IPS-Alumniregionalkonferenz in Astana, Kasachstan

(© IPS-Alumni-Verein Kasachstan)
Auf der Regionalkonferenz in Astana erörterten die IPS-Alumni aus sechs Staaten die Herausforderungen für die Nationenbildung
Am 19. September, nach drei Tagen intensiver Besprechungen, ging die ІІ. IPS-Alumni-Regionalkonferenz mit dem Titel „Herausforderungen für die Nationenbildung in Zentralasien und im Kaukasus“ zu Ende.
An der Veranstaltung nahmen 12 IPS-Alumni verschiedener Jahrgänge aus Kasachstan, Armenien, der Mongolei, Aserbaidschan, Georgien und Usbekistan teil. Das Event wurde durch Mittel des Deutschen Bundestages sowie der lokalen Vertretungen der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert. Ein Kurultay-Abgeordneter der Republik Kasachstan, die Vertreter des Deutschen Bundestages, der Botschaft der BRD in Astana, der FES und der KAS begrüßten die Teilnehmer auf der Konferenz. Das Event wurde von einem Organisationsteam aus Aktivisten des IPS-Alumni-Vereins Kasachstan organisiert.

(© IPS-Alumni-Verein Kasachstan)
In seiner Begrüßungsrede hob der Abgeordnete des Kurultays der Republik Kasachstan, Yevgeniy Bolgert, die Bedeutung Deutschlands als wichtigen Partner Kasachstans in Europa hervor. Einen besonderen Stellenwert habe dabei die parlamentarische Diplomatie. Die bestehenden Freundschaftsgruppen zwischen den Parlamenten Kasachstans und Deutschlands ermöglichten einen direkten Austausch zwischen Abgeordneten, stärkten das gegenseitige Verständnis und ergänzten die klassische Diplomatie. Auch die IPS-Alumni könnten in diesem Prozess eine besondere Rolle spielen, da sie beide Länder kennen und zwischen Institutionen, politischen Kulturen und Menschen vermitteln können. Zugleich betonte Herr Bolgert die Bedeutung einer gut ausgebildeten und engagierten jungen Generation. Das IPS erweitere den Horizont junger Menschen, vermittle praktische Einblicke in parlamentarische Arbeit und schaffe internationale Netzwerke, die ihnen Möglichkeiten eröffneten, sich sowohl in der Politik als auch im gesellschaftlichen Leben einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
In Anknüpfung daran betonte eine der Organisatorinnen und Vorsitzende des IPS-Alumni-Vereins Kasachstan, IPS-Alumna 2020–2021 Helena Garkawa: „Für mich war es ein echter Erfolg, die Nationenbildung auf verschiedene Art und Weise mit den IPS-Alumni aus der Region Zentralasien und Kaukasus zu besprechen. Es ist ausgesprochen wichtig, in der heutigen turbulenten Zeit diese Fragen aus regionaler Perspektive zu erörtern, die Herausforderungen zu benennen und effektive Lösungen für unsere Demokratien zu finden.“
Am ersten Tag der Konferenz hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Bildung einer gemeinsamen zentralasiatischen Identität zu diskutieren. Danach erfuhren sie mehr über eine so katastrophale Zeit in der Geschichte der Kasachischen SSR wie die Jahre 1931–1933, die man „Ascharschylyq“ (Hungersnot) nennt. Der Tag wurde mit einem Willkommensabendessen abgeschlossen, bei dem die Teilnehmer die neuen Erkenntnisse austauschten.
Die erste Hälfte des zweiten Tages war der Erinnerungskultur im modernen Kasachstan sowie dokumentarischen Belegen zu Erzählungen von Kasachstans offizieller Geschichte des Stalinismus gewidmet. Darüber hinaus besprachen die Teilnehmer das sowjetische Erbe bei Fragen wie dem Islam, dem Nauryz-Fest und der Dekolonisierung in Zentralasien. Danach folgte ein praktischer Teil der Konferenz: Die Teilnehmer berichteten über die Situation in ihren Ländern bezüglich der Prozesse der Nationenbildung und Identität. Dieser Teil wurde mit einem Workshop zur Erstellung einer Mindmap zu den thematischen Schwerpunkten der Konferenz abgeschlossen.
Der aserbaidschanische IPS-Alumnus 2018 Vasif Huseynov würdigte die Veranstaltung als eine hervorragende Gelegenheit, um Fragen der Identitätsbildung in Zentralasien und dem Kaukasus zu diskutieren und zugleich Kasachstan bei seinem ersten Besuch in der Region kennenzulernen. Besonders hob er das Format des Austauschs hervor: „Für mich war es von großer Bedeutung, sensible Themen im Rahmen der Chatham-House-Regel besprechen zu können – beispielsweise die Herausforderungen bei der Formierung unserer Nation und die Frage: ‚Wer sind wir?‘ Es herrschte ein sehr offenes Umfeld mit gewinnbringenden Diskussionen, und ich bin überzeugt, dass alle Teilnehmenden eine ähnlich wertvolle Erfahrung gemacht haben.“

(© IPS-Alumni-Verein Kasachstan)
Den dritten Tag verbrachten die Teilnehmer im Museum ALZHIR und lernten vor Ort die Geschichten von zahlreichen gebrochenen Schicksalen kennen. Nach der Blumenniederlegung an der Gedenkstätte wurden die Konferenzteilnehmer nach QAZAQ AUYLY in der Nähe des Museums gefahren. Dort erlebten sie die Wiederbelebung des ethnischen Handwerks der Kasachen, wie den Aufbau von Jurten (traditionelle, zusammenklappbare Häuser der Nomaden), und machten selbst Qurt aus hausgemachtem Quark. Die II. Regionalkonferenz der IPS-Alumni in Astana ging mit einer Reflexionsrunde neben einer Jurte, bei der die Teilnehmenden traditionelle Gerichte der kasachischen Küche probierten, unter einem Schanyraq – dem Symbol für Vereinigung und Traditionspflege – symbolisch zu Ende.
Der IPS-Alumni-Verein Kasachstan organisiert die Regionalkonferenz in Astana zum zweiten Mal. Die erste Regionalkonferenz fand im Oktober 2016 unter dem Titel „Fachkräfte für Zukunftsenergien: Probleme und Perspektiven“ statt und brachte Alumni aus sechs Ländern der Region zusammen.
weitere Informationen
Yelena Garkava, Vorsitzende des IPS-Vereins Kasachstan
ips.kasachstan@gmail.com(E-Mail)
Der IPS-Alumni-Verein Kasachstan wurde 2010 gegründet und vereinigt 80 IPS-Alumni der Jahrgänge 2005-2026. Vereinsmission ist es, die Absolventen des IPS-Programms in Kasachstan für Networking, die Unterstützung ihrer beruflichen Entfaltung und die Förderung der demokratischen Entwicklung und bilateralen Partnerschaft zwischen Kasachstan und Deutschland zu vereinen.
Das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) ist ein fünfmonatiges Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages, das seit 1986 gemeinsam mit der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin durchgeführt wird. Unter der Schirmherrschaft der Bundestagspräsidentin fördert das Programm demokratische Werte und stärkt die internationale Zusammenarbeit, indem es jährlich etwa 120 Teilnehmenden aus über 50 Ländern Einblicke in den parlamentarischen Alltag sowie ein akademisches Begleitprogramm bietet.
Die Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kasachstan ist die älteste politische Stiftung Deutschlands (gegründet 1925) und in Zentralasien seit den 1990er-Jahren aktiv. Verankert in den Kernwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, setzt sie sich für soziale Demokratie und den internationalen Dialog ein. Zu ihren Hauptaufgaben in der Region gehören die Stärkung demokratischer Institutionen und des inklusiven politischen Dialogs, die Förderung von Frieden und Sicherheit sowie die Mitgestaltung einer nachhaltigen Stadt- und Umweltpolitik.
Die Vertretung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kasachstan ist seit 2007 vor Ort ansässig (wobei die Stiftung bereits seit den 1990er-Jahren im Land aktiv ist) und basiert auf den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sowie der Förderung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Marktwirtschaft. Zu den Hauptarbeitsschwerpunkten des Stiftungsbüros gehören die Politik- und Parteienberatung, politische Bildung und Förderung der Zivilgesellschaft, Medien- und Umweltpolitik, der Außen- und Sicherheitsdialog, die kommunale Selbstverwaltung sowie das Sur-Place-Stipendienprogramm.