IPS 2026

Adel über Sprache: eine Brücke zwischen Menschen, Kulturen und Ländern

Foto eines Mannes vor einem der Türme des Reichstagsgebäudes

Adel Ghandy aus Ägypten (IPS-Teilnehmer 2026) (© Adel Ghandy)

Adel Ghandy ist DaF-Lehrer aus Ägypten, studierte Germanistik an der Ain-Shams- Universität in Kairo und nahm 2026 am Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) des Deutschen Bundestages teil.

Warum haben Sie Deutsch gelernt?

Was zunächst mit der Neugier auf eine neue Sprache begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer tiefen persönlichen und beruflichen Verbundenheit mit der deutschen Sprache. Während meines Germanistikstudiums an der Ain-Shams-Universität in Kairo wurde mir zunehmend bewusst, dass eine Sprache weit mehr als ein Kommunikationsmittel ist. Sie eröffnet den Zugang zu einer anderen Kultur, Gesellschaft und Denkweise. Sprache schafft die Möglichkeit, Menschen miteinander zu verbinden. Heute bin ich als DaF-Lehrer tätig und versuche, genau diese Erfahrung an meine Studentinnen und Studenten weiterzugeben.

Inwiefern sind Sie in Ihrem Heimatland politisch, sozial oder zivilgesellschaftlich engagiert?

Als Deutschlehrer engagiere ich mich insbesondere im Bildungs- und im interkulturellen Bereich. In meiner Arbeit geht es für mich nicht ausschließlich darum, Sprachkenntnisse zu vermitteln, sondern auch darum, jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen und den Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen zu fördern. Durch meine Lehrtätigkeit, meine Teilnahme an internationalen Bildungs- und Austauschformaten sowie mein Engagement in verschiedenen deutsch-ägyptischen Kontexten versuche ich, zu einem differenzierten gegenseitigen Verständnis beizutragen.

Dabei sehe ich Bildung als eine Form gesellschaftlicher Verantwortung: Wer Menschen Zugang zu Sprache, Wissen und unterschiedlichen Perspektiven ermöglicht, schafft zugleich Voraussetzungen für mehr Dialog und Teilhabe.

Warum haben Sie sich für das IPS-Programm beworben?

Ich habe mich für das IPS-Programm beworben, weil ich Deutschland nicht nur aus der Perspektive eines Sprach- und Kulturinteressierten kennenlernen wollte. Ich wollte verstehen, wie Demokratie im parlamentarischen Alltag funktioniert, wie politische Entscheidungen entstehen und wie unterschiedliche Interessen miteinander ausgehandelt werden. Gleichzeitig war es  mir wichtig, meine eigene Perspektive als junger Ägypter einzubringen und mit Menschen aus unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten in einen offenen Dialog zu treten. Das IPS erschien mir daher als einzigartige Möglichkeit, nicht nur theoretisches Wissen zu erwerben, sondern Demokratie auch unmittelbar zu erleben und dabei selbst Teil eines internationalen Austauschs zu sein.

Was waren Ihre Programmhighlights?

Zu meinen größten Highlights gehörten zweifellos die Einblicke in die parlamentarische Arbeit des Deutschen Bundestages. Besonders beeindruckend war für mich, politische Prozesse, die ich zuvor vor allem theoretisch kannte, unmittelbar mitzuerleben. Darüber hinaus waren die Gespräche mit Abgeordneten, die Besuche verschiedener politischer und gesellschaftlicher Institutionen und vor allem der Austausch mit den anderen IPS-Teilnehmenden prägend. Wir kamen aus unterschiedlichen Ländern und brachten sehr unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven mit. Gerade daraus entstanden Gespräche, die weit über das eigentliche Programm hinausgingen. Letztlich waren es diese Begegnungen, die Berlin für mich zu einer persönlichen Erfahrung gemacht haben – und nicht nur zu einer politischen.

Was war der bedeutendste Moment oder die wichtigste Erkenntnis während Ihres Aufenthaltes in Berlin?

Eine der nachhaltigsten Erkenntnisse meines Aufenthalts war, dass Demokratie nicht allein durch Institutionen und Gesetze getragen wird, sondern vor allem durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und miteinander im Gespräch zu bleiben. Ich habe gelernt, dass demokratischer Dialog nicht bedeutet, dass alle dieselbe Meinung vertreten müssen. Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Positionen auszuhalten, einander zuzuhören und trotz bestehender Differenzen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Besonders der Austausch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft hat mir gezeigt, dass Verschiedenheit kein Hindernis für Verständigung sein muss, sondern eine ihrer wichtigsten Voraussetzungen sein kann.

Wie würden Sie Ihre Zeit in Berlin in drei Worten zusammenfassen?

Verbundenheit, Perspektivwechsel, Vielfalt

Was sind Ihre Zukunftspläne?

Nach meiner Rückkehr nach Ägypten habe ich meine eigene Online-Sprachakademie ins Leben gerufen und sie vor Kurzem offiziell vorgestellt. Mein Ziel ist es nun, sie kontinuierlich weiterzuentwickeln und langfristig auch in Deutschland zu etablieren, um dort einen Raum für sprachlichen und interkulturellen Austausch zu schaffen.

Welche Tipps haben Sie für zukünftige Teilnehmer und Teilnehmerinnen, um das Beste aus ihrem Aufenthalt in Berlin zu machen?

Ich würde zukünftigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern empfehlen, mit Offenheit, Neugier und der Bereitschaft nach Berlin zu kommen, die eigene Komfortzone zu verlassen. Das IPS bietet weit mehr als politische Bildung: Es eröffnet die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, eigene Überzeugungen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu gewinnen. Deshalb sollte man nicht nur die offiziellen Programmpunkte wahrnehmen, sondern jede Gelegenheit zum persönlichen Austausch nutzen. Und vielleicht das Wichtigste: Man sollte nicht nur mit der Erwartung nach Berlin kommen, etwas zu lernen, sondern auch bereit sein, sich von den Begegnungen und Erfahrungen verändern zu lassen. Denn genau darin liegt für mich die besondere Stärke des IPS.