Anna: Weitermachen, wo Politik und Menschlichkeit sich begegnen

Anna aus Lettland (IPS-Teilnehmerin 2026) (© Anna Lauska)
Anna ist 24 Jahre alt, studierte interkulturelle Kommunikation und internationale Beziehungen in Lettland und hat am Internationalen Parlaments-Stipendiums 2026 teilgenommen.
Inwiefern spielt deutsche Politik in Deinem Heimatland eine Rolle?
Deutschland ist historisch gesehen einer der wichtigsten Handelspartner Lettlands und als größte Volkswirtschaft Europas ein echter Wirtschaftsgigant – das zeigt sich auch im Land selbst, sei es durch deutsche Unternehmen oder Investitionen. Generell wird die deutsche Politik in Lettland aufmerksam verfolgt, da Entscheidungen aus Berlin oft auch Auswirkungen auf die Region haben. Seit dem Krieg in der Ukraine ist zudem deutlicher geworden, wie eng die politischen Entwicklungen in Deutschland und Lettland miteinander verbunden sind. Themen wie Energiepolitik oder die Position Deutschlands innerhalb der EU und NATO beobachten wir mit besonderem Interesse, da sie auch die Sicherheitslage im Baltikum mitbeeinflussen können. Diese Verflechtung macht deutlich, wie wichtig ein gutes Verständnis der deutschen Politik für Lettland ist – sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus gesellschaftlicher Perspektive.
Inwiefern bist du politisch, sozial oder zivilgesellschaftlich engagiert?
Als stellvertretende Leiterin des Landesbüros Lettland der Deutsch-Baltischen Zukunftsstiftung engagiere ich mich aktiv für die deutsch-lettischen Beziehungen und unterstütze zudem die Projekte des Verbandes der Deutschen in Lettland sowie des Rigaer Deutschen Kulturvereins. Dieses Engagement hat mein Interesse an politischer und gesellschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Lettland und Deutschland maßgeblich geprägt und mich dazu motiviert, mich auch über meine berufliche Tätigkeit hinaus für den kulturellen und zivilgesellschaftlichen Austausch beider Länder einzusetzen.
Warum hast du dich für das IPS-Programm beworben?
Die Erzählungen der lettischen Stipendiatin des vergangenen Jahres machten mich auf das Programm aufmerksam und motivierten mich zur Bewerbung. Ich wollte die Grundlagen der deutschen Politik, die ich mir über Jahre angeeignet hatte, in der Praxis erleben und vertiefen – direkt im Deutschen Bundestag. Das IPS-Programm bot mir die einzigartige Chance, parlamentarische Arbeit hautnah mitzuerleben, mein Wissen über die deutsche Medienlandschaft und aktuelle politische Entwicklungen zu erweitern und gleichzeitig die deutsch-lettischen Beziehungen auch in meinem Umfeld zu stärken.
Was war der bedeutendste Moment oder die wichtigste Erkenntnis während Deines Aufenthalts in Berlin?
Besonders bedeutsam war für mich die Möglichkeit, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages bei der Vorbereitung und Begleitung wichtiger Gesprächstermine zu unterstützen, etwa im Vorfeld des Besuchs einer ägyptischen Delegation sowie der kanadischen Botschafterin. Die Kombination aus inhaltlicher Vorbereitung und der anschließenden Teilnahme an diesen Gesprächen gehörte zu den spannendsten Erfahrungen meines Praktikums.
Ebenso prägend war die Gemeinschaft der IPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten. Trotz unserer Unterschiede sind wir zusammengewachsen. Einige Freundschaften werde ich ein Leben lang schätzen und pflegen. Die vielen gemeinsamen Erlebnisse, von Sonnenaufgängen am Müggelsee und Kajakfahrten bis hin zu tiefgründigen Diskussionen und Gesprächen, haben meinen Aufenthalt in Berlin unvergesslich gemacht. Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass gerade die Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Lebensrealitäten den eigenen Horizont erweitern und oft den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen.
Welche Fähigkeiten oder Kenntnisse hast Du während des Programms erlernt, die Du in Zukunft nutzen wirst?
Erstens, Recherchekompetenz und Selbstvertrauen im Umgang mit hochrangigen Gesprächspartnern. Die Vorbereitung von Gesprächsterminen für Delegationsbesuche, von der Recherche bilateraler Beziehungen bis zur Formulierung möglicher Gesprächsfragen, die ich anschließend selbst begleiten durfte – das alles hat mich besonders geprägt. Wie einzigartig ist denn das! Auch das Verfassen von Berichten sowie Führungen für Besuchergruppen durch den Bundestag – meine Lieblingsaufgabe – haben mein organisatorisches Geschick und meine Kommunikationsfähigkeiten geschärft. Das Wertvollste dabei ist, dass sich diese Fähigkeiten fest in mir verankert haben – ich weiß, dass ich sie bei Bedarf jederzeit aus der Tasche hervorholen und sinnvoll einsetzen kann. Genau darin liegt doch der Zauber, oder?
Wie würdest Du Deine Zeit in Berlin in drei Worten zusammenfassen?
Einblick, Gemeinschaft, Reife