucht, um bei der Transformation schneller voranzukommen.

SPD: Müssen nachlegen, um Klimaziele zu erreichen

Jakob Blankenburg (SPD) räumte ein, dass Deutschland, um sein 2030-Klimaziel zu erreichen noch „nachlegen müsse“, doch von Versagen zu sprechen, sei unangemessen. Die Menschen im Land stellten sich „ganz andere Fragen“, so der Sozialdemokrat. „Vor allen Dingen die Frage: Kann ich mir das leisten?“

Zudem übersähen die Grünen offenbar, was sich „auf Deutschlands Dächern, in Heizungskellern und auf Parkplätzen“ beim Klimaschutz tue. Mehr als 60 Prozent des Stroms stammten inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Es gebe zwar noch einiges zu tun, aber Ziel sei es, bis 2045 klimaneutral zu sein.

AfD: Grüne haben sich mit Energiepolitik an Natur „versündigt“

Scharf griff Dr. Michael Blos (AfD) die Grünen an: Dass ausgerechnet sie über Versagen sprächen, sei schon bemerkenswert, so der Abgeordnete. 

Schließlich hätten sie mit ihrer „ideologiegetriebenen Energiepolitik das Land wirtschaftlich die Wand gefahren“ und sich gleichzeitig an Natur und Umwelt „versündigt“. Für den Ausbau der Windkraft nehme die Partei Eingriffe in Natur und Umwelt „rücksichtslos in Kauf“, kritisierte Blos.

Linke: Chronologie des Versagens in der Umweltpolitik

Für Die Linke holte Dr. Fabian Fahl zum Rundumschlag aus, als er die deutsche Klima- und Umweltpolitik als „eine Chronologie des Versagens“ bezeichnete. Keine Regierung habe bislang eine „verfassungskonforme Politik gemacht“ und die natürlichen Lebensgrundlagen in Verantwortung für die künftigen Generationen geschützt. Gegen klimafreundliche Politik würden oft Kostenargumente ins Feld geführt, für „umweltzerstörende Industrien und Ausgaben“ sei dagegen „sehr, sehr viel Geld da“, so Fahl mit Blick auf den Tankrabatt. 

Sein Fazit: SPD und Union „können keine Klimapolitik, denn sie interessieren sich vor allem für die fossilen Industrien“, die Grünen hofften auf Freiwilligkeit der Unternehmen. Doch wenn sich etwas ändern solle, brauche es vor allem eins: Umverteilung.

Schneider: Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie

Als Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) schließlich das Wort in der Debatte ergriff, unterstrich er die Notwendigkeit der „langen Linien in der Umwelt- und Klimapolitik“. Wie die Vorgängerregierung folge auch die Umwelt- und Klimapolitik von SPD, CDU und CSU einer „langen Linie“ mit dem Ziel, Umwelt, Natur und Klima zu schützen. 

Schwarz-Rot suche allerdings in der Klimaschutzpolitik den „klugen Ausgleich zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen“, hob Schneider hervor, um weitere gesellschaftliche Polarisierung bei dem Thema zu vermeiden. Damit sei die Koalition erfolgreich, befand der Minister. Bei Wärmepumpen gebe es „Rekordabsätze“, auch weil das reformierte Heizungsgesetz den Menschen die „Freiheit der Wahl gibt“. Bei den Elektroautos erlebe man einen „atemberaubenden Zulassungsstrom“ – auch dank der E-Auto-Förderung des Bundesumweltministeriums. (sas/15.10.2026)