PRESSEMITTEILUNG: 3. Oktober: Wir feiern nicht nur die deutsche Einheit, sondern auch das Ende der Diktatur!

Zum Tag der Deutschen Einheit sagt Evelyn Zupke: „Wir feiern nicht nur die deutsche Einheit, sondern auch das Ende der Diktatur!“ (© Foto Deutscher Bundestag / Inga Haar)
Jeder fünfte Empfänger der Opferrente für ehemalige politisch Inhaftierte der DDR lebt heute in Westdeutschland. Für die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, ist das mehr als eine Zahl: „SED-Unrecht ist nicht nur in Ostdeutschland sichtbar. Viele Betroffene leben in den westdeutschen Bundesländern – sie verkörpern geradezu die deutsche Einheit.“
Wie eng Ost und West verbunden sind, zeigt auch der Blick nach Bremen, wo der Tag der Deutschen Einheit in diesem Jahr zentral gefeiert wird: Evelyn Zupke lädt dort zu einem Gespräch mit zwei Zeitzeugen, die nach Fluchtversuchen und Haft in der DDR in Bremen eine neue Heimat gefunden haben (3. Oktober, 17 Uhr, Forum Plenarsaal des Deutschen Bundestages am Weserstadion Bremen).
Die SED-Opferbeauftragte ist dankbar dafür, dass der Bundestag die Unterstützung für Opfer des SED-Unrechts, die heute in Westdeutschland leben, in den vergangenen Jahren erheblich verbessert hat: „Bisher konnten nur Betroffene, die heute in ostdeutschen Bundesländern leben, von den Härtefallfonds der einzelnen Bundesländer Unterstützung erhalten. Seit 2025 haben wir endlich einen bundesweiten Härtefallfonds. Jetzt können wir auch den Menschen im Westen helfen, die als Opfer der Diktatur mit wenig Geld auskommen müssen.“
Evelyn Zupke ist bewusst häufig in Westdeutschland unterwegs: „Im Westen gibt es kaum Gedenkstätten und nur wenige Orte, die an die deutsche Teilung erinnern. Aber ich stoße immer wieder auf großes Interesse an den Lebensgeschichten von Menschen, die unter der SED-Diktatur gelitten haben. Und ich merke: Persönliche Gespräche sind viel wichtiger als Schlagzeilen über eine vermeintlich ostdeutsche und westdeutsche Identität.“
Jeder Austausch über die geteilte, aber auch die gemeinsame Geschichte bringe die Menschen einander näher. Zugleich betont die SED-Opferbeauftragte: „Die deutsche Einheit ist keine Ziellinie, die wir irgendwann überqueren – sondern ein Prozess. Einheit heißt aber auch nicht, dass wir irgendwann identisch sein müssen. Wir haben unterschiedliche Familiengeschichten, Lebenswege und Erfahrungen. Und das ist eine Bereicherung!“
Zu diesen unterschiedlichen Erfahrungen gehören auch die Härten der Transformation nach der Wiedervereinigung. Evelyn Zupke betont: „Die gesellschaftliche Debatte über wirtschaftliche Härten nach 1990 hat ihre Berechtigung. Dennoch dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren: All die Mühen und Herausforderungen der Wiedervereinigung haben sich für jeden einzelnen politisch Inhaftierten, der heute in Freiheit und nicht mehr hinter Gittern lebt, mehr als gelohnt!“
Bei aller Diskussion darüber, wie die deutsche Einheit heute gelebt wird, dürfe aber nicht aus dem Blick geraten, wie die Wiedervereinigung überhaupt erreicht wurde: „Wir feiern am 3. Oktober nicht nur die deutsche Einheit – sondern auch das Ende der Diktatur. Und wir feiern die Menschen, die in der DDR die Demokratie erkämpft haben!“
Hintergrund:
Der Härtefallfonds ist bei der Stiftung für ehemalige politisch Verfolgte angesiedelt, die Rechtsaufsicht liegt bei der SED-Opferbeauftragten. Leistungen können unkompliziert beantragt werden und werden zumeist in nur zwei bis vier Wochen geprüft. Seit dem Start des Härtefallfonds am 9. November 2025 haben schon über 500 Betroffene profitiert.