Izelda: Berlin erleben, Europa verstehen, Albanien mitgestalten

Izelda aus Albanien (IPS-Teilnehmerin 2026) (© Güler Hüseynli)
Von Albanien nach Berlin und zurück: Izelda Bakiasi, 22, über politische Verantwortung, Europa und die Zukunft des eigenen Landes.
Warum hast Du Deutsch gelernt?
Ich habe Deutsch ursprünglich gelernt, weil ich vor etwa zehn Jahren mit meiner Familie nach Deutschland gereist bin. Am Anfang war die Sprache natürlich eine Herausforderung, aber ich war sehr motiviert und konnte sie schon nach ungefähr sechs Monaten ziemlich gut sprechen. Nach zwei Jahren sind wir wieder nach Albanien zurückgekehrt, aber ich wollte Deutsch nicht einfach wieder vergessen. Deshalb habe ich weiter Deutsch gelernt – ich habe deutsche Musik gehört, Filme geschaut und später auch Bücher gelesen. Mit der Zeit ist Deutsch zu einer echten Leidenschaft für mich geworden. Schließlich bin ich sogar Online-Deutschlehrerin geworden. Dadurch habe ich nicht nur anderen geholfen, sondern selbst immer wieder Neues gelernt.
Inwiefern spielt deutsche Politik in Deinem Heimatland eine Rolle?
Deutsche Politik spielt in Albanien eine ziemlich wichtige Rolle, vor allem im Zusammenhang mit dem geplanten EU-Beitritt. Deutschland unterstützt Albanien dabei stark und setzt sich dafür ein, dass der Beitrittsprozess schneller vorankommt. Dabei sind Themen wie Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und Justizreformen besonders wichtig.
Außerdem ist Deutschland Albaniens größter bilateraler Geber. Deutschland unterstützt Albanien zum Beispiel bei erneuerbaren Energien, Infrastruktur, beruflicher Ausbildung, Wirtschaft und Rechtsstaatlichkeit. Dadurch hat Deutschland natürlich auch politischen Einfluss.
Eine weitere wichtige Rolle spielt der Berlin-Prozess, den Deutschland 2014 für die Westbalkanländer gestartet hat. Ziel ist es, die Region wirtschaftlich und politisch stärker mit der EU zu verbinden.
Ich würde aber nicht sagen, dass Deutschland direkt die albanische Politik bestimmt. Vielmehr unterstützt und beeinflusst Deutschland bestimmte Reformen und Entwicklungen. Gleichzeitig ist Albanien für Deutschland wichtig, weil es strategisch auf dem Westbalkan liegt und für die Stabilität und Sicherheit der Region eine Rolle spielt.
Inwiefern bist du politisch, sozial oder zivilgesellschaftlich engagiert?
Ich bin vor allem im Bereich Jugend, Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement aktiv. Durch mein Studium der Politikwissenschaft und meine Erfahrungen in Albanien, Österreich und Deutschland habe ich gelernt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und der Austausch zwischen jungen Menschen sind.
Als Mitglied des Youth Council der US-Botschaft habe ich Projekte zur Jugendbeteiligung mitorganisiert, Veranstaltungen zur politischen und gesellschaftlichen Teilhabe unterstützt und den Council bei Diskussionen und Workshops vertreten. Außerdem war ich als Youth Advisor bei Save the Children und UNICEF tätig und habe dort an verschiedenen Jugendinitiativen mitgewirkt.
Durch meine beruflichen Erfahrungen habe ich zusätzlich gelernt, Veranstaltungen zu koordinieren, mit verschiedenen Partnern zusammenzuarbeiten und Projekte zuverlässig umzusetzen. Ich möchte diese Erfahrungen nutzen, um die europäische Integration und die Verbindung zwischen jungen Menschen im Westbalkan und Europa aktiv mitzugestalten. Langfristig möchte ich aber besonders in Albanien tätig sein und einen konkreten Beitrag zum EU-Beitrittsprozess meines Landes leisten. Ich möchte nicht nur über europäische Integration sprechen, sondern selbst Teil dieses Prozesses sein und mit meinen Erfahrungen dazu beitragen, Albanien auf diesem Weg zu unterstützen.
Warum hast du dich für das IPS-Programm beworben?
Ich hatte mich für das IPS-Programm beworben, weil es für mich eine ideale Verbindung zwischen meinen beiden großen Interessen darstellte: Politikwissenschaft und die deutsche Sprache. Durch mein Studium hatte ich ein großes Interesse an Demokratie, politischen Institutionen und politischen Prozessen entwickelt. Gleichzeitig hatte ich über viele Jahre Deutsch gelernt, und die Sprache war zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden.
Das IPS-Programm bot mir die Möglichkeit, beides miteinander zu verbinden und gleichzeitig praktische Erfahrungen im politischen und parlamentarischen Umfeld zu sammeln. Besonders interessant fand ich die Möglichkeit, einen direkten Einblick in die deutsche Politik zu bekommen und mehr über politische Zusammenarbeit auf europäischer Ebene zu lernen.
Was waren Deine Programmhighlights während des sechswöchigen Theorieteils?
Mein größtes Highlight während des sechswöchigen Theorieteils waren für mich die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Wir kamen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen politischen Erfahrungen und Perspektiven.
Auf welche Herausforderungen bist Du während Deines Aufenthalts in Berlin gestoßen und wie bist Du damit umgegangen?
Eine konkrete Herausforderung war für mich, mich schnell an das politische und parlamentarische Umfeld in Berlin zu gewöhnen. Besonders am Anfang waren die vielen neuen Begriffe, Abläufe und Diskussionen auf Deutsch nicht immer einfach. Ich wollte aber nicht nur zuhören, sondern wirklich verstehen, was passiert. Deshalb habe ich mir unbekannte Begriffe sofort notiert, später recherchiert und oft auch direkt nachgefragt.
Eine Situation ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Bei einer Diskussion wurde sehr schnell über ein politisches Thema gesprochen, das ich noch nicht genau kannte. Statt mich zurückzuhalten, habe ich mir die wichtigsten Punkte notiert und mich danach intensiv damit beschäftigt. Beim nächsten Gespräch konnte ich mich dann selbstbewusst einbringen. Für mich war das eine wichtige Erkenntnis: Herausforderungen sind oft genau die Situationen, an denen man am meisten lernt.
Welche Fähigkeiten oder Kenntnisse hast Du während des Programms erlernt, die Du in Zukunft nutzen wirst?
Eine konkrete Fähigkeit, die ich während des Programms entwickelt habe, ist, politische Informationen schneller zu analysieren und auf den wesentlichen Punkt zu bringen. Besonders bei der parlamentarischen Arbeit habe ich gelernt, wie aus vielen unterschiedlichen Informationen eine klare politische Position entsteht.
Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig Vorbereitung ist. Vor Gesprächen und Veranstaltungen habe ich mich gezielt über die jeweiligen Themen und Personen informiert. Das hat mir geholfen, bessere Fragen zu stellen und mich aktiver einzubringen.
Diese Fähigkeiten möchte ich in Zukunft besonders in Albanien nutzen. Wenn ich dort im Bereich europäische Integration arbeiten möchte, muss ich politische Entwicklungen verstehen, verschiedene Perspektiven miteinander verbinden und komplexe Themen verständlich vermitteln können. Genau das habe ich während des IPS praktisch gelernt.
Inwiefern unterscheiden sich die parlamentarische Arbeit und Politik in Deinem Heimatland von der in Deutschland?
Während meiner Zeit in Deutschland habe ich gelernt, dass Demokratie nicht nur bedeutet, Wahlen abzuhalten, sondern auch Transparenz, Verantwortung und Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern. Besonders beeindruckt hat mich, wie Abgeordnete versuchen, mit ihren Wählerinnen und Wählern im Austausch zu bleiben und ihre politische Arbeit nachvollziehbar zu machen.
In Albanien gibt es in diesen Bereichen meiner Meinung nach noch viel Entwicklungspotenzial. Wir brauchen mehr Transparenz, stärkere Institutionen und einen engeren Austausch zwischen Politik und Gesellschaft. Gerade deshalb finde ich die Erfahrungen, die ich in Deutschland gesammelt habe, für Albanien besonders wertvoll.
Wie würdest Du Deine Zeit in Berlin in drei Worten zusammenfassen?
Prägend, inspirierend und verbindend.
Welche Tipps hast Du für zukünftige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um das Beste aus dem Aufenthalt in Berlin zu machen?
Mein wichtigster Tipp wäre: Bleibt nicht nur im Bundestag oder in eurem eigenen Umfeld, sondern nutzt Berlin wirklich als Lernort. Sprecht mit Menschen, die anders denken als ihr, besucht Veranstaltungen, geht auch einmal in ein Stadtviertel, das ihr noch nicht kennt, und fragt euch immer: „Warum ist Politik hier so, wie sie ist?“ Ich würde außerdem empfehlen, jeden Tag eine Sache aufzuschreiben, die man neu gelernt hat. Goethe sagte: „Man sieht nur, was man weiß.“ Genau das habe ich in Berlin verstanden: Je mehr man sich mit Politik, Geschichte und Menschen beschäftigt, desto mehr erkennt man. Nutzt deshalb jede Begegnung und jede Gelegenheit – auch die kleinen.